Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Prête-moi ta main
Prête-moi ta main oder: Shock the Parents Die französische Komödie hat längst keine international vermarktbare Originale wie Pierre Richard oder Louis de Funès mehr, die mit ihrer Unnachahmbarkeit allein für gesunde Lacher garantierten - dafür hat sie nun Menschen wie Alain Chabat. Nachdem Chabat als Gallionsfigur der Fernsehkomikertruppe Les Nuls einem breiten Publikum vertraut wurde, machte er sich schnell auch als Drehbuchautor, Regisseur und Produzent einen Namen, wobei er sich vor allem durch eine ganz bestimmte Eigenschaft auszeichnete: Verlässlichkeit. Er war es zum Beispiel, der die eher schlecht angelaufene Astérix-Realfilmfranchise mit seinem enorm erfolgreichen Astérix et Obélix: Mission Cléopatre zurück auf den Plan brachte. Er ist nebenbei auch die französische Stimme von Shrek, Nebendarsteller in La science des rêves von Michel Gondry und ein allgemein gern gesehener Gast in Talkshows. Mit Prête-moi ta main hat sich der bekennende Filmnarr Chabat einen Traum erfüllt und sich von nicht weniger als vier Drehbuchautoren eine Screwball-Komödie auf den Leib schreiben lassen, die auch einem Cary Grant, Rock Hudson oder Tom Hanks nicht schlecht angestanden hätte. Und wie schon andere französischen Komödien in der letzten Zeit (Hors de prix etwa) geht es wieder einmal um die Käuflichkeit der Gefühle. Das komische Potenzial von Prête-moi ta main hält sich dabei wohlverstanden in Grenzen und ist weit entfernt davon, unausgelotet zu sein. Wirklich originell ist eigentlich nur, wie sich die sonst zierlich und fragil wirkende Charlotte Gainsbourg für einmal nach Belieben vulgär und ungezogen geben darf. Punkt für Punkt hakt der Film die To-do-List im Handbuch der Situationskomik ab, ohne aber zu vergessen, worauf es bei einer romantischen Komödie ankommt: Charme. Chabat selbst ist ein alter Charmeur, dem man auch noch beim Vorlesen des Telefonbuchs zuhören würde, und das weiss er. Wie nebenbei entwirft er im Rahmen dieses Konzepts eine Figur, die erstaunlich viel Sinn macht: eine Art Woody Allen, der sich ausgesprochen wohl fühlt in seiner Haut. In französischen Filmzeitschriften gab es in letzter Zeit vermehrt das Lamento zu lesen, die hiesigen romantischen Komödien würden in Sachen Prüderie und Pseudoderbheit immer ähnlicher wie ihre Hollywoodschwestern aussehen. Von diesem Vorwurf kann man auch Prête-moi ta main nicht ganz befreien, aber die Tendenz in diese Richtung ist ja irgendwie nachvollziehbar: selbst die Grande Nation verträgt nicht beliebig viele Liebhaber in Schlafzimmerschränken, Nackedeis in Fluchtgefährten und Stecherversuche in Besenschränken. Insofern ist es doch begrüssenswert, wenn ein Film wie dieser eben just nicht Fremdgeherei und ein ständiges Fickenwollen zum Thema hat, sondern eben just das Gegenteil. |

