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Cassandra's Dream oder: Ein unmoralisches Angebot


Man kommt kaum darum herum, bei der Bewertung von Woody Allens neuem Film den Vergleich mit dessen Vor-Vorgänger, dem brillanten Match Point zu ziehen. Zu offensichtlich sind die Parallelen. Nicht nur, dass beide Filme in London spielen und es sich - wie man es sich von Allen zuvor gewohnt nicht war - um "ernste" Filme handelt; auch inhaltlich bestehen diverse Gemeinsamkeiten. In beiden Filmen spielen Charaktere die Hauptrolle, die einem Roman von Patricia Highsmith entsprungen sein könnten; Menschen wie du und ich, bei denen der Wunsch nach einem besseren, luxuriöseren Leben eine ungeahnte kriminelle Energie freisetzt. Daraus entsteht dann eine unvorhergesehene, zwingende Eigendynamik, die von den involvierten Personen nicht mehr kontrolliert werden kann und schliesslich unweigerlich zur Katastrophe führt.

Leider geht der Direktvergleich klar zugunsten von Match Point aus, so dass Cassandra's Dream wie ein fehlgeschlagener Versuch erscheint, dessen Erfolg zu wiederholen. Spielt ersterer gekonnt und sehr elegant mit Elementen des Zufalls und baut eine Spannung auf, bei denen einem der Atem stockt, hält sich hier die Spannung im Rahmen des Vorhersehbaren. Das heisst noch lange nicht, dass Cassandra misslungen ist, der Film ist straff erzählt und die Schauspielerleistungen sind tadellos. Separat betrachtet ist der Film ein ansprechendes Kinodrama. Nur eben: Wieso einen Film zweimal drehen, wenn der erste schon nahezu perfekt ist?

Wirklich innovativ ist Cassandra's Dream nur, was den Soundtrack betrifft. Hier arbeitet Allen nämlich zum ersten Mal mit Philip Glass zusammen. Glass' Score ist musikalisch wie gewohnt auf allerhöchstem Niveau und wird hier auch behutsam genug eingesetzt, als dass der bei Filmen mit Glass-Musik auch schon geäusserte Vorwurf, die dominante Musik übertöne den Film, gerechtfertigt wäre.

Cassandra's Dream möge sich also anschauen, wer von Match Point noch nicht genug hat oder wer hervorragende Filmscores zu schätzen weiss. Ansonsten warte man mit Vorteil auf Allens nächsten Film - der ja bekanntlich in Barcelona spielt und in dem auch seine neue Muse Scarlett Johannson wieder mit von der Partie sein wird.

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ebe's Wertung: 4 Sterne

Cassandra's Dream erschien mir zwar nicht wie ein Versuch, Match Point nochmal zu machen, eher, dass Woody Allen die in beiden Filmen gezeigte Ausgangslage sehr zusagt. Klar, die beiden Filme gleichen sich über weite Strecken verblüffend miteinander. Einige Punkte gelingen in Match Point besser, manche in Cassandra's Dream. So wirkt sich in diesem Film die Länge nicht ganz so schwerwiegend auf das Filmvergnügen aus, wie sie es in Match Point getan hat. Allerdings hält Allens neuer Film nicht die ganze Zeit seine Klasse. Teilweise geht es doch etwas zäh voran und das Gefühl, alles schon mal gesehen zu haben, nagt an der Ausdauer des Kinobesuchers. Dennoch ist der Film gekonnt umgesetzt, vermag immer wieder zu überraschen und ist mit einem passenden Score untermalt.
Fazit: Cassandra's Dream kommt fast nie wirklich an Match Point heran, trotzdem helfen einem die vorher genannten Gründe plus die wirklich guten Schauspieler - das Duo McGregor/Farrell sei hier besonders zu loben - über harzige Momente hinweg.

El Chupanebrey's Wertung: 4.0 Sterne

Eine kleine Überraschung, dieser Streifen von Woody Allen. Eigentlich schade das er an der Kinokasse so derart floppte. Mich hat der Film jedenfalls wirklich auf eine Art und Weise fasziniert. Vielleicht weil ich solche Streifen, in denen irgendein Bürger in eine verzwickte Situation gerät und das ganze schliesslich immer dramatischer wird, wie schon Before the Devil Knows You're Dead , einfach genial finde. Cassandra's Dream vermag zwar nicht an die Klasse von Sidney Lumet genialem Werk anzuknüpfen, doch es macht ihm meiner Meinung nach arg Konkurrenz. Einen grossen Verdienst daran haben sicher die beiden Hauptdarsteller. Farrell, der mir übrigens immer besser in seinen Rollen gefällt, und McGregor machen ihren Job hervorragend. Vorallem Farell spielt seinen Part des zuerts von Geld-Schulden und dann von innerlicher Schuld geplagten durschnitts Bürger wirklich sehr stark. Der ganze Film überzeugt 100 Minuten lang ohne auch nur eine Spur von Action Szene sondern trumpft mit einer Spannung und unglaublichen Dramatik, ähnlich wie eben schon Lumets Werk. Vielleicht hätte man aus dem ganzen noch ein wenig mehr herausholen und die Eine oder Andere Szene streichen können. Denoch bin ich höchst zufrieden mit dem Ergebnis und kann den Film herzlichst weiter empfehlen.

[Editiert von nick* am 2009-01-08 21:46:29]

nick*'s Wertung: 5.0 Sterne


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