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Beitrag Deutschland. Ein Sommermärchen

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Deutschland. Ein Sommermärchen oder: Im Bett mit Ballack


Sönke Wortmanns Film kann man sich leider nur in Deutschland auf Grossleinwand ansehen. Zusammen mit dem dazu passenden Publikum, das seine weissen Shirts mit den drei Streifen und die schwarz-rot-gelben Lei noch mal hervorgekramt hat, um auf die "Scheiss-Itaker" zu fluchen. Dass nicht alle davon besonders gemerkige Experten sind, zeigte die Tussi rechts von mir in Konstanz, welche erst dank Ballacks dialektaler Färbung im Film herausfand, dass der deutsche Kapitän aus Chemnitz stammt und folglich ein "Ossi" ist.

Doch auch wer die Fussball-WM generell und die deutsche Nati im speziellen genauer verfolgte, kann noch Neues erfahren im Film. Spannend sind die Einsichten ins bisher von der Öffentlichkeit völlig abgeschirmte Berliner Mannschaftshotel mit den loungemässigen Flätzzonen und den riesigen Sonnenschirmen im Garten, die gleichzeitig Schutz vor der Sonne und den Paparazzi boten. Kurz geht Wortmann auch auf die Gegnerbeobachtung à la Urs Siegenthaler ein. Der Schweizer Scout machte sich bei den Gegnern des deutschen Teams immer auch Gedanken zum kulturellen Hintergrund des Landes. Skurril das organisatorische Geplänkel der FIFA-Funktionäre vor dem Spiel, bei dem unter den Augen von Dutzender Vertreter beider Mannschaften, die Spielerkleidung hochgehalten werden musste, damit die Tenufarbe auch ordentlich kontrolliert werden konnte.

Man merkt's. Wortmann hatte völlige Narrenfreiheit und Zugang zu jedem und allen. Da Deutschland - Ein Sommermärchen als offizieller FIFA-Film gilt, auch auf Originalmaterial aus den Spielen, das er aber nur ausschnittweise benutzt und mit dröger Technomusik unterlegt. Trotzdem vergisst er keines der Turniertore für und gegen die DFB-Auswahl. Eindrücklicher sind da die Szenen aus den Katakomben. Kabinen-Klinsis markige Sprüche zeigen, dass trotz allem Teamzusammenhalt das Schlecht-Machen des Gegners auch zur Motivationstaktik gehörte. Dabei ist die Wortwahl des Schwaben auch nicht politisch korrekter als die der Zuschauer im Konstanzer Cinestar.

So wurde es ein schöner Film für Hobby- und Hardcore-Fans, wobei letztere im Vorteil sind, weil alle Protagonisten nie durch Einblendungen beim Namen genannt werden. Wortmann scheint anzunehmen, dass sein Publikum sogar den hinterletzten Ersatzspieler erkennen kann. Doch die Anekdoten sind oft witzig. (Miroslav Klose mit der englischen Friseuse...) Die Mädels kriegen knackige Jungs halbnackt auf der Massagebank zu sehen. Gefeiert wird auch nicht zuwenig. Nur wenn sich Wortmann auch als Sportreporter versucht, und die Spieler auf den Hotelbetten interviewt, kommt wenig erhellendes dabei raus. Entweder giggeln die Jungkicker, oder die beiden Torhüter betonen nochmals, das sie sich nicht riechen können. Das hat man während der WM schon genug gehört.

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rm's Wertung: 5 Sterne

Eins vorneweg, ich komme aus Deutschland, wohne aber seit ein paar Jahren in der Schweiz.

Für jeden Fussballfan ist der Film meiner Meinung nach sehr interessant, einfach deshalb weil man das Turnier durch die Augen der Spieler sieht. Diese Perspektive ist einem als Fan ja in der Regel verwehrt. Natürlich handelt es sich um um die Augen der deutschen Nati, aber es ist ja auch ein deutscher Film und die WM war ja schliesslich in Deutschland. Der Herr Wortmann hatte dann natürlich das Glück, dass der Turnierverlauf für ihn aus dem Blickwnkel der deutschen Mannschaft alles geboten hat, was einen guten Film ausmacht. Schöne Spannungskurve, grosse Erfolge (Schweden), en bisschen Glück (Argentinien), eine grosse Katastrophe (Italien) und zum Schluss ein "Quasi-Happy End" (3. Platz).

Man sollte nicht den Fehler machen und einen allgemeinen WM-Film erwarten. Die einzigen "Nicht-Deutschen" die im Film vorkommen, sind die Gegener auf dem Platz. Kein Zidane-Kopfstoss oder Elfmeter-Debakel ;). Einzig und allein die Deutsche Mannschaft wird porträtiert. Wer den Film anschaut, sollte am besten nichts gegen die Deutsche Fahne haben, denn sie ist quasi in jeder Einstellung zu sehen.

Mir hat der Film aus zwei Gründen Spass gemacht:

1. Weil man eben die Welt der Spieler und Trainer mal mitbekommt und sieht wie sie das ganze Spektakel erleben, während unsereins normalerweise nur vor dem Bildschirm sitzt oder auf der Tribüne steht.

2. Es kam wieder so ein bisschen WM-Stimmung auf. Und es war einfach ein richtig geiler Monat. Und nicht nur wegen der "Erfolge" der Deutschen. Es hat einfach fast alles gepasst. Und der Film bringt diee Emotionen vom Sommer noch mal zurück. Das das für manche hier nicht unbedingt nachvollziehbar ist, kann ich auch verstehen.


Aber ich wünsche den Schweizern wirklich, dass bei der EM in zwei Jahren eine ähnliche Stimmung aufkommt wie im Juni in Deutschland. Oder sogar besser. Hat ja schliesslich vor der WM auch keiner damit gerechnet, das die Deutschen ein nettes Völkchen sein können ;).


Noch kurz was nervt am Film:

Grönemeyers WM-Song kommt nur ein mal ganz kurz vor. Und die Szene ist einfach herrlich. Aber verraten will ich nix, dass wäre gemein. Was viel mehr nervt ist dieser fiese Xavier Naidoo. Es mag ja Leute geben, die den Kerl mögen, aber ich gehöre nicht dazu. Und leider wird er recht häufig im Film verwendet. Und immer wenn das passiert ist war für mich leider die Stimmung im Arsch und mein Trommelfell hat sich auf lins gedreht.

sknepp's Wertung: 5.0 Sterne

Zitat sknepp (2006-10-27 15:18:14)

Eins vorneweg, ich komme aus Deutschland, wohne aber seit ein paar Jahren in der Schweiz.

Nobody's perfect...;)

Der Film soll ja vor Ende Jahr im TV (ARD) laufen. Ich freu ich recht auf das Teil. Unerklärlich, warum der nirgends in der Schweiz zu sehen ist. Bei uns gibts A) auch viele Deutsche und B) so als Beispiel für Motivation eines Volkes würd der Film sicher auch durchgehen.

muri's Wertung: 5.0 Sterne

Am. 6. Dez. im Ersten! Ab Februar auf DVD. Mit 100 Min Zusatzmaterial!

rm's Wertung: 5.0 Sterne


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