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Beitrag Anuk - Der Weg des Kriegers

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Anuk - Der Weg des Kriegers oder: Aus den Schweizer Bergen kommen wir...


18 Tage Drehzeit in den Innerschweizer Bergen. Schauspieler, die vor allem hinter dem Mikrophon mit Sangesstimme Bekanntheit erlangten. Eine Geschichte aus längst vergangenen Tagen. Ein Regisseur, der sich als Tausendsassa entpuppt und bewiesen hat, dass er die etwas "anderen" Filme mit Herzblut realisieren kann. Das alles ist Anuk, die neueste Produktion von Luke Gasser (der schon mit Fremds Land sein Faible für "Soundmovies" bewiesen hat) und der Film ist gar nicht mal so übel.

Die Geschichte und die Hintergründe verlangen aber eine gewisse Flexibilität. Denn solche frühzeitigen Geschehnisse sind nicht jedermanns Sache. Da hats viele Menschen in prächtigen Fellen und Kostümen, von denen einige die deutsche Sprache hervorragend sprechen, andere mit breitem Schwiizer Akzent reden und wiederum solche, die meistens brummen oder sonstige Geräusche von sich geben. Ausserdem ist die Story natürlich keine Neuerfindung, sondern reiht sich in die Masse der "Machen wir uns auf die Reise ins Unbekannte, um jemanden zu retten"-Filme ein.

Anuk versucht, mit blutigen Schlachtszenen, eine Intensität zu erreichen, die man aber dann mit den Zwischenmomenten bald wieder kaputt macht. So kommt eigentlich selten richtige Spannung auf und man ertappt sich dabei, sich einfach auf den Auftritt des nächsten Mimen mit grossem Namen zu freuen. Und die kommen in schöner Regelmässigkeit. Sei es Marc Storace als Medizinmann und Schamane, Stephan Eicher als Händler (sehr kurzer Auftritt) und natürlich die ehemalige "Warlock"-Frontfrau Doro Pesch, die zwar Klasse aussieht, aber irgendwie in ihrer Rolle nicht so aufblühen mag, wie auf der Konzertbühne.

Fazit: Anuk ist ein bedingt gelungener Film, in dem vor allem Regisseur Luke Gasser seine Vorlieben für die Mischung von Urzeit, Indianertum, schöner Landschaften und harter Rockmusik einbringt und dem Zuschauer eine dafür nur teilweise interessante Geschichte bietet. Den Druck des engen Budgets und der kurzen Drehzeit merkt man dem Film leider an. Trotzdem können Freunde des getragenen Fells und der mysthischen Art sicherlich einen Blick risikieren.

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muri's Wertung: 3 Sterne

Interview with a Warrior


muri's Wertung: 3.0 Sterne

Sehr geehrte Redaktion

Ich möchte zu zwei Punkten, die von Kritikern eingebracht werden, meine Meinung sagen:

-Zum Thema "Jungsteinzeit interessiert Niemanden"

-Zum Formalen"hölzerne Dialoge, Laienschauspieler usw.)

- Zu Kritiken allgemein, ein wenig polemisch.

Zum Thema:

Ich glaube, dass Luke mit seinem "jungsteinzeitlichen Western" sowohl im Spirituellen, wie auch in der täglichen Lebensbewältigung Bereiche anschneidet, in denen die Wurzeln für unser menschliches (in seinem Film vorallem männlichen) Verhaltens liegt.
Denn in dieser Zeit, beim Übergang vom Jäger zum sesshaften Menschen wurde unsere "Hardware" angelegt, Alles Nachfolgende auch die vom Fernsehen angesprochene Aufklärung (Sie unterstützen keine Filme mit Thema vor der Aufklärung) war nur noch "Software". Ob jetzt ein Mann zur Jagd geht, als Wettkampf um die Dorfherrschaft und die Tochter des Clanführers, oder ein Manager krampfhaft auf dem Golfplatz sein Handicap versucht zu verbessern, um die Karriereleiter empor zu steigen ist "Hans wie Heiri". In der Hardware, die während über 100000 Jahre bis zur Jungstrinzeit angelegt wurde, ist dieses Programm gespeichert.
Wenn man Konflikte, die heute monotheistische Religionen haben verstehen will, muss man die animistische Sichtweise und ihre Ahnenverehrung der Jungsteinzeit erahnen können.
Vorallem Heute mit all dem Esoterik -Mischmasch ist ein Blick zurück zu den Wurzeln wohltuend und klärend.
Ein Kreuzzeichen, das der Vater im Anblick des Todes bei seinem Vermächtnis seinem Kind auf den Weg gibt, ist im Film Anuk der Pfeilschuss, den der Sohn auf seinem Weg des Kriegers begleiten und retten wird. Oder ein anderes Beispiel: Die Szene mit dem Mitttagsgeist der Anuk mit einem Amulett Sieg und Befreiung verspricht, stellt sich einem Sportler auch, ob er Doping nehmen will, oder "den Weg des Kriegers" geht.
Sie merken bei diesen Beispielen vielleicht, dass dieser Film, leider von vielen Kritikern oberflächlich nicht erkannt, top aktuell ist. Sogar PRO HELVETIA startet momentan ein Projekt Namens "Echos" zum Themenkreis "Volkskultur und ihr Nachall" in unserer ach so aufgeklärten Zeit. Das zum Thema: "Jungsteinzeit interessiert Niemanden."

Zum Formalen:

Luke Gasser macht den hoch gelobten Autorenfilm: Er macht nämlich fast Alles selber.
Er wird dabei von einer halben Talschaft von Jung bis Alt, quer durch alle Parteien und Schichten unterstützt. Er schafft so nebenbei auch Idendität in einer auseinanderbrechenden Gesellschaft..
Luke und sein Team machen das in einer Radikalität, die letzmals in der Punkzeit bei gewissen Projekten aufblitzte. In der Zeit als die Züri-Punks, Schlatti, Patrick, Enzo, Stefan, Claudia usw. mit Martin Hess in Wolfenschiessen (NW) ihre legendären Konzerte abhielten und ein Theaterprojekt "Der Hundeschwindel von Moskau" (1983)auf ähnliche Weise in Stans realisierten. Aus dieser Zeit stammt auch die Verbindung zu Stefan Eicher. Dieser Groove von Damals lebt in L. Gassers Projekten weiter. All dies geschieht ohne Unterstützung vom Schweizer-Farbfernsehen und den offiziellen Bundesstellen.
Bei all seinen Filmen hat Luke mit Musikern zusammengearbeitet. Bei "Baschis Vergeltung" mit Linard Bardill , in "Fremds Land" mit Florian Ast und im Anuk mit Katja Winter, Doro Pesch. Marc Storage und Stefan Eicher. Luke ist Musiker, Künstler und gelernter Bildhauer. All dies führte zu seinem eigenen Filmstil: Der Soundmovie, geschnitten nach der Musik, fast im Stil eines 90- Minütigen Videoclips. Die Dialoge sind nicht in Hollywoodmanier überspielt sondern haben durch die Laiendarsteller den Charakter von einem Dok-Film. So kann der Film als Bild- und Musikspektakel voll genossen werden.

Zum Polemischen:

Wird der Film "totgeschwiegen" oder "belächelt" wegen der alten Kulturkampfgeschichte: Zureich(Protestanten) gegen Innerschweizer Katholiken)? Etwa aehnlich der Berichterstattung über die Fasnacht (eine kreativ,anarchistiche Explosion) und die Steetparade (ein konsum orientierter, narzistischer Event)?

Stellen sie sich vor Luke Gasser wäre kein Obwaldner sondern ein Schwarzafrikaner namens Lulu Gassoto aus Mali und er würde unter den gleichen Bedingungen sein Werk vor der Kulturschickeria in Lugano aufführen, der Leopard wäre im sehr wahrscheinlich sicher.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit

Zuri der "Kampfbastler"

--


[Editiert von zuriow am 2006-11-17 17:12:52]

[Editiert von zuriow am 2006-11-17 17:20:05]

zuriow's Wertung: 6.0 Sterne

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Sehr geehrte Redaktion
Ich möchte zu zwei Punkten, die von Kritikern eingebracht werden, meine Meinung sagen:


Wenn willst du überhaupt ansprechen? Uns als OutNow.CH - Redaktion? Das kann nicht sein, weil wir ja Anuk nicht totschweigen, sondern sogar ein Interview mit dem Macher geschalten haben. Ausserdem duzen wir konsquent die meisten, also kannst du dir die Höflichkeitsform sparen. (Ähnlich wie bei den Punks, übrigens.)

Aber zu deinen Ausführungen, wobei ich vorausschicken muss, das ich keinen einzigen von Gassers Filmen kenne. Meine (Vor)Urteile basieren auf der Sichtung des Posters, des Trailer und dem ANUK-Logo, das aussieht als hätte es eine Sekschüler in einer langweiligen Geometrie-Stunde aufs Pult gekritzelt.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Ich glaube, dass Luke mit seinem "jungsteinzeitlichen Western" sowohl im Spirituellen, wie auch in der täglichen Lebensbewältigung Bereiche anschneidet, in denen die Wurzeln für unser menschliches (in seinem Film vorallem männlichen) Verhaltens liegt.
Denn in dieser Zeit, beim Übergang vom Jäger zum sesshaften Menschen wurde unsere "Hardware" angelegt, Alles Nachfolgende auch die vom Fernsehen angesprochene Aufklärung (Sie unterstützen keine Filme mit Thema vor der Aufklärung) war nur noch "Software". Ob jetzt ein Mann zur Jagd geht, als Wettkampf um die Dorfherrschaft und die Tochter des Clanführers, oder ein Manager krampfhaft auf dem Golfplatz sein Handicap versucht zu verbessern, um die Karriereleiter empor zu steigen ist "Hans wie Heiri". In der Hardware, die während über 100000 Jahre bis zur Jungstrinzeit angelegt wurde, ist dieses Programm gespeichert.


Ja. Tief drin sind wir alle immer noch in der Steinzeit. Diese vulgärpsychologischen Binsenwahrheiten les ich ständig in all den Flirtratgebern von Frauenmagazinen und General Interest-Heftli, dafür braucht es doch keinen Film.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Wenn man Konflikte, die heute monotheistische Religionen haben verstehen will, muss man die animistische Sichtweise und ihre Ahnenverehrung der Jungsteinzeit erahnen können.


Du willst doch nicht behaupten, dass die Religionskriege ihren Ursprung in der Steinzeit haben?

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Vorallem Heute mit all dem Esoterik -Mischmasch ist ein Blick zurück zu den Wurzeln wohltuend und klärend.
Ein Kreuzzeichen, das der Vater im Anblick des Todes bei seinem Vermächtnis seinem Kind auf den Weg gibt, ist im Film Anuk der Pfeilschuss, den der Sohn auf seinem Weg des Kriegers begleiten und retten wird. Oder ein anderes Beispiel: Die Szene mit dem Mitttagsgeist der Anuk mit einem Amulett Sieg und Befreiung verspricht, stellt sich einem Sportler auch, ob er Doping nehmen will, oder "den Weg des Kriegers" geht.
Sie merken bei diesen Beispielen vielleicht, dass dieser Film, leider von vielen Kritikern oberflächlich nicht erkannt, top aktuell ist. Sogar PRO HELVETIA startet momentan ein Projekt Namens "Echos" zum Themenkreis "Volkskultur und ihr Nachall" in unserer ach so aufgeklärten Zeit. Das zum Thema: "Jungsteinzeit interessiert Niemanden."


Wie war das nochmal mit den Esoterik-Mischmasch? Und mit Zurück zu den Wurzeln sind nicht die Baumwurzeln im Wald gemeint.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Luke Gasser macht den hoch gelobten Autorenfilm: Er macht nämlich fast Alles selber.


Vor allem auf dieser Website wird der Autorenfilm nicht per se "hoch gelobt". Und nur weil man alles selber macht, muss man nicht gleich von Hochkultur sprechen. Bei der Selbstbefriedigung ist man oft auch ganz alleine, und es entsteht selten Kunst.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Er wird dabei von einer halben Talschaft von Jung bis Alt, quer durch alle Parteien und Schichten unterstützt. Er schafft so nebenbei auch Idendität in einer auseinanderbrechenden Gesellschaft.


Ja macht er nun alles selber, oder helfen im "ganze Talschaften"?

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

All dies geschieht ohne Unterstützung vom Schweizer-Farbfernsehen und den offiziellen Bundesstellen.


Och dabei starte sogar PRO HELVETIA ein Projekt namens "Echos".

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Bei all seinen Filmen hat Luke mit Musikern zusammengearbeitet. [..]
Die Dialoge sind nicht in Hollywoodmanier überspielt sondern haben durch die Laiendarsteller den Charakter von einem Dok-Film. So kann der Film als Bild- und Musikspektakel voll genossen werden.


Laiendarsteller? Halbe Talschaften? Musiker? Gelernter Bildhauer? Wo sind da die professionellen Filmemacher und Schauspieler? Könnte es vielleicht daran liegen, dass der Film wie ein Pfadiübung wirkt und den Charme einer Abendunterhaltung eines Turnvereins hat.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Wird der Film "totgeschwiegen" oder "belächelt" wegen der alten Kulturkampfgeschichte: Zureich(Protestanten) gegen Innerschweizer Katholiken)?


Nur zu deiner Information. OutNow.CH hat die Redaktionsadresse in Adligenswil (LU), wurde von Innerschweizer "Katholiken" gegründet und ist heute noch von ihnen dominiert. Unser Hausbank ist sogar die Nidwaldner Kantonalbank. Wir haben also sicher nichts gegen die Zentralschweiz, auf schlechte Filme reagieren wir aber geharnischt.

Zitat zuriow (2006-11-17 17:10:47)

Stellen sie sich vor Luke Gasser wäre kein Obwaldner sondern ein Schwarzafrikaner namens Lulu Gassoto aus Mali und er würde unter den gleichen Bedingungen sein Werk vor der Kulturschickeria in Lugano aufführen, der Leopard wäre im sehr wahrscheinlich sicher.


Ich denke, du meinst Locarno, und ich bin mir sicher, du freust dich bereits darauf, dass Blocher, Mörgeli und ihre Kumpanen Artikel 261bis abgeschafft haben werden.

rm's Wertung: Noch nicht bewertet

Bei der Selbstbefriedigung ist man oft auch ganz alleine, und es entsteht selten Kunst.

Herrlich :d

Chemic's Wertung: Noch nicht bewertet

Okay, die Out Now Page ist eigentlich der falsche Ansprechpartner, das habt ihr aus der Höflichkeitsanrede treffend herausgespürt(das Original Mail, mit vielleicht ein bischen viel Emotionen geschrieben, ging an das Fernsehen, sie unterstützen Filme mit Thema vor der Aufklärung nicht) und ihr habt ja diesesmal den Film auf eurer Page aufgeschaltet und besprochen. Der letzte Film Fremds Land (nominiert als 2.meist besuchter Film für den Prix Walo) habt ihr nicht erwähnt.
Ich war der Meinung, wenn ich schon eine Bewertung abgebe, dass ich auch einen Kommentar schreiben soll, darum änderte ich mein Mail ans Fernsehen ab, leider nicht ganz, was zu Missverständnissen führen kann.
Meine Ausführungen stellen mögliche andere Gesichtspunkte dar, wie man den Film auch sehen kann, die auf diesem Forum vom "Redaktor" in einer billigen Art auseinandergenommen werden, die ihn selber qualifizieren, da er den Film überhaupt noch nicht gesehen hat. Den Vergleich am Schluss habe ich klar als polemisch taxiert und damit möcht ich sagen , dass in gewissen Kreisen der "eigene Prophet nichts gilt".Die Verwechslung Locarno -Lugano ist natürlich peinlich.

Ich glaube diese Seite ist das falsche Forum, um darüber zu diskutieren, wie zB. der Animismus die monotheistischen Religionen von ihm beeinflusst werden und in ironisierenderweise was ein Autorenfilm ist.

Darum bitte ich Euch die Seite zu entfernen, macht weiter so, seit aber ein bischen mutiger und offen für Spezielles.
zuriow

zuriow's Wertung: 6.0 Sterne

solche themen können, dürfen und werden hier besprochen. allerdings ist es dabei förderlich, wenn man nicht in einem rundumschlag ein standard-beitrag schreibt, der letzten endes gar nicht auf das vorhandene zutrifft. sonst läuft man in die gefahr, dass die diskussion im ansatz bereits erstickt, wenn sein eigener beitrag rigoros zerpflückt wird. ;)

"fremds land" haben wir verpasst, darum findet man diesen bei uns nicht. mitunter ein grund dafür ist wohl, dass die autorenfilme beim schweizer publikum nicht besonders gut ankommen - die grosse masse interessiert sich (vorsichtig ausgedrückt) nicht im geringsten dafür. ergo laufen solche filme auch nur in ausgewählten kinos falls überhaupt, und dann nicht besonders lang.

th's Wertung: Noch nicht bewertet

Ich finde solche Diskussionen, sofern sie immer innerhalb unserer Forumregeln bleiben, sehr anregend und machen mich nur noch neugieriger auf Luke Gassers Werk Anuk. Als Innerschweizerin (NW) sowieso. Deshalb find' ich's echt gut und hilfreich, jemandes Ansicht zu lesen, der den Film zu 100% unterstützt. Wäre schade, wenn du deinen Forumbeitrag (zuriow) nach wie vor entfernt haben möchtest...

nd's Wertung: Noch nicht bewertet

Da der "Redaktor" mit einigen meiner Ausführungen seine Liebe Mühe hatte und vielleicht in der Zwischenzeit den Film gesehen hat, habe ich versucht meine Version der Antwort an ein paar wenige Zeitungs-Kritiker ein bisschen zu ergänzen:

-Zum Thema "Jungsteinzeit interessiert Niemanden"

-Zum Formalen "hölzerne Dialoge, Laienschauspieler, Bubentäume usw.)
- Zu Kritiken allgemein, ein wenig polemisch.

Zum Thema:

Ich glaube, dass Luke mit seinem "jungsteinzeitlichen Western" (oder Epos, Saga) sowohl im Spirituellen, wie auch in der täglichen Lebensbewältigung Bereiche anschneidet, in denen die Wurzeln für unser menschliches (in seinem Film vor allem männlichen) Verhaltens liegt.
Denn gerade zu dieser Zeit, beim Übergang vom Jäger zum sesshaften Menschen wurde unsere "Hardware" angelegt. Alles Nachfolgende auch die vom Fernsehen angesprochene Aufklärung (das Fernsehen unterstützt keine Produktionen vor der Aufklärung: Dies war der Ablehnungsgrund für das Finanzierungsgesuch) war nur noch "Software". Ob jetzt ein Mann zur Jagd geht, als Wettkampf um die Dorfherrschaft und die Tochter des Clanführers, oder ein Manager auf dem Golfplatz sein Handicap versucht zu verbessern, um die Karriereleiter empor zu steigen ist "Hans wie Heiri". In der Hardware, die während über 100000 Jahre bis zur Jungsteinzeit angelegt wurde, sind solche "Programme" gespeichert.
Wenn man z.B. Konflikte, die heute monotheistische Religionen haben, verstehen möchte, sollte man die animistische Sichtweise und ihre Ahnenverehrung der Jungsteinzeit erahnen können. Vor allem Heute mit all dem Esoterik - Mischmasch ist ein kritischer Blick zurück zu den Wurzeln unserer Spiritualität und somit auch zu unseren Religionen wohltuend und klärend. Zum Beispiel: Ein Kreuzzeichen, das der Vater im Anblick des Todes bei seinem Vermächtnis seinem Kind auf den Weg gibt, ist im Film Anuk der Pfeilschuss, den der Sohn auf seinem Weg des Kriegers begleiten und retten wird. Oder ein anderes Beispiel: Die Szene mit dem Mitttagsgeist der Anuk mit einem Amulett Sieg und Befreiung verspricht, stellt sich einem Sportler doch auch, ob er Doping nehmen will, oder "den Weg des Kriegers" geht. Sie merken an diesen paar Beispielen, dass dieser Film, von vielen Kritikern nicht erkannt, den Zuschauer eigentlich zu bedeutenden aktuellen Fragestellungen führen könnte. Sogar PRO HELVETIA startet momentan ein Projekt Namens "Echos" zum Themenkreis "Volkskultur und ihr Nachhall" in unserer ach so aufgeklärten Zeit. Das zum Thema: "Jungsteinzeit interessiert Niemanden."

Zum Formalen:

Luke Gasser macht den hoch gelobten "Autorenfilm": Er macht nämlich fast Alles selber. Er ist der Autor, man könnte ironischerweise sagen er ist der Autorenfilmemacher. Dabei wird er von einer "halben Talschaft" von Jung bis Alt, quer durch alle Parteien und Schichten unterstützt. Er schafft so nebenbei auch Identität in einer auseinander brechenden Gesellschaft.
Luke und sein Team machen das in einer Radikalität, die letzmals in der Punkzeit bei gewissen Projekten aufblitzte. In der Zeit als die Züri-Punks, Schlatti, Patrick, Enzo, Stefan, Claudia usw. mit Martin Hess in Wolfenschiessen (NW) ihre legendären Konzerte abhielten und ein Theaterprojekt "Der Hundeschwindel von Moskau" (1983 )auf ähnliche Weise in Stans realisierten. Aus dieser Zeit stammt auch die Verbindung zu Stefan Eicher. Dieser heute viel besungene Groove von Damals lebt in anderer Art und Weise in Luke Gassers Film Projekten. All dies geschieht ohne Unterstützung vom Schweizer-Farbfernsehen und den offiziellen Bundesstellen.

Bei all seinen Filmen hat Luke mit Musikern zusammengearbeitet. Bei "Baschis Vergeltung" mit Linard Bardill , in "Fremds Land" mit Florian Ast und im Anuk mit Katja Winter, Doro Pesch. Marc Storage und Stefan Eicher. Luke ist Musiker, Künstler und gelernter Bildhauer. All dies führte zu seinem eigenen Filmstil, der all diese Elemente verbindet: Der Soundmovie, geschnitten nach der Musik, fast im Stil eines 90- minütigen Videoclips. Dieser Soundmovie bedient sich der Erzählweise einer Sage oder eines Epos, verpackt in die Action-Form eines Jungsteinzeitlichen Westerns oder eines "Mad Max" Filmes. Die Dialoge unterstützen nur den Handlungsstrang und sind nicht in Hollywoodmanier überspielt, oder drücken auf die Tränendrüsen. Durch die Laiendarsteller erhalten sie den Charakter wie in einem Dok-Film. Diese Art wird der Form der Sage, oder des Epos gerecht, in denen oft die Handlung mit ein paar Sätzen erzählt werden kann.
Der Zuschauer kann also Anuk als einfachen "jungsteinzeitlichen Western", als bildgewaltigen Musikfilm geniessen, oder aber er kann sich auch anregen lassen, sich in dieser vom Animismus geformten Geisterwelt Fragen zu den Wurzeln der Spiritualität und der daraus entstehenden monotheistischen Religionen stellen.
Zum Polemischen:
Wollen oder können die Kritiker die Verbindung der oben erwähnten drei Elemente nicht erkennen? Pflücken sie nur eines heraus, zum Beispiel den "Action Spielfilmteil" und betrachten ihn isoliert im Vergleich zu Hollywood Produktionen, dann vergleichen sie Äpfel mit Birnen und werden dieser neuen Form des Soundmovie nicht gerecht. Nebenbei gesagt, der Film hatte ein Budget von zirka 400000.-, etwa halb so viel wie ein "Tatort", dass dabei Fehler z.B. bei der Synchronistion, oder gewisse Szenen nicht mehr nachgedreht werden konnten, versteht sich.

Stellen sie sich vor Luke Gasser wäre kein Obwaldner sondern ein Schwarzafrikaner namens Lulu Gassoto aus Mali. Er würde uns in dieser Form des Soundmovieeine unter den gleichen Bedingungen produzierte,archetypische Saga aus seinem Dorf am Filmfestival in Locarno vorführen, die Kritiker wären begeistert und der Leopard sprintet nach Afrika.
Buben- aber auch Meitliträume sollte man in seinem Leben verwirklichen und nicht als abwertendes, Nichts aussagendes, klischeehaftes Kriterium in einem Filmbericht verwenden. Fundierte Kritik ist super.

Übrigens der neue Bond ist Bubentraum pur.


zuriow's Wertung: 6.0 Sterne

Zuriow, ich glaube, die von SF haben deine Post gelesen... ;)

Zitat Kleinreport

Nach «Gotthelf-TV» jetzt die Pfahlbauer-Soap

Die Redaktion «Schweiz aktuell» des deutschsprachigen Schweizer Fernsehens (SF) will im nächsten Sommer nach dem Vorbild von «Gotthelf-TV» das Leben von Pfahlbauern in der Steinzeit dokumentieren. Das Projekt stütze sich auf die neusten Erkenntnisse der Pfahlbauer-Forschung in der Schweiz und orientiere sich an der Epoche der «Pfyner»-Kultur (3700 vor Christus), teilte SF mit. Acht bis zehn Personen sollen während gut drei Wochen in einer kleinen Pfahlbausiedlung im Kanton Thurgau leben und arbeiten. Das Geschehen in und um die Siedlung werde in tagesaktuellen Beiträgen dokumentiert und durch Wissenschafter, Experten und Forscher kommentiert und begleitet.

rm's Wertung: Noch nicht bewertet

Zitat Weltwoche Ausgabe 48/06

Die Kommissarinnen
Von Philipp Gut

Luke Gassers «Anuk» fand bei den Redaktorinnen des Schweizer Fernsehens keine Gnade. Der Film sei zu «männlich». Regisseurinnen sind befremdet über die inhaltliche Einmischung.

» weltwoche.ch

[Editiert von ronin am 2006-12-04 20:14:14]

ronin's Wertung: Noch nicht bewertet

Gibts da schon ne DVD oder ist zumindest etwas geplant?

Chemic's Wertung: Noch nicht bewertet

kommt sicher, ja. die frage ist wohl eher... wann ;)

th's Wertung: Noch nicht bewertet


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