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Redacted oder: Filmen, was ist


Als in meiner 3. Sek der Vietnamkrieg durchgenommen wurde, haben die beiden Mädchen, die dazu einen Vortrag gestalten mussten, sich entschieden, Casualties of War zu zeigen - nicht Platoon, nicht Apocalypse Now, nicht Full Metal Jacket und wie die anderen "bekannteren" Vietnamfilme alle heissen. Sie fanden, dieser Film zeige die Grausamkeiten des Krieges am besten. Darin wird Michael J. Fox von seinem Zugführer Sean Penn gezwungen, eine Vietnamesin zu vergewaltigen. Der Regisseur hiess Brian de Palma.

Achtzehn Jahre später muss De Palma eine ähnliche Geschichte nochmals drehen. Diesmal nicht als fiktives Werk, sondern eine Art Mockumentary aus Homevideos von Soldaten, einem Frontbericht einer französischen Filmcrew, YouTube, Überwachungskamerabildern, islamistischen Propagandasites und Al-Jazeera-Nachrichten. Mit unbekannten Schauspielern stellt er den wahren Fall, die Vorgeschichte, die zur Ermordung von Abeer Hamza und ihrer Familie führte, nach. Und weil der Krieg, um den es diesmal geht, noch immer im Gange ist, will er Redacted als Aufruf zum Protest verstanden haben.

Bewusst wählt er den Euphemismus als Titel, der heute gebraucht wird, um das Wort Zensur zu vermeiden. Gemeint sind die PR-Spezialisten im Pentagon, welche die Nachrichten so redigieren, das sie weniger drastisch erscheinen. Die schlimmsten Bilder im Redacted sind denn auch die ungeschönten Bilder von Kriegsopfern im mit "Kollateralschäden" betitelten Epilog. Diese schocken, wie das wohl auch die beiden Mädchen aus meiner Sek-Klasse mit Casualties of War tun wollten. Das Reenactement davor wirkt seltsam in der Machart. Nicht nur weil man den Hitchcock-Fan De Palma als Arrangeur ausgeklügelter Kameraperspektiven kennt - eine Kunstfertigekeit, die man für das Abfilmen einer YouTube-Seite nun wirklich nicht braucht - sondern auch, weil gerade das Massaker von Mahmudjia ausführlich dokumentiert ist, und die Schuldigen für Jahrzehnte hinter Gitter mussten. Auch De Palma hat seine Geschichte darauf aufgebaut, was vor dem Militärgericht als Fakten zur Sprache kam. Von Vertuschung seitens des Militärs ist also wenig zu spüren. Da lob ich mir in the Valley of Elah, einen anderen Film am Festival von Venedig, der sich auch mit der Sinnlosigkeit der Irakinvasion auseinandersetzt. Darin wird das Weltbild eines US-Patrioten erschüttert. De Palma offenbart mit seinen möglichst realen Bildern "nur" das Offensichtlichste. Im Bootcamps ist‘s langweilig und die Hohlen agieren im Krieg noch hohler. Protestmärsche sind wegen dieses Films keine zu erwarten.

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rm's Wertung: 4 Sterne

Redacted hat den Anspruch, den dreckigen Krieg im Golf uns möglichst unverblümt ins Wohnzimmer zu bringen. DePalma setzt dabei auf die oft kritisierte Optik der bekannten TV-Networks CNN und Al-Jazeera sowei natürlich YouTube.

Das Konzept und die Seitenhiebe auf diese neue penetrante Art der Berichterstattung funktioniert bestens. Dabei setzt der Film auf eine realtiv heftige Bildsprache die in den meistenfällen die Kamera direkt auf das blutige und menschenverachtende Geschehen draufhält. Wer jetzt aber ne wackelige Actionnummer a la Cloverfield erwartet wird schwer enttäuscht. Die ganze Sache ist mehr in Form vom Videotagebüchern in den Camps erzählt und hat bis auf den filmbasiernden Vorfall nicht viel an "Kriegsaction" zu bieten. Der Film versucht vorallem die Dynamik der Einheit zu dokumentieren.

Sehr gelungen ist die fein gefilmte Eröffnungsequenz des Checkpoints die mit der Musik von Henry Purcell unterlegt ist, die durch die Verwednung in Clockwork Orange eine ganz spezielle Stimmung erzeugt.

Leider aber krankt der Film an den wirklich schlechten Schauspielern. Die ganze Riege wirklich alles andere als glaubwürdig und man kauft ihnen die jeweilligen Situationen schlichtweg nicht ab. Dadurch verliert die toughe Story an Realität und kommt sehr abgestumpft daher. Einzig die Szene des frustierten GIs am Ende des Filmes ist einigermassen stark gespielt. Gestandene Actors (ich denke da z.B an den Jarhead-Cast) hätten für eine ungleich packendere Stimmungen sorgen können. So hatte mich der Film nicht wirklich berührt oder schockiert. Hingegen bin ich mir nicht ganz sicher, ob dies auch zum Konzept von DePalma gehört. Schliesslich werden einem die TV-Aufnahmen dieses Krieges änlich "fertig geniessbar" serviert und auch da erwischt man sich oft dabei beim weiterzappen und vergessen!

Fazit: Die Idee DePalmas von der cineastischen Umsetzung der Gräueltaten im Irak ist lobenswert, gerade da das ganze noch im vollen Gange läuft. Leider aber versagt das Konzept am Low-Budget-Still der Umsetzung, das eimen nicht ganz so mitreisst wie eigentlich gewünscht. Was bleibt ist eine Kombination einer schlecht gespielten Version von Jarhead und einer Anzahl an Videoclips im Youtube-Style etc. Hingegen eines hat der Film erreicht, es macht keinen Spass sich das ganze anzusehen und das soll es ja auch nicht! Deswegen verwundert es auch in keinster Weise das der Streifen an den Kassen floppte. Schlussendlich ist aber auch klar das dies eher ein Film für den US-Amerikaner ist als für den Europäer, der mit wessentlich differenzierterem Material über den Krieg gefüttert wird.

Chemic's Wertung: 3.0 Sterne


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