Forum Movies - Reviews: Kino

Beitrag Meine schöne Bescherung

» Zum letzten Beitrag springen

Meine schöne Bescherung oder: Ihr Kinderlein kommet


Meine schöne Bescherung von Regisseurin Vanessa Jopp und Produzentin Manuela Stehr (Alles auf Zucker) ist ein Familienfilm für Erwachsene. Er handelt von der Liebe - zum Partner, der Familie und vor allem zu den Kindern - spart nicht mit Ein- und Zweideutigkeiten, bietet Slapstick und Drama. Denn hinter der schönen Kulisse öffnet sich bald der eine oder andere Abgrund.

Auch an Weihnachten ist in diesem Film auf den ersten Blick eigentlich alles ganz normal, z.B. das Durcheinander im Besenschrank, das unmögliche Gastgeschenk der neuen Nachbarn - ein Riesenkaktus gleichsam ein Phallussymbol mit einigen Extra-Auftritten - oder die nicht mehr ganz knackigen Männer in der Sauna. Die angenehm unverwackelte Handkamera folgt Handlungen und Personen und vermittelt dadurch Intimität.

Martina Gedeck (Das Leben der Anderen) überzeugt in ihrer Rolle als Vollzeitmama, für die Kinder die Krönung der Liebe und überhaupt das Beste auf der Welt sind. Dass sie dabei aber auch einen gewissen Egoismus an den Tag legt, macht sie nur menschlicher. Heino Ferch gibt einen absolut glaubhaften überrumpelten, genervten, enttäuschten, wütenden Ehemann ab, der zu stolz ist, auch zu seinem eigenen Fehler zu stehen. Auch die restlichen Rollen sind gut besetzt. Dafür spricht, dass es trotz der vielen Charaktere nicht zu Verwechslungen kommt. Besonders gefallen hat der Schweizer Roeland Wiesnekker (Strähl), der hier sein komödiantisches Talent als Lebemann Andi, das komische Gegenstück zum eher ernsten Jan, richtig ausleben darf.

Der Film ist solide Unterhaltung. Einzig im zweiten Drittel häufen sich Fettnäpfchen und kleine Katastrophen unnötig und insbesondere die hysterischen Wein- und Schreikrämpfe sind nach meinem Gusto etwas zuviel "Drama, Drama, Drama!", obwohl die Komödie natürlich auch davon lebt.

Man mag Sara nicht so recht zutrauen, dass sie Jan betrügt, doch ihre Schwangerschaft "schleckt keine Geiss weg". Die Frage nach dem Vater des Kindes bestimmt darum die Handlung des Films. Und genau das ist im Grunde zutiefst weihnachtlich, mehr als das Blockflötenkonzert im Vorspann oder die singende Jungmannschaft: Kam Sara wie die Jungfrau zum Kinde oder war's am Ende vielleicht doch der Weihnachtsmann? Immerhin lautet der englische Titel des schwedischen Originals von 1999 In Bed With Santa...

» Die komplette Filmkritik lesen

ema's Wertung: 4 Sterne

O jeh du Fröhliche...

Es ist ja wirklich nicht mehr übermässig originell, die ach so schlechte deutsche Komödie zu bashen. Zumal es ja mittlerweilen durchaus Beispiele gibt, die beweisen, dass "deutsche Komödie" nicht gleich Schrott ist.

Aber just dann kommt aus dem Norden wieder so ein unlustiges Stück Film in die Kinos, dass man doch wieder auf die alten Klischees zurückgreifen möchte. Nicht ein einziges Mal gelacht habe ich während des ganzen Filmes, allenfalls einige Male etwas geschmunzelt. Die Figuren gehen aber dermassen auf die Nerven, dass dieses Schmunzeln schnell im Hals steckenbleibt.
Nicht das erste Mal wird der Fehler gemacht, "maximale Peinlichkeit" mit "maximale Lustigkeit" gleichzusetzen. Ein Fehler. Denn peinliche Situationen alleine garantieren noch lange keinen witzigen Film. Zudem: Ist ein besoffener Samichlaus so lustig? Worin genau liegt die Komik bei Männern im mittleren Alter, die miteinander in der Sauna sitzen? Und der Junge, der seinem Stiefvater "Fettsack" sagt, sollte wohl ebenfalls für Lacher sorgen? Fragen über Fragen.

Oder ist es am Ende gar keine Komödie? Möglicherweise. Aber dann muss die Kritik eben andere Wege gehen. Für ein einigermassen ernsthaftes Drama sind die Figuren schlicht zu grotesk, die Handlung ist zu überdreht und der Tiefsinn nicht vorhanden.

Einziger Pluspunkt des Filmes: Der lüpfige Soundtrack. Ansonsten frage ich mich, wie sich für diesen Streifen so viele namhafte und eigentlich gute Schauspieler (Gedeck, Ferch, Tabatabai...) haben hergeben können.

Nein, meine Bescherung wünsche ich mir definitiv ohne Meine schöne Bescherung...

ebe's Wertung: 1.0 Sterne


Beiträge suchen

Aktive Beiträge