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Babel oder: Verständigungsschwierigkeiten en masse!


Eine kleine Überraschung war Babel ja schon. In den Schweizer Kinos mit grossem Erfolg gelaufen, auf diversen "Beste-Filme-des-Jahres"-Hitlisten auf den vordersten Plätzen zu finden und auch an den Academy Awards 2007 durfte der Film sieben Nominationen entgegen nehmen. Schlussendlich hats "nur" für einen Oscar gereicht, aber trotzdem ist Alejandro Gonzales Inarritu in aller Munde. Doch was ist Babel für ein Film? Was macht aus der Verknüpfung dreier Geschichten ein solch (scheinbar) magistrales Werk?

Auf dem Cover der DVD blicken uns drei Leute entgegen, die man eigentlich kennen sollte. Allen vor natürlich Brad Pitt, der mit grauem Bart und verweinten Augen die meiste Zeit seiner Auftritte panisch schreiend durch die Gegend läuft. Immerhin hat man seine Frau angeschossen und am Arsch der Welt steht natürlich auch kein Krankenhaus. Womit wir zur zweiten bekannten Person auf dem Cover kommen: Cate Blanchett. Ihre Aufgabe in Babel ist es, kühlendes Eis auf den Wüstenboden zu schmeissen, Brad Pitt wegen etwas (das irgendwann damm mal kurz erklärt wird) nicht zu verzeihen und die meiste Zeit fast regungslos auf einer Trage zu liegen. Der Dritte im Bunde wäre Gael Garcia Bernal (La Mala Educacion), der sich mit Grenzwächtern streiten darf und sein Spanisch an den Mann bringt. Soviel zu den Werbeträgern des Films.

Ja, Babel verlangt einiges vom Zuschauer. Meistens ist es Geduld und die Fähigkeit, auch bei endlos lang scheinenden Szenen nicht den "Forward"-Knopf auf der Fernbedienung zu drücken. Allerdings schiebt der Regisseur zwischendurch auch wieder schöne Momente ein, die es sich anzuschauen lohnt. Auch wird bald einmal klar, was die drei Geschichten miteinander zu tun haben. Aufmerksame werden hier weniger überrascht werden, als solche, die den Film so nebenbei gucken.

Die drei Geschichten hinterlassen zwiespältige Eindrücke. Diejenige in Marokko ist interessant, die in Mexiko ein bisschen an den Haaren herbeigezogen und diejenige in Japan grottenlangweilig. Die Verbindung aller drei Stücke ist ein bisschen gesucht und stellt den Zuschauer mehrfach vor eine harte Probe.

Ganz uninteressant ist Babel dennoch nicht. Das Sprachengewirr ist "aus dem Leben gegriffen" und glücklicherweise sprechen hier die Figuren aus der hintersten Ecke kein Oxford-Englisch, wie wir es sonst in Hollywoodfilmen vorgegaukelt bekommen. Das wahrt die Glaubwürdigkeit und gibt dem Film einen realitstischen Touch.

Fazit: Babel hat den Anspruch, hochstehend, interessant und zum Schluss noch ein Gesamtkunstwerk zu sein. Dem kann ich nur sehr bedingt zustimmen, da die Geschichten halt schon sehr dramatisch, teilweise deprimierend und leider nicht sehr interessant sind. Da helfen auch die traurigen Augen eines Brad Pitt nicht, die den Käufer auf der DVD-Hülle angucken.

Schwaches wird dann in der Extra-Sektion geboten. Ausser ein paar Trailern hat man nämlich nichts anzuklicken. Keine Infos, noch nicht mal Texttafeln oder irgendein Werbe-Making-Of. Einfach gähnende Leere. Ganz schwach!

Technisch macht Babel allerdings einen guten Eindruck und überzeugt mit klarem Ton, der die teils recht imposante Musik gut durch die Boxen zwirbeln lässt. Das Bild ist teilweise ein wenig verwackelt und unscharf. Das dürfte aber weniger an der DVD-Qualität als am Vorgehen des Regisseurs liegen.

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muri's Wertung: 2.5 Sterne

Also nein, muri! Ein bisschen entäuscht bin ich jetzt aber schon von dir, kann ich deine Kritiken meistens nachvollziehen, in diesem Fall aber überhaupt nicht. Offenbar hast du wirklich Verständnisschwierigkeiten en masse gehabt, denn die Feinfühligkeit des Filmes hat dich wohl irgendwie verfehlt.
Die Message hast du aber schon mitbekommen, oder? Denn nicht nur die verschiedenen Völker verstehen sich gegenseitig nicht (Brad Pitt hat kein Verständnis für eine Hochzeit seiner spanischen Haushälterin), sondern auch die Menschen vom gleichen Volk, mit den gleichen Sitten, haben Kommunikationsschwierigkeiten. Der japanische Vater kann nicht richtig mit seiner Tochter sprechen und das amerikanische Ehepaar kann nicht richtig untereinander kommunizieren (Restaurant-Szene).
Du sprichst auch davon, dass Babel beinahe ganz uninteressant ist. - Ich fand die verschiedenen Kulturen höchst interessant, auch dass jede Geschichte seine eigene Sprache hatte. Für mich ist so was einfach interessanter als beispielsweise Bruce Willis, der wieder einmal ein paar Typen verprügelt.
Beim Verknüpfen der Geschichten will der Regisseur sagen, dass doch jedes Volk teil eines einzig grossen Volkes ist. Das ist doch eine schöne Idee, muri!
Babel verlangt einiges vom Zuschauer, sagst du, darf er das denn nicht? Und viele Menschen, die Babel so nebenbei gucken, wird es wohl auch nicht geben (obwohl, solche gibt's ja immer).
Viele tolle Sachen hast du ausserdem gar nicht erwähnt: Die Schnitte zum Beispiel. Selten sind mir gute Schnitte so aufgefallen wie in diesem Film. Und die Musik ist doch auch toll, oder?
Du fandest die Japan-Geschichte total langweilig? Was ist mit der schauspielerischen Leistung von Rinko Kikuchi? Sie gibt eine derart mutige Performance ab, dass man als Zuschauer nur staunen kann. Auch wie sie Sing Language spricht, ist doch total überzeugend.

Klar, jedem seine Meinung und ich will dich auch nicht beleidigen. Nur noch ein wenig zum Nachdenken anregen, denn das hat der Film bei dir offenbar nicht erreicht.

psg's Wertung: 6.0 Sterne

Zitat henker (2007-08-20 11:29:24)

Also nein, muri! Ein bisschen entäuscht bin ich jetzt aber schon von dir, kann ich deine Kritiken meistens nachvollziehen, in diesem Fall aber überhaupt nicht. Offenbar hast du wirklich Verständnisschwierigkeiten en masse gehabt, denn die Feinfühligkeit des Filmes hat dich wohl irgendwie verfehlt.

etc. etc.

amen?

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

@Henker:
schön das dir der Film so fest gefallen hat. Bei mir wars leider nicht so. Die Gründe hab ich aufgelistet. Was die einzelnen Geschichten und deren Feinfühligkeit angeht, so darf ich dich beruhigen. Auch die habe ich, soweit es geht, verstanden und gefühlt. Was nichts daran ändert, das vor allem die japanische Geschichte (mutige Performance hin oder her) sehr zähflüssig ist und mich persönlich gelangweilt hat.

Natürlich dürfen Filme den Zuschauer fordern. Daran ist überhaupt nichts auszusetzen. Die Gefahr ist dann halt bei schlechter Replik, dass das Gefühl entsteht, der Zuschauer (also hier ich) wäre "über"-fordert gewesen. Das ist Ansichtssache, möchte ich aber auch hier von mir weisen.

Ich empfinde eine gute Kritik des Filmes keinesfalls als Beleidigung. Wenn dir solche Sachen gefallen, dann bist du mit Babel ja optimal bedient. Ich hingegen kann inzwischen durchaus unter spannenden, packenden und gefühlsmässig anspruchsvollen Filmen unterscheiden. Und Babel konnte mich persönlich nicht gross überzeugen. Vor allem durch die Super-Kritiken, die der Film überall erhalten hat, waren wohl auch die Erwartungen ein bisschen hoch.

Im gleichen Zug könnte ich auch fragen, warum um Himmels Willen man Death Proof 5 Sterne geben kann... Auch hier scheinen wir riesige Qualitäts- und Anspruchsunterschiede zu haben...;)

muri's Wertung: 3.0 Sterne

Die japanische Geschichte war die mit Abstand interessanteste der verschiedenen Episoden. Ich hätte es wesentlich gescheiter gefunden, daraus einen eigenständigen Film zu machen.
Die Verknüpfung der Episoden wirkt in meinen Augen arg gesucht und konstruiert. Die Sprachverwirrung (welche ja schon der Filmtitel offenlegt) ist m.E. in einem Film wie z.B. Crash viel besser gelungen. In Babel hat mich die ganze Thematik nur angeödet.

thatssno's Wertung: 3.0 Sterne

Zitat thatssno (2007-08-20 12:58:39)

Die japanische Geschichte war die mit Abstand interessanteste der verschiedenen Episoden. Ich hätte es wesentlich gescheiter gefunden, daraus einen eigenständigen Film zu machen.
Die Verknüpfung der Episoden wirkt in meinen Augen arg gesucht und konstruiert. Die Sprachverwirrung (welche ja schon der Filmtitel offenlegt) ist m.E. in einem Film wie z.B. Crash viel besser gelungen. In Babel hat mich die ganze Thematik nur angeödet.

Jep, Crash hat mir auch bedeutend mehr gefallen.

muri's Wertung: 3.0 Sterne

grossartiges, vielschichtiges, depressives filmerlebnis. einzelschicksale zufällig miteinander verstrickt ist nichts neues im kino, aber Babel führt das Konzept in intelligenter und hochstehender weise fort. einfach klasse die paranoiden amis (terror, terror, überall).

grosses, grosses kino!

[Editiert von pb am 2007-08-26 11:59:07]

pb's Wertung: 6.0 Sterne

Wurde hier auch schon angetönt. Der Film zeigt wie die Amis auf den Terror zu sprechen sind. Aus einem jugendlichen Leichtsinn wird ein Terroranschlag fingiert. Die Geschichte mit den Kindern von Richard und Susan hat mich persönlich am meisten gepackt. Das Mexikanerproblem wird super inszeniert. Man sieht wie die Grenzwache alles daran setzt die Flüchtlinge zurück nach Mexiko zu befördern. Dies gelingt zu einem kleinen Teil. Der grosse Teil der Grenzflüchtlinge wird nicht gefasst und sind somit illegale Einwanderer und ein Problem für den amerikanischen Staat.

Zurück zum Film. Durch die vier Geschichten hatte ich nie das Gefühl von einer Überlänge. Für mich war die Geschichte mit der Japanerin die langweiligste, da sie zu gesucht war. Die anderen drei Geschichten harmonieren gut miteinander und es konnte Spannung aufgebaut werden.
Als negativer Punkt kann muss ich die Geschichte mit dem taubstummen japanesischen Mädchen aufführen. Diese Story konnte mich nicht fesseln wie die anderen drei. Alles in allem ist mir der Film dann doch ein wenig zu depressiv geraten. Meines Erachtens wäre ein Happy End in einer der verschiedenen Geschichten angebracht gewesen...

Le-Chiffre's Wertung: 4.0 Sterne


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