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Lady Chatterley oder: Frühlingserwachen


Fünf Césars hat Lady Chatterley bekommen, basierend auf dem genauso umstrittenen wie berühmten Roman von D.H. Lawrence. Diese Auszeichnung hat der fast dreistündige Film absolut verdient.

Schon in den ersten Szenen wird das Tempo des Filmes vorgegeben. Es ist ein Tempo, das sich viel Zeit nimmt für die Filmfiguren und das ist auch gut so. Wer sich nicht auf dieses Tempo einlässt, wird leiden. Alle anderen werden mit einem tollen Film belohnt. Die reifen und ruhigen Bilder bringen uns Lady Chatterley näher, die von Marianne Hands grandios verkörpert wird. Auch sie nimmt sich Zeit für die Gefühle ihrer Figur und meistert die grosse Herausforderung eines der schwierigsten zu spielenden Gefühle: Sehnsucht.

Constances Seelenleben wurde in schöne Naturbilder gepackt. Die Natur stellt stets eine Metapher ihres momentanen Gefühlszustandes dar. Blüht eine Narzisse auf, ist es auch Constance, die aufblüht. Auch die Musik wird in vielen Szenen der Natur allein überlassen - das besinnliche Rauschen des Baches, das Vogelgezwitscher oder das Knistern des Waldes. Die gesprochenen Szenen überzeugen ebenfalls, was den sehr schönen Dialogen zu verdanken ist. Glücklicherweise gibt es da auch einiges zu schmunzeln, es gibt zum Beispiel eine köstliche Szene mit einem Rollstuhl.

Eine grosse Sensibilität zeigt die Regisseurin Pascale Ferran bei den vielen Sexszenen. Das erste Mal ruht die Kamera ausschliesslich auf dem Gesicht der Lady Chatterley, deren Augen so wunderbar vieles widerspiegeln. Eher störend ist, dass die ersten beiden Sexszenen fast identisch sind. Der Sex zwischen dem Wildhüter und Chatterley steigert sich von Mal zu Mal, es fallen immer mehr Kleiderstücke, Scham beginnt immer mehr zu schwinden. Doch wird der Film auch nicht annähernd pornografisch, denn dafür sind die Szenen einfach zu sinnlich.

Was dem Film schadet ist eine leichte Überlänge, die hauptsächlich gegen Schluss spürbar wird. Dort wird eindeutig zu viel erzählt und zu wenig gezeigt. Bei der Schlussszene macht sich eine gewisse Langweile breit, weil an diesem Punkt eigentlich schon alles gesagt wurde, was der Film zu sagen hat.

Fazit: Lady Chatterley wird verdientermassen von allen Seiten hoch gelobt. Wahrscheinlich aber werden Frauen noch begeisterter sein als Männer, weil sie sich besser mit der Hauptfigur identifizieren können. Trotzdem strahlt der Film eine seltene Ruhe und Reife aus. Symbolgeladen, phänomenal gespielt und aussergewöhnlich gut - Lady Chatterley ist nahe an einem Meisterwerk und der beste französische Film seit langem.

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psg's Wertung: 5 Sterne


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