Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag The Green Mile
The Green Mile oder: Wunder dauern etwas länger Wenn Stephen King ein neues Buch schreibt, steht Hollywood meist schon vor dem Veröffentlichungstermin mit dem Checkbuch in der Hand vor seiner Tür und holt sich die Filmrechte. Und zwischendurch bringen die Herrschaften aus Kalifornien auch mal eine Verfilmung so in die Kinos, wie sich der Zuschauer das vorstellt. Shining war so eine (obwohl der Autor später eine Version produzierte, die eher nach seinem Geschmack war) und natürlich The Shawshank Redemption. Aus einer seiner Geschichte, die man damals in monatlich erscheinenden Fortsetzungsbüchlein kaufen konnte, wurde ein Film, der, trotz Überlänge, zum beeindruckendsten zu zählen ist, was je über die Leinwand flimmerte. The Green Mile. Für vier Oscars wurde der Film 2000 nominiert, erhielt aber *shame on you* keinen einzigen. Die Geschichte um den Todestrakt und dessen Insassen wird in aller Ruhe erzählt. Jede Figur bekommt ein bisschen Zeit, sich zu entwickeln und sobald Michael Clarke Duncan seinen Auftritt hat, kriegt man die Augen eh nicht mehr vom Bildschirm weg. Das Drama um die Figur, die Leiden nach den Heilungen, die Empfindungen von Schmerz und das unschuldige Auftreten dieses Mannes ist perfekt wiedergegeben und hätte mit einem Oscar belohnt werden müssen. (Aber gegen Michael Caine aus The Cider House Rules zu "verlieren" ist keine Schande) Neben dem überragenden Michael Clarke Duncan gibt sich eine Schar von hervorragenden Darstellern die Klinke in die Hand. Allen voran natürlich Tom Hanks, der nicht umsonst als der beste Schauspieler Hollywoods gilt. Seine Performance passt zum Rest des Films und ist einfach genial. Auch Gesichter aus der "zweiten" Reihe Hollywoods wachsen über sich hinaus. David Morse oder Doug Hutchison, den man als X-Files-Nerd natürlich als "Victor Tooms" in Erinnerung hat. Erstaunlich ebenfalls, dass (inzwischen) etablierte Darsteller in The Green Mile in den kleineren Rollen zu sehen sind. So rebelliert Zaphod Beeblebrox als "Wild Bill" auf ekligste Art und Weise, ein alter Bekannter aus Alien spielt die Testperson für den elektrischen Stuhl und auch der Entwickler der Wharp-Antriebes mischelt mit. Fazit: The Green Mile hat das ganze Paket an Gefühlen zu bieten, was ein (sehr) guter Film zu bieten hat. Es wird geschmunzelt, mitgefiebert, getrauert und gestaunt. Persönlich setze ich den Film auf gleiche Höhe wie Shining als Spitzenreiter der verfilmten Romane von Stephen King. Einfach ein fantastisches und trotz seinen 188 Minuten nie langweilig wirkendes Epos. Die erhältliche Doppel-DVD wurde neu auf den Markt gebracht und geizt nicht an interessanten Extras. Der Film wurde aufgeteilt in zwei Sequenzen. Man wird also auch zuhause (leider) während des Filmes aus dem Sessel knorzen müssen, die Disc wechseln und dann weitergucken. Dafür hats auf Disc 1 einen Screen-Test von Michael Clarke Duncan und einen Make-up-Test von Tom Hanks, der anfänglich sein altes Ich selber darstellen sollte. Dieser Plan wurde dann aber fallengelassen. Im kurzen Feature sieht man, das der Mann halt im Alter nicht mehr ganz so überzeugend aussieht. Wie man einen Teaser-Trailer macht und wie es dann aussehen soll wird uns auch noch näher gebracht. Deleted Scenes und der interessante Audiokommentar sollten ebenfalls einen Blick wert sein. Im halbstündigen Making-Of, das die zweite Disc eröffnet, bekommt der Fan einen gelungenen Blick hinter die Produktion und hört auch Gary Sinise (mit dem Tom Hanks vorher schon Forrest Gump gedreht hatte) ein paar Gedanken zum Thema sagen. Dass es durchaus witzig zu und her ging, wird ebenfalls ersichtlich. Ein grosser Bericht, angefangen beim Schriftsteller, über die Magie des Films bis zur Dressur der Maus, dauert ca. 100 Minuten und ist in sechs Themen unterteilt. Allesamt hervorragend informativ und definitiv ein Vorbild in Sachen Hintergrundmaterial. Wenn Wunder auf dem Bildschirm passieren, haben sie das bitteschön in höchster Schärfe und in klarem Ton zu tun. Beides ist auf dieser DVD gegeben und wenn das Orchester so richtig anfängt, die dramatische Musik zu spielen, dann vergisst man auch mal kurzerhand den Mitgucker oder das Popcorn auf dem Schoss. Man wird förmlich hineingezogen mit dieser herrlichen Untermalung der Szenen und den wunderbaren Bildern. |


