Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Gone Baby Gone
Gone Baby Gone oder: Richtig oder Falsch? Die Hauptfiguren Kenzie und Gennaro waren Protagonisten einer erfolgreichen Krimiserie des amerikanischen Autoren Dennis Lehane. Aus dessen Feder stammt auch die Romanvorlage zu Clint Eastwoods oscarprämiertem Mystic River. Ein sicherer Stoff also, den sich der ehemals sexiest man alive Ben Affleck für sein Regiedebut ausgesucht hat. In Gone Baby Gone, der im deutschsprachigen Raum unter dem rekordverdächtig dämlichen Synchrontitel Kein Kinderspiel in die Kinos kommt, ist Lehanes Handschrift unverkennbar auszumachen: Hinter einer anfangs einfachen crime story verbirgt sich ein komplexes, vertracktes Drama um menschliche Abgründe und ein moralisches Dilemma. Behutsam und differenziert inszeniert, führt der Film den Zuschauer erst an der Nase herum, um ihm dann letztendlich selbst die Entscheidung über Richtig oder Falsch entscheiden zu lassen. Was sich als gar nicht so einfach erweist. Hauptdarsteller Casey Affleck zeigt nach seiner Darstellung als Jesse-James-Mörder Robert Ford erneut, was in ihm steckt: Ein beachtliches schauspielerisches Talent, mit welchem offensichtlich nicht alle Familienmitglieder gleichermassen ausgestattet worden sind. Michelle Monaghan hingegen hat ihren grossen Auftritt mit einem wagemutigen Sprung in einen Baggersee. Ansonsten bleibt der Dame, die eben noch mit Ben Stiller in The Heartbreak Kid rumgeblödelt hat, aber wenig Gelegenheit, zu beweisen, dass sie auch in ungleich ernsteren Filmen bestehen kann. Anfangs noch als gleichwertige Partnerin Afflecks aufgebaut, beschränkt sich ihre Rolle mit fortlaufender Filmlänge auf diejenige der Stichwortgeberin, die ihren Liebsten mit einem zärtlich gehauchten "Hey..." in die tröstenden Arme schliessen darf. Von den weiblichen Figuren verdient darum vor allem Nebendarstellerin Amy Ryan eine lobende Erwähnung. Sie gibt ihrer drogenabhängigen Mutter die genau richtige Mischung aus Schlampigkeit und Verzweiflung, die die Rolle lebensnah und glaubhaft macht. Der Film bietet wenig Angriffsfläche. Er ist ein sauber inszeniertes Krimidrama mit ausgezeichneten Schauspielern. Wenn sich die Hollywood-Götter nicht verschwören, wird der Streifen bei den nächstjährigen Academy Awards ein gewichtiges Wort mitzureden wissen. Doch genau darin liegt auch die Krux des Filmes. Alles darin schreit deutlich hörbar nach Oscar: Der Erfolgsgarant Lehane, Regiedebutant Affleck, der selbst schon eine Auszeichnung als Drehbuchautor (für Good Will Hunting) zu Hause stehen hat, ein Hauptdarsteller, der zurzeit zu Hollywoods neuen Topshots gehört - und nicht zu vergessen die gewohnt brillanten Morgan Freeman und Ed Harris, welche wohl auch fähig wären, einen Stuhl oscarwürdig darzustellen. Gerade bei Harris ist ja eine Auszeichnung nach vier Nominationen schon längst überfällig. Wetten, dass...? Und trotzdem bleibt bei einem hohen Mass an Perfektion die Orignalität etwas auf der Strecke. Das ganze wirkt schon mal gesehen in verschiedenen anderen ausgezeichneten Filmen, allen voran Mystic River. Gone Baby Gone wirkt wie eine Art Musterschüler Hollywoods. Eigentlich alles richtig gemacht, aber: Musterschüler sind dennoch irgendwie nicht so doll beliebt. Sehenswert bleibt der Film trotzdem. Der oft belächelte Ben Affleck beweist damit, dass seine Arbeit nicht schlechter ist als diejenige des mit viel pompösem Gejubel bedachten Clint Eastwood. Und er tut gut daran, den Platz hinter der Kamera zu behalten und die schauspielerischen Meriten auch künftig seinem jüngeren Bruder zu überlassen. |
Zu diesem wirklich tollen Machwerk hab ich mir erlaubt, selbst eine kleine Filmkritik zu verfassen. wäre hier nachzulesen, sofern es mir erlaubt sein sollte, diese zu verlinken! |
Zitat filmorakel (2007-12-04 07:51:55)
Bitte künftig nicht mehr einfach linken. Das ist recht link... |
Gone Baby Gone packt einem immer wieder. Zwar macht die Geschichte und der Verlauf der Geschichte auf den ersten Blick einen recht "normalen" Eindruck, wird aber spannender, je länger der Film dauert und je mehr es im eigenen Kopf "klick" macht und man die Zusammenhänge versteht. Vor allem der Schluss geht auf direktem Weg auf die Nerven und lässt den Zuschauer fassungslos im Kinosessel sitzen. Casey Affleck nuschelt zwar wie sein Bruder, macht aber einen sehr guten Eindruck. Meiner Meinung verliert er aber das "Duell" gegen Ed Harris, der einmal mehr beweist, was ein guter Schauspieler zu zeigen hat. Hier dürfte schon die eine oder andere Oscar-Nomination rausgucken. Toller Film, etwas schwer und zwischendurch chli langatmig, aber mit einer hervorragenden, weil mehr oder weniger schockierenden, Auflösung. |
ich liess mich einfach mal zu einem film überreden und hatte keine ahnung, um was es sich handelte. zudem ich casey affleck nur grad als wie bereits erwähnt, nuschelnder schauspieler in erinnerung hatte. und jetzt dreht noch der grosse bruder ben einen film mit ihm? die überraschung war gross, denn der film hat mich überzeugt. auch deshalb, weil er ziemlich unspektakülar daherkommt, die geschichte sich immer mehr verschachtelt und man als zuschauer am ende sich die frage stellt, wie hätte ich an seiner (casey's) stelle reagiert? das einzige fragezeichen bei mir war die rolle von michelle monaghan (gennaro). dieser part war irgendwie eine alibi-übung, oder nicht? aber sonst als filmdebut gut geglückt. Ben hat wieder ein paar plus-sternchen bei mir. |
Gone Baby Gone oder: Es geschah in der tiefdunklen Nacht... Ben Affleck hielt ich ehrlich gesagt immer für einen recht unfähigen Schauspieler, ganz im Gegensatz zu seinem Bruder Cassey, der auch hier eine durchaus solide Arbeit abliefert. Doch hinter der Kamera ist der Ben ja richtig gut! Er hat sich jedenfalls die richtigen Sachen von den Grossmeistern wie Eastwood abgeguckt. Doch was auch immer Filme wie Mystic River vom guten zum sehr guten oder genialen Film machen, Gone Baby Gone hat es nicht. An den Schauspielern liegt es sicher nicht, da hat mich nämlich vor allem Amy Ryan buchstäblich aus den Socken gerissen. Sie verschwindet völlig hinter ihrer Rolle, bei der man oft angewidert ist, jedoch trotzdem mit ihr mitleidet. Wenn eine Oscar Nomination sicher ist, dann die für die Beste Nebendarstellerin. Schön fand ich auch die Anspielungen an Dürrenmatts "Das Versprechen" (The Pledge, Es geschah am hellichten Tag ). Auch hier gibts ein Versprechen, das Cassey Afflecks Figur zum Verhängnis wird. Gone Baby Gone ist ein spannender Film und als Debutfilm von Affleck eine kleine Sensation. Trotzdem, Affleck muss noch einen eigenständigeren Stil finden, wenn er sich wirklich an Filmen wie Mystic River messen will. Empfehlenswert bestimmt, aber für mich nicht der Film, den die Kritiken in Amerika so hochgejubelt hatten. |
Ich war ehrlich gesagt ein bisschen enttäuscht, vor allem von der ersten Hälfte. Der Film kommt irgendwie nicht richtig in Schwung, die Handlung dümpelt in den ersten 45-60 Minuten mehr oder weiniger vor sich her. Spoiler zum Lesen Text markieren
gewinnt der Film an Fahrt. Nach der Pause war ich erleichtert, dass nun der Film sich wirklich mit dem Thema Kindesentführung auseinandersetzt. Dem Film kann man keine Voraussehbarkeit vorwerfen. Die Bedeutung von Morgan Freemans Figur bleibt ja lange unklar. Fazit: Kein schlechter Film, aber sicher nicht der geniale Thriller, den ich mir nach den begeisterten Kritiken in den USA (siehe henkers Kommentar) erhofft hatte. Abgerundete 2,5 Sterne für den ersten Teil. [Editiert von El Chupanebrey am 2008-06-08 13:20:57] |
Ben Afflecks arbeit ist gut, sein Bruder spielt sehr gut udn auch die anderen. Das einzige was mich stört ist die Story, aber da ht man einfach das falsche Buch ausgelesen. Die Story erinnert an eine CSI Folge nur in Überlänge und mit mehr Tiefgang. Ben Affleck hätte die Rückblenden nicht im Stile von CSI machen sollen, da dieser Eindruck dann noch mehr gestärkt wird, dass dies ein CSI Film in Überlänge ist. Ausserdem fängt es an zu langweilen, all diese Stories über böse und korrupte Polizisten etc. Alles schon mal gesehen in letzter Zeit. |
Zitat ebe (2007-11-18 18:15:00)
Ein grosser Abschnitt zum Thema Oscar an dem der Film eine Nomination erhalten hat. In diesen Zeilen hätte man besser erwähnt, dass es kein 08/15 Film ist und dass er richtig unter die Haut geht. Für mich einer der besseren Filme die ich den letzten Monaten gesehen habe - ein Geheimtipp! |
Finde den Film sehr gut. |
Ganz ganz ganz grosses Kino! |

