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Beitrag Marie-Antoinette
Marie-Antoinette oder: Kunterbunte Königin Es ist schon ein besonderer Film, Sofia Coppolas Marie Antoinette: knallig bunt, dann wieder verhalten leise. Laut und überbordend, dann wieder intim und kammerspielartig. Nicht Historienschinken und nicht tiefgehende Biografie. Kein Studiofilm und kein Streifen für die breite Masse. Eben, etwas besonderes. Aber Besonderheit heisst nicht in jedem Fall, dass das Ergebnis auch stets treffend ausgefallen wäre. Die eigene Machart (Frau Coppola eben) wird Traditionalisten ohne Zweifel vor den Kopf stossen, dabei ist vor allem die merkwürdige Musikuntermalung mit ihrem speziellen Mix ein Punkt, der diskutiert werden darf. Marie-Antoinette, übrigens umwerfend gespielt von Kirsten Dunst, ist eine eigentlich aufmüpfige, rebellische und kindliche Person (Tennie-Queen!). So, und nur so, kann ich den Einsatz von hippen und lauten Pop- und Rocksongs interpretieren. Vielleicht auch noch zu vergleichen mit einer heutigen Dekadenz des Überflusses und deshalb gewollte Parallelen im akustischen Bereich. Die Idee ist ja nicht wirklich neu oder originell und halt auch in der einen oder anderen Szene einfach nicht so passend. Da Coppola ausserdem (selten zwar, aber doch) auch barocke Klänge gebraucht, ist die Ausführung merkwürdig uneinheitlich. Gespielt ist der Film, wie schon kurz angesprochen, einfach wunderbar. Es macht Spass den Charakteren in ihren so gänzlich unterschiedlichen Rollen zuzusehen, vom brummeligen Altkönig mit seinem tiefsten US-Englisch (herrlich...) über den verwöhnten, sexuell desinteressierten Nachwuchsdauphin bis hin zu den missgünstigen Hofdamen. Die Schlossszenen setzt Coppola mit enorm viel Gusto um. Farbenpracht und Eloquenz in wunderbaren Bildern für eine Königin mit Teeniespleen. Marie Antoinette ist ein zeitgemässer und unterhaltsamer Kostümfilm über eine interessante Persönlichkeit, die wie viele des Hochadels die Zeichen der Zeit nicht erkannten. In den Händen anderer wäre der Film wohl zu einem Sissi-Abklatsch oder einer monumentalen Geschichtslektion verkommen, Coppolas Version ist nicht spiessig, sondern kultig! Extras: Zwei unveröffentlichte Szenen (eine zusätzliche Opernszene aus der Phase als Marie-Antoinette eine gewisse Beliebtheit widerfuhr) mit kurzen textlichen Einführungen, dazu ein Making Of und eine spezielle Führung durch das wunderbare Schloss von Versailles. Das Bild unterliegt der Machart Coppolas mit einerseits wunderschönen Bildern mit satten Farben, andererseits leicht Experimentellem mit schwachem Kontrast, Körnigkeit und gewollter Unschärfe. Ähnlich wie Lost in Translation halt. Die Tonspur bewegt sich zwischen klarem Dialog, feinem Ambiente (Springbrunnen, Vogelzwitschern) und extrem lauten Songeinsätzen (der Maskenball) - der Griff zur Lautstärketaste ist garantiert. |


