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Un Secret oder: Die Idylle trügt


Un Secret ist die Adaption des gleichnamigen Bestsellers von Philippe Grimbert, der übrigens im Film einen Gastauftritt als Menschenschmuggler hat. Im Roman erzählt Grimbert die wahre Geschichte seiner Eltern, die Figur des François ist sein Alter Ego. Den Regisseur für die Verfilmung hat er sich selbst ausgesucht. Seine Wahl ist dabei auf Claude Miller gefallen, der selbst Jude ist und im Holocaust verschiedene Verwandte verloren hat. Da das Schicksal von jüdischen Nazi-Opfern und deren Angehörigen ein zentrales Thema in Un Secret ist, ist diese Wahl einleuchtend. Allerdings ist dies der erste Film, in dem sich Miller diesem Thema widmet.

Der Film beginnt mit einer sehr schön gefilmten Swimmingpool-Szene mit dem Erzähler François und seiner Mutter. Die erste halbe Stunde zeichnet darauf sorgfältig eine trügerische Familienidylle. Als dann Louise François die Geschichte seiner Eltern erzählt und damit das titelgebende Geheimnis lüftet, ändert sich die Perspektive. Der Erzähler und bisherige Protagonist François rückt in den Hintergrund und der Fokus verlagert sich auf die von Ludivine Sagnier gespielte Hannah und ihren Sohn Simon. Dieser Wechsel der Hauptfiguren mitten im Film ist dramaturgisch nicht ganz unproblematisch.

Der Film spielt grösstenteils in Rückblenden und erzählt zwei schicksalhaft miteinander verknüpfte Liebesgeschichten, von denen die eine beginnt, weil die andere tragisch endet. Eine zusätzliche Zeitebene bildet die 1985 spielende Gegenwart, wo der mittlerweile erwachsene François, verkörpert vom künftigen Bond-Bösewicht Mathieu Amalric, seinen verwirrten alten Vater trifft. Dieser Handlungsstrang ist in Schwarzweiss gehalten, während die Rückblenden allesamt farbig sind. Miller hat mit dieser Umkehrung der gängigen Farbcodes gemäss eigener Aussage eher unbewusst ein Stilmittel des Romans übernommen, in welchem die Vergangenheit im Präsens, die Gegenwart hingegen in der Vergangenheit erzählt wird. Trotz dieses cleveren Einfalls vermag dieser Part nicht zu überzeugen und scheint in erster Linie dazu da, dem Off-Erzähler François ein Gesicht zu geben.

Von den Darstellern gibt vor allem Patrick Bruel als zerrissener Maxime eine starke Performance, während Cécile de France etwas Mühe hat, hinter seinen stattlichen Schultern nicht zu verschwinden. Auch Ludivine Saigner, derzeit in verschiedenen französischen Filmen präsent und so etwas wie das It-Girl der jungen französischen Schauspielerinnengarde, wirkt etwas blass und vermag dem Zuschauer die Beweggründe des Handelns ihrer (Schlüssel-) Figur nicht richtig glaubhaft zu machen.

Das hohe Niveau der hervorragenden ersten halben Stunde vermag Un Secret so nicht ganz aufrechtzuerhalten. Dem Thema Judenverfolgung durch die Nazis vermag der Film keine wesentlich neuen Aspekte abzugewinnen - doch das dürfte auch nicht sein primärer Anspruch sein. Claude Miller ist deshalb, mit einigen Abstrichen, ein ansprechendes und ergreifendes Liebesdrama gelungen.

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ebe's Wertung: 4 Sterne


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