Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Eyes Wide Shut
Eyes Wide Shut oder: Mit offenen Augen vom Seitensprung träumen Kubrick war 1999, kurz nach Fertigstellung von Eyes Wide Shut überraschend gestorben. Dies ist also der letzte Kubrick-Film, von denen es nur ein Dutzend gibt. Kubrick ist in Eyes Wide Shut seinem Stil natürlich treu geblieben. Er liebt die Totale, das Tempo der Geschichte ist eher gesetzt. Sehr beeindruckend sind die Szenen, als Tom Cruise betäubt von der Offenbarung seiner Frau durch die Stadt läuft und sich in der Absicht, es ihr heimzuzahlen, auf ein gefährliches Abenteuer einlässt. Schlimm fand ich hingegen Nicole Kidman in den "wichtigen" Szenen. Als brave und normale Hausfrau war sie zweifellos überzeugend. Doch als sie betrunken mit Sky du Mont flirtet, hätte ich am liebsten wieder ausgeschaltet. Ihr seltsames Reden wirkt völlig aufgesetzt und künstlich, nur noch überboten vom unerträglichen Lachanfall während des Streites, der schliesslich zu Bills Odyssee durch das nächtliche New York führt. Ihre Leistung in dem Film wurde immer wieder fast überschwänglich gelobt. Ich werde den Verdacht nicht los, dieses Lob bezieht sich eher auf ihre hübsche Hinterseite, die man etliche Male zur Gänze zu sehen bekommt, und weniger auf ihre schauspielerische Leistung. Aber das kann man wohl dem ganzen Film vorwerfen. Natürlich ist Spontanität eben das, was Kubricks Stil abgeht. Doch so bleibt die Geschichte steril. Das wir in unserem Leben Verlockungen ausgesetzt sind, ob realen oder nur im Kopf, das dürfte jedem bekannt sein. Etwas mehr Leidenschaft hätte den Figuren gut getan. So zieht sich die Geschichte über schier endlose zweieinhalb Stunden. Dennoch gibt es einen guten Grund, sich die Neuauflage des Filmes zu kaufen. Sie kommt nämlich als Doppel-DVD-Edition daher, mit ein paar Leckerbissen für Kubrick-Fans. Natürlich dürfen erst mal die Kino- und TV-Spots nicht fehlen. Mit dabei ist auch die Dankesrede von Kubrick für den D.W. Griffith Award für sein Lebenswerk, den er 1998 während den Dreharbeiten zu "Eyes Wide Shut" erhalten hatte. Sehr spannend ist das rund 40-minütige "The Last Movie", das einen Einblick in die Entstehung des letzten Filmes von Stanley Kubrick gewährt. Man erhält dabei auch einen Einblick, wie der grosse Regisseur im Privatleben so war, da auch sein Frau und die Töchter zu Wort kommen. Freunde, Schauspielerinnen und Schauspieler, Autoren und natürlich Tom Cruise und Nicole Kidman erzählen von ihrer Arbeit mit Kubrick. Auch sein kontroverser Film Clockwork Orange, sowie deren Auswirkungen auf das Familienleben, nämlich schlimme Drohungen, werden erwähnt. Ausserdem erfährt man einiges über den Arbeitsstil von Stanley Kubrick, der noch weiter geht als die legendären 50 Takes pro Szene. In "Lost Kubricks" erfährt man mehr über zwei Projekte, die Kubrick intensiv vorbereitet hatte, die jedoch nie realisiert wurden. Wer hätte gedacht, dass der Regisseur ein grosser Bewunderer von Napoleon war? Schliesslich gibt es noch Interviews zu sehen mit Tom Cruise und Nicole Kidman zum Film, sowie mit Steven Spielberg über seinen Freund. Ein Teil der Interviews ist bereits in "The Last Movie" zu sehen, man sollte sich aber insbesondere das mit Nicole Kidman nicht entgehen lassen. Es ist sehr rührend, wie sie nach dem frühen Tod von Kubrick gefragt in Tränen ausbricht und der Interviewer sich etwas hilflos entschuldigt, das ausgelöst zu haben. Fazit: Der Film ist wohl eher was für Kubrick-Fans. Deko und Ausstattung sind perfekt, die Figuren eher hölzern. Die Extras rechtfertigen aber den Kauf der DVD allemal. |
Bin nicht deiner Meinung. Kidman spielt sehr überzeugend - so auch die restliche Crew. Ich finde den Film sehr, sehr gut. |
Tja wo soll ich anfangen! Unmotiverte runtergeleirte Story, ganz schlechter Schluss, sehr "pseudo-provokant" und von Cruise/Kidman einfach schlecht gespielt (den beiden kaufe ich ihre Rollen keine Sekunde ab)! |
Man hangelt sich irgendwie von einer Nacktszene zur Nächsten. Das Mittendrin ist mehrheitlich langweilig, uninspiriert und meist sehr in die Länge gezogen. Ist IMO einer der schlechtesten Kubricks... |
Zitat muri (2008-01-19 20:20:00)
Sehr gut ausgedrückt. War teilweise wirklich fast ein Pornostreifen. Doch auch dieses Werk von Kubrick vermochte mich wieder auf eine Art und Weise zu faszinieren. Er setzt die Atmosphäre gekonnt um und lässt den Zuschauer im Dunkel tappen. Doch leider kommt vermehrt Langweile auf, was in von anderen Kubrick Arbeiten recht unterscheidet. Tom Cruise macht seinen Job sehr ordentlich, was ich von der weiblichen Hauptrolle (Kidman) jedoch nicht immer behaupten konnte. Zitat nwe (2008-01-18 06:56:00)
Ich hätte mir von Kubrick einen bischen ehrenvolleren Abgang erwünscht, doch auch wenn Eyes Wide Shut sein schlechtestes Werk ist, hebt es sich immer noch deutlich vom üblichen Durchschnitt ab. |
Ich wage jetzt einfach mal zu behaupten, dass ihr die Aussage des Films überhaupt nicht verstanden habt. Es geht hier nämlich nicht um irgendwelche Nacktszenen sondern wie offen man in einer Beziehung ist. Ist es richtig, dass man seine Wünsche und Gedanken die ganze Zeit gegenüber dem Partner offen legt. Kidman war mal kurz vor einem Seitensprung, Jahre später erzählt sie das ihrem Freund und löst durch das eine grosse Kettenreaktion aus. Wäre es nicht besser gewesen dieses Geheimnis für sich zu behalten. |
Zitat muri (2008-01-19 20:20:00)
Hast du mal das Buch gelesen? Das ist ähnlich gesponnen. Ich würde Eyes Wide Shut in die Kategorie "(Genügend) Werkgetreu verfilmt" einordnen. Ach ja, ich finde es noch pikant, dass das allerletzte Wort im allerletzten Film von Stanley Kubrick "Fuck" ist. |
Spartacus ist kein Kubrick. |
Zitat Dirty Harry (2009-11-26 21:33:49)
Emmm.. und wieso genau nicht? |
Weil Spartacus der einzige Film in seiner Karriere ist, wo er relativ wenig zu sagen hatte (remember: Kubrick war der vielleicht grösste Kontrollfreak unter den Regisseuren), weshalb der Film meistens nicht zu seinem Oeuvre gezählt wird. Viel mehr war es Kirk Douglas, welcher als Produzent und Hauptdarsteller den Ton angab. Er war auf der Suche nach einem gefügigen jungen Regisseur und so fiel seine Wahl auf Kubrick, mit dem er schon bei Paths of Glory gearbeitet hatte. Dass der Zusammenprall von zwei Egos dieser Grössenordnung zu einigen Reibereien führte, ist bekannt. [Editiert von Dirty Harry am 2009-11-26 22:23:31] |
Tut mir Leid, aber Regie ist Regie. Und wenn Kubrick draufsteht, dann ists für mich ein Kubrick. Und wenn es ihm dermassen gegen den Strich gegangen wäre, dann hätte er ja ein Pseudonym verwenden können. Der Satz "Spartacus ist kein Kubrick" ist demnach auch nicht wirklich richtig. |

