Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Rendition
Rendition oder: Syriana ohne Öl, dafür mit (mehr) Folter Drei Handlungsstränge, ein Ziel: Rendition (dt. Titel: Machtlos) macht keinen Hehl daraus, politisch zu sein. Der Film will die amerikanische Bevölkerung wachrütteln, will zeigen, dass die Welt nicht in Gut oder Böse unterteilt werden kann und kritisiert die einschlägige Arbeitsweise der US-Geheimdienste. Es wird gefoltert, manipuliert und politisiert. Dabei werden die verschiedenen Opfer als Bauern auf dem Schachbrett dargestellt. Eine Massnahme, die man bereit ist einzugehen, wenn es dem Ganzen dient, und damit ist immerhin die nationale Sicherheit gemeint. Diese Kritik ist löblich und nötig, doch der Film scheitert daran. Er dient zwar dem Zweck, nämlich der oben erläuterten Ansicht, doch die Mittel dazu werden nicht konsequent eingesetzt. Regisseur Gavin Hood (sein Film Tsotsi gewann 2006 den Oscar als bester fremdsprachiger Film) versucht, Alejandro González Iñárritus Menschlichkeits-Trilogie (Amores Perros, 21 Grams, Babel) nicht nur inhaltlich, sondern auch technisch nachzuahmen, was ihm dank Kameramann Dion Beebe visuell recht gut gelingt, nicht jedoch beim Schnitt. Die Folge sind schnelle, überhastete Orts- und Handlungswechsel, was der Entwicklung der Geschichte und der Ausarbeitung der Charaktere nicht zu Gute kommt. Der Zuschauer bekommt dadurch nie die Möglichkeit, mit einer Figur zu verharren und deren Motivation und Ansichten zu verstehen, sondern wird oft sogar während einzelner Szenen aus der Handlung in Nordafrika gerissen und findet sich in den kühlen Gängen der Washingtoner Politgebäude wieder. Dies wirkt sich auf die Charaktere aus. So bleibt beispielsweise Jake Gyllenhaal blass und wirkt fehlbesetzt. Seiner Figur traut man es nicht zu, die Karriereleiter so schnell nach oben geschossen zu sein, um schon als Verantwortlicher in Nordafrika den CIA-Dienst zu verrichten. Einwandfrei hingegen sind Reese Witherspoon als verzweifeltes All-American Girl, sowie die zahlreichen arabischen Nebendarsteller, welche die emotionale Tragfähigkeit der Geschichte ausloten und so die Aufmerksamkeit in den meisten Szenen auf sich ziehen. Letztlich ist Rendition aber ein Film, der aufgrund seiner Botschaft gesehen und bewertet werden will. Dies scheint ihm nicht besonders gut gelungen zu sein, ist er doch in den USA mit gemischten Kritiken gestartet - und gefloppt. Ob dem Film in Europa, das ja bekanntlicherweise kritisch der US-Aussenpolitik gegenübersteht (und ja auch schon in der Presse über geheime CIA-Gefängnisse lesen konnte), das gleiche Schicksal ereilt, wird sich weisen. |
Servus Hier noch meine Kritik: Verworrener Politthriller Während einer Geschäftsreise nach Südafrika verschwindet Anwar El-Ibrahimi spurlos. "Rendition" wurde ein routinierter Politthriller mit Starbesetzung. "Ausserordentliche Auslieferung" Aus den eigenen Reihen Klischierte Umsetzung |
Eins vorneweg, Rendition ist kein schlechter Film. Aaaaber er versucht Elemente des Thrillers und des Dramas so zu verknüpfen, dass das Endresultat einen sehr gemischten Eindruck hinterlässt. Spannung wird insofern geboten, als dass diese nächtlichen Aktionen des CIA halt einfach ungläubig angeschaut werden und man es kaum glauben kann, dass die selbsternannte Weltpolizei zu solchen Mitteln greifen muss. Die Folterszenen sind hart, aber dennoch Massentauglich, so das niemand vor Schreck die Augen verdecken müsste. Die Story um das Mädel des Folterers ist hingegen mehrheitlich langweilig und löst sich dann in einer Weise auf, wie man es lange Zeit nicht ahnen konnte. Ich würde auf alle Fälle überrascht. Auf solidem Niveau bewegen sich die Darsteller. Zwar werden Witherspoon und Gyllenhaal kaum mit Oscarnominationen rechnen dürfen (dafür spielt vor allem er zu eintönig), aber der ganze Cast macht seine Sache ordentlich. Meryl Streep lässt sogar teilweise ihre Paraderolle aus The Devil wears Prada aufblitzen, wenn sie den auf Hilfe hoffenden Menschen mit einer Eiseskälte gegenübersteht. S'ist nicht der Überhammer geworden, aber anschaulich ists allemal. Vielleicht hätte man die einzelnen Szenen noch mehr straffen können, denn mit einer Spieldauer von 122 Minuten ist der Film doch um einiges zu lang. |
Auch wenn der Film ein bisschen zuviel auf einmal versucht und sich deswegen nicht so ganz entscheiden kann was Inhaltlich jetzt wichtig ist und sich dabei etwas verzettelt und langfädig wird, Rendition ist wirklich sehenswert. [Editiert von kiri am 2008-01-17 23:20:30] |

