Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag In the City of Sylvia - En la ciudad de Sylvia
In the City of Sylvia - En la ciudad de Sylvia oder: Strassburg hat sehr schöne Trams Oh boy. Über die Länge eines Fussballspieles hinweg filmt Regisseur José Luis Guerin den Typ, der einer Mister-Schweiz-Wahl entsprungen sein könnte, wie er im Café sitzt (ca. 20 Minuten), die Frau durch die Stadt verfolgt (ca. 20 Minuten), sich kurz mit ihr unterhält (ca. 10 Minuten), in einer Bar abhängt (ca. 20 Minuten) und schliesslich an einer Bushaltestelle sitzt, wo er wieder Leute beobachtet (ca. 20 Minuten). That's it. Mag sein, dass ich mich in den Zeiten etwas vertan habe. Doch mehr passieren tut nicht. Und irgendwann ist Cut und stumm surrt der Abspann über die Leinwand. Das Zeitlupentempo des Filmes, in dem insgesamt ungefähr zehn Sätze gesprochen werden, ist für den Zuschauer insofern angenehm, dass er seine Aufmerksamkeit auf Sparflamme schalten und mal in Ruhe die Anzahl Notausgänge im Kinosaal zählen kann. Wenn er den Blick so alle fünf Minuten über die Leinwand streifen lässt und checkt, ob etwas Neues passiert ist, reicht das vollkommen aus, um der Handlung zu folgen. Wenn's dann doch langweilig wird, kann man sich auf der Leinwand auch an den modernen und wendigen Trams erfreuen, die in Strassburg, wo der Film abgedreht wurde, herumkurven. Man kann auch ein wenig sinnieren über die "Laure, je t'aime"-Schmierereien, die in der ganzen Stadt an die Mauern gesprayt sind. Achtung, Symbolik, bitte Notizblock zücken! Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich sitze auch gerne im Strassencafé, trinke ein Bier, lasse die Zeit verplätschern und beobachte Leute. Doch muss man dafür ins Kino gehen? José Luis Guerin vergleicht sich im Katalog des Filmfestivals Venedig 2007 übrigens unbescheiden mit Regisseuren wie Alfred Hitchcock, Charlie Chaplin oder Jean-Luc Godard. Boah. Ein solch akuter Fall von Selbstüberschätzung gehört von OutNow.CH mit der Tiefstnote gestraft. En la ciudad de Sylvia ist der Venedig-Flop 2007 und stellt als solcher auch Les Amours d'Astrée et de Céladon in den Schatten. Er ist so öde, dass er beinahe amüsant ist und übt dank seiner Ereignisarmut sogar eine seltsam entspannende Wirkung aus. Aber darauf hat der Regisseur wohl kaum abgezielt. Übrigens: Mein Kinosaal hatte 10 Notausgänge. |
Seit drei Monaten lese ich diese Kritik immer und immer wieder und muss jetzt zu meiner Schande (?) eingestehen, dass ich es schade finde, dass der Film scheinbar nicht in die Schweiz kommt. Auf imdb hat er immerhin eine Wertung von 7.1, also muss es Leute geben, die ihn mögen. Ich glaube zwar nicht, dass ich zu denjenigen gehören würde, aber Neugierde ist schon da. |
Zitat El Chupanebrey (2007-12-04 20:22:13)
[Editiert von ebe am 2007-12-04 22:39:35] |

