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Stranger than Fiction oder: Stimmengewirr im Kopf


Marc Forster, geboren in Ulm, aufgewachsen in der Schweiz und Regisseur des Nachfolgers von Casino Royale, mausert sich je länger je mehr zum Hotshot in Hollywood. Nach einem Drama (Monsters Ball), einer Fantasiegeschichte (Finding Neverland) und einem etwas verkorksten Thriller (Stay) nimmt er sich nun das Genre der Komödie vor und präsentiert mit Stranger than Fiction einen lustigen, aber auch tragisch-dramatischen Film über einen Mann, dessen Leben von einer Schriftstellerin beeinflusst wird und der erst als Erwachsener beginnt, sein eigenes Leben zu leben. So langer er noch kann.

Will Ferrell, allseits bekannt durch Komödien wie Talladega Nights oder der erst grad im Kino gelaufenen Blades of Glory gibt Harold, einen Steuerbehördler. Wer jetzt denkt, der gute Mann würde auch durch diese Geschichte hampeln, der wird verwundert die Augen reiben. Nein, der (fast) Zweimeter-Mann kann auch anders. Er zeigt einmal mehr dieses positive, weil so untypische Gesicht und überzeugt als Mann, dessen Leben total aus den Fugen gerät, als er erfährt, dass er sterben soll. Er beginnt zu leben, fängt endlich an Gitarre zu spielen und verliebt sich. Und zwar in die erfrischende Maggie Gyllenhaal, die herrlich laut und unnachgiebig ihre Rolle spielt und somit praktisch zum Gegenstück der Hauptfigur wird. Sehr sympathisch.

In weiteren Rollen sehen wir (nach langer Zeit mal wieder) Emma Thompson (grad erst im Kino in Harry Potter and the Order of the Phoenix aus dem Zauberschloss gejagt), die als gestresste Schreiberin eine überzeugende Performance abgibt. Auch Dustin Hoffman, nach Finding Neverland wieder in einem Marc Forster-Film, scheint sich in seinen, inzwischen mehrheitlich kurrlig angelegten, Rollen immer wohler zu fühlen. Man sieht ihm den Spass regelrecht an. Queen Latifah rundet das Starensemble ab, hat aber im Vergleich zu ihren Kollegen eine glücklicherweise relativ kleine Rolle.

Stranger than Fiction ist auf dem Papier eine Komödie, kommt aber nicht dem Presslufthammer daher, sondern versucht die Witze auf sanfte Art aus der Story zu pressen. Die lustigen Situationen ergeben sich automatisch, man schmunzelt und lacht vereinzelt laut auf. Ob das allerdings genügt, um einen Film als Komödie zu betiteln, darf bezweifelt werden. Denn neben diesen guten Phasen hat der Film auch eine Menge an Drama oder Tragödie zu bieten. Das wird vor allem gegen Ende sichtbar, wenn die Geschichte doch einen ernsteren Ton einschlägt und die Leichtigkeit der ersten Filmhälfte leider verpufft.

Fazit: Stranger than Fiction ist nicht Marc Forsters bester Film. Aber gegen die US-Komödien, die unsere Kinos und DVD-Läden überschwemmen, ist diese schöne Geschichte eine kleine Wohltat, bei welcher der Zuschauer auch mal den Kopf einschalten muss und nicht auf den nächsten furzenden Darsteller wartet. Trotzdem zieht sich der Film ein bisschen in die Länge und vermag vor allem am Ende nicht mehr so zu überzeugen, wie er es in einem grossen Teil der Geschichte geschafft hat. Dennoch, gute (gehobene) Unterhaltung.

Die Extras, welche auf die DVD gepresst wurden, bestehen vor allem aus Dokumentationen über die Machart des Films. Man sucht nach Drehorten, versucht an der Story rum zu feilen oder kriegt Bilder vom Set zu sehen. Dazu gibt es ein paar Werbe-Interviews ohne tieferen Inhalt und den Trailer des Films. Nett, aber halt nichts, mit dem man angeben könnte.

Technisch hingegen macht Stranger than Fiction einen sauberen Eindruck, auch wenn der klare und störungsfreie Sound die heimischen Boxen keinesfalls überanstrengt.

» Die komplette DVD-Kritik lesen

muri's Wertung: 4 Sterne

Zitat muri (2007-07-19 21:47:00)

Emma Thompson (grad erst im Kino in Harry Potter and the Order of the Phoenix aus dem Zauberschloss gejagt)


Jaja...eine ihrer unwürdigereren Rollen. Im Stranger than Fiction ist sie allerdings super.

"Did you smoke all these cigarettes?!"
"No, they came pre-smoked..."
oder
"Penny, I don't need nicotin plasters, I smoke cigarettes!"

El Chupanebrey's Wertung: 5.0 Sterne

Eine herrliche Geschichte, eine tolle Idee und gutes Schauspiel machen aus Stranger than Fiction einen wirklich gelungenen Film. Manchmal zieht sich das Ganze ein wenig in die Länge und gegen das Ende zu verliert der Film an Power. Doch das Ende an sich ist wirklich überaus stark geworden. Will Ferrell beweist dazu, dass er nicht nur rumblödeln kann und durchaus fähig ist ernstere Rollen zu spielen.

4.5

yan's Wertung: 4.0 Sterne


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