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Beitrag Into the Wild

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Into the Wild oder: Mit dem Zelt nach Alaska


Into the Wild ist nicht bloss ein Abenteuerfilm, obwohl er sicher dessen Dramaturgie, der Inszenierung der Landschaft und deren Gefahren bedient und aufzeigt. Doch wo das gewöhnliche Adventure durch das Aufprallen der Zivilisation und der Natur seinen Reiz bezieht, versucht dieser Film gerade durch die Entscheidung des Helden, die Zivilisation hinter sich zu lassen, um in der reinen Natur sich selbst zu werden, diese zwei Elemente zu verbinden. Dies gelingt ihm in einer famosen Weise.

Obwohl nicht jedermann die radikale Entscheidung des Protagonisten - dem Bruch mit seiner Vergangenheit, das Aufgeben seiner Existenz - nachvollziehen kann, verkörpert der bei uns eher unbekannte und zuletzt in Alpha Dog gesehene Emile Hirsch den Aussteiger Christopher mit einer unglaublichen Reife und optimistischen Ausstrahlung, was es dem Zuschauer erleichtert, ihm diese Entscheidung abzunehmen, so, dass er sogar mitfiebert, dass der Junge in seiner Isolation das finden möge, was ihn antreibt. Unterstützt wird Hirsch durch ein vielseitiges Schauspielensemble, bei dem vor allem Catherine Keener, die junge Kristen Stewart und Hal Holbrook in einer bemerkenswerten Altersrolle als Rentner Mr. Franz herausstechen. Wenn Holbrook nach langem Zögern den jungen Idealisten mit einer bemerkenswerten Geste am Gehen hindern will, wird wohl mancher Zuschauer feuchte Augen bekommen.

Begleitet von einem tollen Soundtrack von Eddie Vedder, dem Sänger und Texter der amerikanischen Musikgruppe Pearl Jam, fliesst der Film ähnlich wie der Colorado River im Film: mal wild und stürmisch, mal ruhig und sanft. Die Inszenierung wirkt deshalb frisch und unbekümmert, obwohl Into the Wild mit 140 Minuten Laufzeit einen Tick zu lang geraten ist.

Regisseur und Schauspieler Sean Penn, ein ähnlicher Rebell und Idealist, muss im Roman von Jon Krakauer, welcher auf dem Leben des richtigen Christopher McCandless basiert, einen Stoff gefunden haben, in welchem er sich wieder erkannt hat. Dies ist dem Film auch anzumerken. Er blendet bewusst die Gefahren aus, die sich dem Jungen entgegenstellen und blickt einseitig und auch ein wenig belehrend auf die Zurückgelassenen oder jene, welche Christopher auf seinem Weg trifft. In diesen Szenen wirkt der Tramper ein wenig zu idealistisch. Einer, der sich nicht vom Begehen des Weges abbringen lässt, was die anderen nicht verstehen können oder nicht wollen.

Dies ist jedoch nicht störend, im Gegenteil, es ermöglicht dem Film, klar Position zu beziehen. Into the Wild fasziniert und unterhält, regt zum Denken über die eigene Existenz an und erinnert uns, auch durch die Tatsache, dass hier eine wahre Geschichte verfilmt worden ist, dass es solche mutige Leute gibt, die sich trotz gesellschaftlicher Konventionen treu bleiben und sich auf ihrem Lebensweg nicht beirren lassen, auch wenn man dabei alles zurücklassen muss, um sich selbst zu werden.

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hut's Wertung: 5 Sterne

Zu diesem Thema wurden insgesamt 18 Beiträge geschrieben.
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Ein wirklich äusserst poetischer Film. Ich kenne die Romanvorlage leider nicht, aber ich war sofort gefesselt von den Ideen und Gedanken des Alexander Supertramp. Alleine schon die Geschichte ist spannend und mitreissend. Doch auch die Inszenierung von Sean Penn hat ihre Qualitäten. So ist sie sehr individuell geraten und richtet sich nicht nach den gängigen Mainstream-Mustern. Weiter hat auch Eric Gautier gute Arbeit geleistet und liefert traumhaft schöne Bilder. Zudem wurde nicht alles auf Hochglanz poliert sondern man liess den Bildern einen gewissen wilden Charme. Und zu guter Letzt ist da noch Emile Hirsch, dessen schauspielerische Leistung mich vollkommen überzeugt hat. Er vermag Christopher McCandless' Ideale treffend darstellen und die Anstrengungen und Strapazen augenscheinlich glaubwürdig verkörpern. Ich hoffe, dass er uns in seinen weitern Rollen genau so für sich gewinnen kann.

mab's Wertung: 5.0 Sterne

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ich war von dem buch "in die wildnis" schon begeistert...obwohl ich eigentlich mit wandern und bergsteigen nichts am hut habe....aber die geschichte,die den jungen amrikaner beschreibt,der eigentlich alles hätte,wovon andere träumen,sich aber in seinem reichtum nicht wohlfühlt,die hat mich sehr berührt.
sean penn ist es sehr gut gelungen,wie ich finde,die geschichte dem buch sehr nahe zu erzählen...ich wünsche emile hirsch,das er weiterhin so anspruchsvolle rollen angeboten bekommt und bin etwas enttäuscht,warum er nicht für einen oscar nominiert worden ist...denn viggo mortensen in "eastern promises" kann er allemal das wasser reichen...

wenn jemand einmal ein paar stunden loslassen will vom alltags-stress,und sich von schönen bildern beriesseln lassen möchte,dann kann ich ihm diesen ruhigen,aber doch auch bewegenden film sehr empfehlen...

auch der soundtrack trägt zum gesammt-werk des filmes einen sehr wichtigen teil bei...grandios!

weihs' Wertung: 5.0 Sterne

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jon krakauers gleichnamiges buch "into the wild" hat mich zutiefst berührt und gefesselt. ich finde es immer schwierig einen film zu bewerten, der auf einem buch basiert, dass man bereits gelesen hat. auch dieser film hat so seine momente, die im buch nicht zu finden sind - aber hier störte mich das keineswegs. der cast ist erste sahne, allen voran natürlich emile hirsch in der hauptrolle. er spielt so überzeugend und kam dem chris mccandless, den ich vom buch her in gedanken hatte, sehr, sehr nahe. aber auch der restliche cast ist einfach super, obwohl niemand wirklich lange vor der kamera auftaucht. und dann diese landschaft... einfach wunderschön.
am besten gefiel mir die szene

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als er am strassenrand sitzt und diesen riesigen apfel verdrückt und ihn als superapple bezeichnet... ich fand das irgendwie angesichts dessen, was ihm bevorstehen wird, so tragisch und komisch zugleich


erwähnenswert ist auch der soundtrack von vedder, der die landschaft und geschichte mit seiner musik perfekt untermalt.

der film "into the wild" macht traurig und glücklich zugleich. ich blickte am ende des films schweigend auf den abspann und verliess das kino mit einem leisen schluchzen und einem schlichten "wow" in gedanken.

splendora's Wertung: 6.0 Sterne

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Sehr überzeugend gespielter und ruhiger Film, der beweist, dass "Jungstars" durchaus in der Lage sind, den Sprung aufs nächste Level zu nehmen. Emile Hirsch (Alpha Dog) lässt einem sofort an seinem Schicksal und dem Freiheitsdrang teilnehmen und die Reise ist mehr als nur schön bebildert und porträtiert.

Mir persönlich ist der Film schlussendlich ein bisschen zu lang geraten. Das soll aber keinesfalls seine Qualität schmälern.

muri's Wertung: 5.0 Sterne

Die auch etwas kritische Rezension des Tagesanzeigers fand ich super:
http://tages-anzeiger.ch/dyn/news/kino/839040.html

Und ja, Penn hat hier wirklich ein Meisterwerk mit unglaublichem Soundtrack geschaffen.

Und hier noch was zur wahren Geschichte (vielleicht besser erst nach dem Film lesen):

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Due to the fact that he had no maps, McCandless was unaware that a hand-operated tram crossed the impassible river only 6 miles from the Stampede Trail. There were also cabins stocked with emergency supplies within a few miles of the bus, although they had been vandalized and all the supplies were spoiled, possibly by McCandless himself, as detailed in Lamothe's documentary.

Alaskan Park Ranger Peter Christian wrote: "I am exposed continually to what I will call the ‘McCandless Phenomenon.' People, nearly always young men, come to Alaska to challenge themselves against an unforgiving wilderness landscape where convenience of access and possibility of rescue are practically nonexistent [...] When you consider McCandless from my perspective, you quickly see that what he did wasn't even particularly daring, just stupid, tragic, and inconsiderate. First off, he spent very little time learning how to actually live in the wild. He arrived at the Stampede Trail without even a map of the area. If he [had] had a good map he could have walked out of his predicament [...] Essentially, Chris McCandless committed suicide."
Many Alaskans react with rage to his stupidity. You'd have to be a complete idiot, they say, to die of starvation in summer 20 miles off the Parks Highway.


aus: http://en.wikipedia.org/wiki/Christopher_McCandless
und: http://nmge.gmu.edu/textandcommunity/2006/Peter_Christian_Response.pdf

[Editiert von kiri am 2008-02-10 20:48:48]

[Editiert von kiri am 2008-02-10 20:52:21]

kiri's Wertung: 6.0 Sterne

Folgendes aus dem Rating ist eine sehr seltsame Aussage: "blendet bewusst die Gefahren aus, die sich dem Jungen entgegenstellen und blickt einseitig und auch ein wenig belehrend auf die Zurückgelassenen oder jene, welche Christopher auf seinem Weg trifft."
Weshalb?
1. Es gibt zahlreiche Gefahrenszenen, drei davon sind scharf:
a) Chris wird von einem Eisenbahn-Sicherheitsmann brutal zusammengeschlagen. b) Beim gefahrenvoll inszenierten River-Rafting ruft ihm ein Tourist zu, er solle einen Helm tragen. c) Als Chris halb verhungert vor seinem Bus steht, gibts eine gefährliche Begegnung mit einem Bären. (Nicht zuletzt stirbt ja der Protagonist wegen den Risiken seiner Reise!)
2. Alle Menschen, die Chris auf seinem Weg trifft, sowie auch seine Schwester sprechen genauso "belehrerisch" und zutreffend von der anderen Seite her. Immerhin ist die Schwesterstimme die Erzählerin: Was sie sagt, ist genauso kritisch gegenüber dem Bruder.
Ein bisschen genauer hinschauen und -hören lohnt sich!

[Editiert von KritikerDos am 2008-02-17 11:27:55]

KritikerDos' Wertung: 5.0 Sterne

Folgendes aus dem Rating ist eine sehr seltsame Aussage: "blendet bewusst die Gefahren aus, die sich dem Jungen entgegenstellen und blickt einseitig und auch ein wenig belehrend auf die Zurückgelassenen oder jene, welche Christopher auf seinem Weg trifft."

@ KritikerDos: Jaja, du hast schon recht, da trifft er Bären und Wölfe und wird auch mal zusammengeschlagen, aber letztlich wird das aus meiner Sicht eher romantisierend dargestellt (zumindest die Tiere).
Mit diesem Satz habe ich eher die Grundstimmung des Filmes einzufangen versucht.
Zu den Gefahren: Ausser seinem Rencontre mit dem Zugwärter passiert dem Guten auf seiner Reise gar nichts schlimmes (mal vom Schluss abgesehen). Er wandert durch das nächtliche und von unheilvollen Gestalten bevölkerte LA, ohne dass ihn jemand belästigt, er fährt mit dem Kanu grundsätzlich völlig fahrlässig die Stromschnellen hinunter, reist mal soeben illegal in Mexiko ein und ebenso illegal wieder in die USA ein, ohne dass er aufgehalten wird. Diese Begebenheiten und noch mehr sind doch ein wenig verharmlosend dargestellt. Das soll keine Kritik an Sean Penn sein, er beschränkt sich bewusst auf eine romantisierte Version vom Gesellschafts- und Zivilisationsausstieg, um die Ideale von McCandless noch mehr in den Vordergrund zu rücken.
Zu den Zurückgelassenen: Seine Eltern werden als völlig verkrachtes Paar hingestellt, dass eigentlich gar kein Lebenszeichen von Christopher verdient hat. So im Sinn die Konsequenz für sein "verkorktes" Heranwachsen.
Seine Begegnungen auf der Reise belehrt er in gewisser Weise auch durchs Zitieren von London und Thoreau und ihren Abenteuergeschichten von der Notwendigkeiten seiner Reise und lässt sie oft ebenso unerwartet zurück, wie seine Eltern.
Dies ist aus meiner Sicht sehr egoistisch, als fühlte Christopher sich den armen Menschen, welche in der Gesellschaft "ausharren" müssen, überlegen.

Also, wie du siehst, habe ich doch genau hingeschaut und -gehört, aber einfach mit einer anderen Ansicht. Aber genau dadurch kann ja so schön über Filme und ihre Botschaft diskutiert werden. :)

hut's Wertung: Noch nicht bewertet

wieder einmal habe ich mir das Ende eines Filmes stundenlang heransehnen müssen. Dies passierte mir letzmals bei diesen ebenso unsäglichen "Herbstzeitlosen" vorletzen Sommer in Locarno. Kann natürlich sein, dass der allgemeine Publikumsgeschmack ein anderer ist als mein persönlicher - aber gewisse Parallelen sind da : wie kann man heute noch einen derart unidirektionalen, handgestrickten unraffinierten und vor allem belehrenden Film herstellen ? Kein Cliche wird ausgelassen : gut ist gut - böse ist böse - gefährlich ist gefährlich etcetc , trotz viel Film-Farbe eine Schwarzweissmalerei übelster Machart. Und das wird alles völlig unkritisch und ohne jegliche vernunftsmässige Hinterfragung einfach so präsentiert.

Ok, ich habe das zugrund liegende Buch nicht gelesen, gehe jedoch davon aus, dass dies für eine derart hochgelobte Inszenierung nicht zwingend notwendig sein müsste, um deren tieferen Sinn ergriffen verstehen zu können.

haza1's Wertung: 1.0 Sterne

Zitat haza1 (2008-02-17 20:50:05)

wieder einmal habe ich mir das Ende eines Filmes stundenlang heransehnen müssen. Dies passierte mir letzmals bei diesen ebenso unsäglichen "Herbstzeitlosen" vorletzen Sommer in Locarno. Kann natürlich sein, dass der allgemeine Publikumsgeschmack ein anderer ist als mein persönlicher - aber gewisse Parallelen sind da : wie kann man heute noch einen derart unidirektionalen, handgestrickten unraffinierten und vor allem belehrenden Film herstellen ? Kein Cliche wird ausgelassen : gut ist gut - böse ist böse - gefährlich ist gefährlich etcetc , trotz viel Film-Farbe eine Schwarzweissmalerei übelster Machart. Und das wird alles völlig unkritisch und ohne jegliche vernunftsmässige Hinterfragung einfach so präsentiert.

Ok, ich habe das zugrund liegende Buch nicht gelesen, gehe jedoch davon aus, dass dies für eine derart hochgelobte Inszenierung nicht zwingend notwendig sein müsste, um deren tieferen Sinn ergriffen verstehen zu können.

bist du dir sicher, dass du into the wild gesehen hast? deine kritik verstehe ich nun überhaupt nicht. jaja geschmäcker sind verschieden... schon klar. aber 1 stern? und kein klischee wird ausgelassen (gut ist gut, böse ist böse usw.) - sind das klischees?
zuerst sagst du "belehrender" film, danach heisst es "unkritisch und ohne jegliche vernuftsmässige hinterfragung" - verstehe ich echt nicht. du hast wohl nie getrampt oder dich nach einem abenteuer abseits des alltags gesehnt. und ob man die story nach der vernunft hinterfragen sollte? nee, dieser junge hatte wohl genug köpfchen um zu wissen worauf er sich da einlässt.
in into the wild wird die reise von chris mccandless romatisiert und das ist auch gut so. ist handelt ja schliesslich von einer "sinnsuche" (oder wie auch immer man das nennen möchte) und der freiheit.
ist ja schliesslich nicht ein präventionsvideo, sonst hätte man den film ja gleich: "how to survive in the wilderness", nennen können!

[Editiert von splendora am 2008-02-17 22:19:05]

splendora's Wertung: 6.0 Sterne

Bombastischer Soundtrack, totaler Ohrwurm

euros' Wertung: 4.0 Sterne

Into the Wild ist ein brillant gefilmtes (diese Naturaufnahmen...:o) und grandios gespieltes (Hal Holbrook und Vince Vaughn passen perfekt in ihre Rollen) Aussteigerdrama, das Christopher McCandless wohl mehr als gerecht wird.

ABER: Sorry an alle, die den Film gut finden, aber das ist nicht my kind of picture. Hier wird eine Pseudo-Moral gepusht, die ich nicht unterstützen kann. Einfach Familie (Gut, das Verlassen der Eltern verstehe ich ja noch) verlassen und abhauen: Nein, geht nicht! Chris hat eine liebende Schwester zuhause (gute Erzählerin), doch trotzdem macht er sich auf den völlig egozentrischen Weg nach Alaska und dreht es so, dass seine Schwester auch noch das Gefühl hat, es müsse so sein. :!
Diese Figur Chris bzw. Alex war mir sowieso die ganze Zeit suspekt. Er schlägt sämtliche Hilfen aus, belächelt diejenigen, die einen "normalen" Lebensstil pflegen und fühlt sich gegenüber anderen Aussteigern überlegen. Immerhin kommt er am Ende noch mehr oder weniger zur Vernunft (dass er mit seinem echten Namen unterschreibt). Into the Wild fehlt es ganz einfach an einer Identifikationsfigur.

So bleibt der Film zwiespältig in Erinnerung. Tolle Bilder und hervorragende Performances vs. zweieinhalb Stunden einen unsympathischen Charakter auf der Leinwand.
So reichts bloss für 3,5 Sterne.

[Editiert von El Chupanebrey am 2008-03-25 18:58:37]

El Chupanebrey's Wertung: 3.0 Sterne

ich kann ja verstehen, dass du dich mit mccandless nicht identifizieren kannst, aber es ist ja eine wahre geschichte, oder? das schmälert die qualität des filmes?

[Editiert von eowyn44 am 2008-03-27 20:54:58]

[Editiert von eowyn44 am 2008-03-27 20:56:07]

eowyn44's Wertung: 5.0 Sterne

Zitat eowyn44 (2008-03-27 20:51:44)

ich kann ja verstehen, dass du dich mit mccandless nicht identifizieren kannst, aber es ist ja eine wahre geschichte, oder? das schmälert die qualität des filmes?


Ich brauche zumindest eine Identifikationsfigur. Und wenn nicht, dann sollte die Geschichte etwas distanzierter rübergebracht werden. Auf seine Weise ist Into the Wild genial, aber er ist sehr am Kinozuschauer vorbeiproduziert, er stilisiert McCandless zu ich-weiss-nicht-was hoch und hat zudem mit einer enormen Länge zu kämpfen. Kein Vorwurf an Leute, die den Film gut finden.

El Chupanebrey's Wertung: 3.0 Sterne

stimmt, er ist zu lang. und wahrscheindlich liegt es am zuschauer, ob er sich mit der hauptfigur identifizieren kann oder nicht.. aber zum glück sind die geschmäcker verschieden ;)

eowyn44's Wertung: 5.0 Sterne

Muss ehrlich sagen, dieser Film hat mich ein wenig enttäuscht! Ok, Emile Hirsch hat seine Rolle sehr überzeugend gespielt, sowie Hal Holbrook als Mr.Franz, aber ich fand das ganze einfach ein wenig zu langgezogen und hätte lieber mehr von der Landschaft Alaska gesehen, als dauernd diese ewigen kargen Landschaften, so jedenfalls ist es mir vorgekommen!:) Im grossen und ganzen fand ich den Film in Ordnung, doch würde ich ihn nicht ein 2.Mal schauen gehen!

beethoven44's Wertung: 3.0 Sterne

Zitat beethoven44 (2008-04-13 18:06:16)

Muss ehrlich sagen, dieser Film hat mich ein wenig enttäuscht! Ok, Emile Hirsch hat seine Rolle sehr überzeugend gespielt, sowie Hal Holbrook als Mr.Franz, aber ich fand das ganze einfach ein wenig zu langgezogen und hätte lieber mehr von der Landschaft Alaska gesehen, als dauernd diese ewigen kargen Landschaften, so jedenfalls ist es mir vorgekommen!:) Im grossen und ganzen fand ich den Film in Ordnung, doch würde ich ihn nicht ein 2.Mal schauen gehen!


Gut formuliert, das bringt es in etwa auf den Punkt.

El Chupanebrey's Wertung: 3.0 Sterne

Letzte Woche ENDLICH noch im Riffraff gesehen.

Into the Wild

Schauspieler, die sich als Regisseure versuchen, sind keine Seltenheit mehr. Clint Eastwood hat es vorgemacht, andere ziehen nach. Und warum soll Sean Penn, der für dessen Thriller "Mystic River" einen Oscar abstauben konnte, das nicht auch können? Keine Frage - er kann es. Mit seiner neusten Regiearbeit "Into the Wild" legt er ein beeindruckendes Werk vor.

Nach der wahren Geschichte von Christopher McCandless begleiten wir einen jungen, hochintelligenten Studenten wohlhabender Herkunft, der eines Tages plötzlich genug von all den "things" hat und beschliesst, aus dem System auszusteigen. Er packt seinen Rucksack und marschiert los, ist ab jetzt auf der Strasse zu Hause, welche von vielen Halten und Begegnungen gesäumt ist, und an deren Ende nur eines steht: Alaska.

Ein Tramp, der auf der Suche nach der wahren Freiheit quer durch Amerika wandert? Hört sich nicht nach einer Story an, die jemanden 140 Minuten an der Stange zu halten vermag. Doch Penn nimmt die Adaption des Romans in die Form eines Drehbuchs gleich selbst in die Hand und zaubert eine abwechslungsreiche, verschachtelte Story mit Höhen und Tiefen aus dem Ärmel. Er erzählt die Geschichte eines jungen Menschen, der den Materialismus und die Verlogenheit der Gesellschaft nicht mehr aushält und einfach fort will, an einen Ort, wo er keine Lüge leben muss, sondern einfach leben kann. Er sucht nach dem ultimativen Lebensgefühl, man könnte sagen, nach naturgegebener Erleuchtung. Erfreulicherweise wird dabei der Realismus nicht aus dem Auge verloren. Immer wieder wird Chris mit der harten, grausamen Realität konfrontiert, sowohl von der Seite der Gesellschaft wie der Natur. Selbstverständlich wird das Bild des Rebellen und Aussteigers stark heroisiert, romantisiert, aber vor allem die Tatsache, dass Chris die Erkenntnis eigentlich die ganze Zeit vor der Nase gehabt hätte, sie aber durch seine Arroganz nicht sieht, verhindert eine totale Einseitigkeit. Auch die Wahl von Chris' Schwester als Erzählerin schafft eine gewisse angenehme Distanz zur Hauptperson, zudem vermeidet Penn glücklicherweise jegliche übertriebene Sentimentalität. Trotzdem muss man sich mit der Ideologie von Chris, welche ganz offensichtlich von Penn geteilt wird, anfreunden können, um den Zugang zum Film zu finden.

Penn erzählt die Geschichte von Chris' Ausstieg als ein ein zweites Leben nach dem falschen, verdorbenen in der Gesellschaft. Nach der Wiedergeburt folgt die zweite Kindheit, ein Abtasten und Kennenlernen der neuen Freiheit, dann die zweite Jugend, das zweite Mannesalter, das zweite Altern. Im Gedenken an die Romanvorlage wird die Odysse so in Kapitel unterteilt. Genauso wie Chris verweigert sich Penn weiter einer geradlinigen, sturen Erzählstruktur und wechselt wild und ohne Zwang zwischen Rückblenden und Vorblenden.

Trotzdem, man muss Geduld eingepackt haben, wenn man sich diesen Film ansehen will. Er ist kein Hitchcock. Er nimmt sich Zeit, fasziniert nicht durch rasante Unterhaltung, geschweige denn durch einen Thrillereffekt, und "schnell" ist das letzte Wort, das einem zu diesem Film in den Sinn kommen würde. Er gehört zu dieser Art Kunst, die einen packt, mitreisst und zum träumen verleitet. Nicht durch Computereffekte und Fantasywelten, sondern durch seine ehrliche, existenzielle, zeitlose, epische, persönliche, frische, elektrisierende Art. Und das ist er nämlich im höchsten Masse, Kunst. Gar nicht zwingend nur wegen den einmaligen, unbeschreiblich schönen Naturaufnahmen, die man ja auch in Dokumentationen finden kann, sondern auch weil er das Auge des Zuschauers ebenso auf unsere ganze Umwelt wie auf die kleinen Dinge des Lebens lenkt, und ihn lehrt, diese zu schätzen. Und nicht zuletzt lässt er uns den Wert des menschlichen Lebens selbst erkennen.

Die Bilder spielen natürlich dennoch eine grosse Rolle. Penn setzt den Schwerpunkt auf das Wasser, das er in seiner archaischen Schönheit zu einem Symbol der Natur an sich stilisiert - wild, rätselhaft, unkontrollierbar, frei. Das Wasser ist nicht nur das Lebenselexir, sondern auch der Pfad, dem Chris folgt, um aus der Gesellschaft heraus zu kommen, gleichzeitig bedeutet es aber auch Gefahr, denn es reisst mit und setzt Grenzen. Bezeichnend ist die Szene, in der Chris nachts in der Wüste von einem urplötzlichen Hochwasser heimgesucht wird und die Wassermassen wie die Erkenntnis über ihn hereinbrechen. Am nächsten Tag lässt er das Auto stehen und verbrennt sein Geld. Der erste Schritt des neuen Lebens ist getan. Nicht nur, dass das Wasser für die gesamte Natur steht, es ist auch ein Symbol für den Film selbst. Mal wild, mal stürmisch, mal plätschernd, mal trüb, mal eiskalt,
Daneben fängt der Film auf phänomenale Art und Weise Elemente der Natur ein und begeistert mit seinen ruhigen, zeitlosen und mystischen Aufnahmen. Klar ist es bei beinahe allen Filmen besser, sie auf Grossleinwand zu geniessen; hier ist es Pflicht. Und es lohnt sich auf jeden Fall, man bekommt für sein Geld viel geboten. Aber wer ernsthaft über den Preis des Kinobillets nachdenkt, der ist sowieso falsch in diesem Film.

Nach der Story und den Bildern müssen die Schauspieler natürlich auch noch erwähnt werden. Dabei muss man als erstes festhalten, dass Emile Hirsch ein Idealbesetzung ist. Er beweist, dass er viel mehr als ein Leonardo Di Caprio-Doppelgänger ist, und bringt die Zerrissenheit, die Motivation, die Leidenschaft seiner komplexen Figur sehr natürlich und bewegend rüber. Auch wenn ihm zeitweise die Sicherheit der schauspielerischen Erfahrung zu fehlen scheint, so meistert er seine Aufgabe als weitgehende One-Man-Show mit Bravour und in den restlichen Szenen stehen ihm die mit ebensolchem Feingefühl ausgewählten Nebendarsteller zur Seite. Sowohl beim Casting als auch bei der Schauspielführung scheint Penn etwas von Clint Eastwood gelernt zu haben. Marcia Gay Harden überzeugt ebenso wie William Hurt, Jena Malone, Kristen Stewart und - eine Überraschung - Vince Vaughn. Aber alle stehen sie ein wenig im Schatten von Hal Holbrook als Rentner, der ebenso wie Chris vor der Gesellschaft geflohen ist, jedoch indem er sich nach innen gewendet hat statt nach aussen. Er schafft es, in seinen wenigen Filmminuten eine Beziehung zum Zuschauer aufzubauen, was die Oscarnomination wohl verdient macht. Aber das wäre sie für Emile Hirsch auch gewesen.
At last but not least, wie immer, der Soundtrack. Dieser stammt von Eddie Vedder, besteht aus ohrwurmverdächtigen Folksongs und fügt sich nahtlos in die melancholischen Bilder ein.

Und schlussendlich harmonieren in diesem Film die Kamera, die Regie, die Schauspieler und die Musik so sehr, dass er die zahlreichen Episoden der Geschichte in einem packenden Strom erzählt und einige Momente schafft, die nahe daran sind, das ultimative Lebensgefühl auf der Leinwand zu verkörpern. Magie pur.

Das engagierte Gesamtkunstwerk "Into the Wild" ist eine kraftvolle Ode an das Leben. Ein zweieinhalbstündiger Bio-Energy-Drink, der in seiner tiefsten Menschlichkeit berührt.

5.5 Sterne

"I read somewhere... how important it is in life not necessarily to be strong... but to feel strong."

jon's Wertung: 5.0 Sterne


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