Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag The Kite Runner
The Kite Runner oder: Afghanistan, wie's früher war! Khaled Hosseinis 2003 veröffentlichter Debütroman "The Kite Runner" begeisterte rund um die Welt die Kritiker und die Leser. So würdigt ihn beispielsweise die Frankfurter Allgemeine Zeitung als "grossen Roman über den Willen zu einem versöhnlichen Neuanfang". Eine filmische Adaption bot sich also zwangsläufig an, doch ebenso überraschend wie der internationale Erfolg dieser afghanischen Geschichte, wurde der Inhalt nicht amerikanisiert oder der Film mit bekannten Stars ausstaffiert. Drehbuchautor David Benioff (25th Hour) entschied in Absprache mit dem Autor, dass der Film zum grössten Teil auf Dari (eine der beiden afghanischen Hauptsprachen) gedreht werden sollte, da dies eine realistischere Herangehensweise und dadurch eine höhere emotionale Bindung zwischen Figuren und Publikum erlaubte. Mit der Realisation der Geschichte betraut wurde Marc Forster. Der in Davos aufgewachsene Regisseur hat es bisher geschafft, verschiedene Genres problemlos zu durchqueren ohne jedoch seine Filme (Stranger than Fiction, Stay, Finding Neverland, Monster's Ball) genrekonform und leblos zu gestalten. Alle leben von Ansammlungen magischer Momente, deren volle Entfaltung aber nur im Kontext des ganzen Filmes zum Ausdruck kommt. Dies gelingt ihm auch bei Kite Runner. Der Film an sich ist ruhig erzählt, zum Teil unspektakulär und auch nicht immer frei von Klischees, doch seine speziellen Momente lassen ihn lange über den Kinosessel hinaus wirken. Forster gelingt es, die epische und emotionale Geschichte um Vergebung und Wiedergutmachung in rund zwei Stunden einzufangen, ohne den Zuschauer zu langweilen, oder mit unnötigen Verwirrungen hinzuhalten. Es ist die Einfachheit der Bilder und die Nähe zu den Protagonisten, welche fesselt. Die Leere der endlosen Wüstenlandschaft Afghanistans (in China gedreht) und als Kontrast das pulsierende Leben in Kabul der 70-er Jahre wird vor allem zu Beginn durch die emotionale Verfassung von Amir reflektiert. Der Laiendarsteller Zekiria Ebrahimi (wie auch Hassan-Darsteller Mahmoodzada in den Strassen Kabuls entdeckt) spielt dabei überzeugend den unschuldigen und spielfreudigen Jungen, der um die Anerkennung seines Vaters mit Hilfe des Drachenfliegens kämpft, aber andererseits nicht den Mut hat, seinem besten Freund beizustehen und ihn sogar verstösst. Amir, welcher die Haupt- und somit auch die Identifikationsfigur des Filmes ist, wird als Erwachsener vom britischen Schauspieler Khalid Abdalla verkörpert, welcher überzeugend die emotionale Hilflosigkeit aussendet, in die er sich durch seinen Verrat in der Kindheit hineinmanövriert hat. Die Verarbeitung ist schleppend, doch er wird erwachsen und lernt, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Nicht nur die Hauptdarsteller überzeugen, sondern auch die vielen Gesichter in der zweiten Reihe. Eine unglaubliche Leinwandpräsenz markiert dabei Homayoun Ershadi, der Vater von Amir. Hiermit wird sich der iranische Schauspieler sicher für weitere internationale Filmprojekte empfehlen. Ohne zu viel verraten zu wollen, widerspiegelt die dreiteilige Struktur des Filmes den Verlust der Unschuld, das Leben damit, sowie die Möglichkeit zur Wiedergutmachung. Dies hätte leicht zum kitschigen Hollywood-Film mit vorprogrammiertem Happy-End gemacht werden können, doch Kite Runner macht es sich hier nicht zu leicht. Der Film schafft es, sich nicht im Politischen zu verheddern, sondern liefert einen nuancierten Blick auf eine uns fremde Kultur in einem kriegsversehrten Land, ohne die Geschichte und die Personen aus den Augen zu verlieren. Letztlich ist es die Botschaft des Filmes, welche berührt: Vergebung und Liebe sind mächtigere Gefühle als Verrat und Hass. |
Afghanistan bans Kite Runner! |
Marc forsters Filme waren bis jetzt alle wirklich gut und alle haben mir gefallen, doch dieser hier hat mich ein bisschen enttäuscht. |
Für mich war es ein sehr schöner, zurückhaltender Film, der mich am Schluss doch etwas traf! Einzig der etwas rüde Trip nach Afghanistan hat etwas angestrengt! Die Besetzung ist meiner Meinung optimal gelungen und die einzelnen Charakteren haben sehr überzeugend Ihre Individuen schau-ge-spielert, gut deudsch ich tipen, oda! [Editiert von lutzefutz am 2008-01-24 23:49:23] |
Das Buch hatte ich vor langer Zeit mal gelesen, damals als es auf den Bestseller Listen in den USA war. Naja so lange ist das auch wieder nicht her, aber an gewisse Details der Geschichte konnte ich mich jedenfalls nicht mehr so genau erinnern und das war genau gut so um den Film schauen zu gehen.
Ein einziges 'Aber' gibt es: Spoiler zum Lesen Text markieren
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PS: @Hut: in deiner Rezension hat es bei 'Stay' eine falsche Verknüpfung drin. |
Ach ja und gerade ging mir noch ein Licht auf wieso mich vielleicht gewisse Szenen an The Constant Gardener erinnerten: genau wie für viele der Almodovar Filme war ein gewisser Alberto Iglesias für die Musik zuständig. Die Musik ist übrigens hervorragend, ein guter Mix von Amerikanischen und Afghanischen Stücken. [Editiert von kiri am 2008-01-27 02:27:45] |
gestern im kino gesehen. ein sehr guter film, hat mir extrem gut gefallen. |
Ich habe auch zuerst das Buch gelesen und anschliessend den Film geschaut. Schade am Film fand ich vor allem das die Gedanken und Gefühle von Amir gegenüber des Buches etwas verloren gingen und somit nie so intensiv rüberkamen. Vielleicht wäre zwischendurch die Erzählform besser gewesen. Das Buch war auch brutaler und ein paar Szenen wurden im Film weggelassen oder anders umgesetzt. Die Schauspieler fand ich super. Auch der kulturelle Hintergrund fand ich interessant. Es wird im Film eindrücklich gezeigt wie die Menschen vor dem Einmarsch der Russen und der Machtübername der Talibans gelebt haben. [Editiert von jack721 am 2008-05-19 22:58:38] |
Es war schon eine Weile her, als ich das Buch gelesen hatte. Im Grossen und Ganzen wurde das Buch aber sehr gut umgesetzt und gibt den Inhalt ziemlich genau wieder. Kiri kann ich überhaupt nicht zustimmen, was das Ende angeht. Dieses Ende braucht es genauso, wie den Rest des Filmes. Es ist ein würdiges Ende und nimmt ja noch Bezug auf Worte, die Hassan zu Beginn des Filmes gesprochen hat. Wer das Ende weg disskutieren will, hat meines Erachtens die Geschichte nicht verstanden. |

