Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Blindsight
Blindsight oder: Die Bergwahn-derung Darf man Presseberichten glauben, herrscht rund um den Gipfel des Mount Everest ein Gedränge wie an den Stränden Mallorcas zur Hochsaison. Unter die zahlreichen Bergsteiger auf der Suche nach dem letzten Kick mischen sich auch immer mehr Menschen mit Gebrechen, welche ein besonderes Medieninteresse generieren. So gab es zum Beispiel den doppelt Beinamputierten Mark Inglis, dessen Aufstieg in der sechs Folgen umfassenden Discovery-Doku "Everest - Beyond the Limit" Thema war. Auch Erik Weihenmayer, der Blinde unter den Bergsteigern, schaffte es zur Berühmtheit. Titelblätter auf dem Time Magazine und People zeugen davon. Im Zentrum von Blindsight stehen Sonam Bhumtso, Gyenshen, Dachung, Kyila, Tenzin und Tashi. Sechs Teenager, die auch blind sind, aber zusätzlich noch der dauertrendy Randgruppe "Tibeter" angehören. Gutmensch Sabriye Tenberken will sie auf die Spitze treiben. Statt Ehrfurcht vor der Kraxel-Leistung widmet man sich aber Fragen: Ab wann wird aus Stursinn Unverantwortlichkeit und wer bezahlt eigentlich solche Expeditionen? Der Film will das Selbstbewusstsein der Blinden stärken. Wer ohne Augenlicht auf schmalen Graten wandert, hat durchaus Achtung verdient. Trotz augenscheinlicher Erfolge, bleibt aber ein mulmiges Gefühl. Das der Geschäftemacherei auf Kosten blinder Tibeterkinder. Die Talkshowtours der "Braille Without Border"-Chefin Tenberken in den USA und Europa sind ein Zeichen dafür. Deshalb wird aus der eigentlich gut gemeinten Sache ein Empowermentfilm der schlimmsten Sorte. Auf einer Bergwanderung in weniger hohe Gefilde hätte man dasselbe erreichen können. Die imposanten Filmbilder aus der Bergwelt gleichen denen ähnlich verorteter Werke und die dazwischen eingeschobenen Beiträge zum Schicksals der jugendlichen Expeditionsmitglieder haben die Qualität einer kommunen "Helfer mit Herz"-Telereality-Show. |

