Forum Movies - Reviews: Kino

Beitrag Shortbus

» Zum letzten Beitrag springen

Shortbus oder: Next Stop: The Big O.


Shortbus geht gleich von Beginn weg richtig zur Sache. Die ersten paar Minuten sind die freizügigsten Aufnahmen und die teils eigenwilligen Befriedigungstechniken noch etwas ungewohnt, und danach zieht es einen voll rein. Die Story ist intelligent aufgebaut, die Figuren zum Brüllen komisch und endlich bekommt man einen Film ohne wenn und aber vorgeführt.

Sicher, man muss sich darauf einlassen wollen. Die homosexuellen Eigenarten sind manchmal sehr überspitzt und auch ironisch dargestellt. Aber genau diese Feinheiten machen den einzigartigen Humor und den emotionalen Anspruch in Shortbus aus. In gewisser Hinsicht sind auch Parallelen zur Flower-Power-Bewegung erkennbar, Shortbus ist dennoch zeitgemäss (vielleicht sogar der Zeit voraus) und lässt auch melancholische Zwischentöne zu.

Drehbuchautor John Cameron Mitchell, gewann bereits mit Hedwig and the Angry Inch den Regie- und Publikumspreis am Sundance Film Festival. Am Zürich Film Festival 2006 gewinnt er das goldene Auge für den besten Nachwuchsspielfilm.

Was aber das Ganze mit Bush und 9/11 zu tun hat, muss mir erst jemand erklären...

» Die komplette Filmkritik lesen

dom's Wertung: 5.5 Sterne

Regisseur John Cameron Mitchell schreibt im Time Out über seine Erfahrungen vor und beim Filmen. (Lesenswert)

rm's Wertung: 6.0 Sterne

Unglaublich, dieser Film ist ein in Puderzucker getauchter Molotowcocktail!
Die Bilder sind Ästhetik in Reinkultur, süss, verspielt umrahmt von einer kindlichen Bilderbuchstadt voll von verharmosender Naivität.
Aber unter dieser Fassade verstecken sich Abgründe die Mark und Bein erschüttern. Schicksale die sich nicht durch schlichtes Handauflegen korrigieren lassen...die Sexualität als Spiegel der persönlichen Wahrnehmung und des eigenen Individuums.

Der Film will nicht provozieren sondern ermutigen. Denn trotz seiner ernsten Thematik schafft er eine solch wunderschöne versöhnliche Stimmung, dass man nur an das Gute glauben will. Wer am Ende von diesem Film nicht mit offenem Herzen und Kribbeln im Bauch da sitzt hat sowie den Film als auch seine Funktion nicht verstanden.

Die Mittel sind legitim, statt Gewalt spielt der Film mit der Sexualität. Explizit, detailliert und direkt. Man denke an Larry Clark oder Bertolucci und man kann sich vorstellen was einen erwartet.
Wer nach wie vor der Meinung ist, dass solche Filme (konservative Kreise sprechen "Porno" :nono: ) nichts in einem anständigen Kino verloren hätten, dem sei folgendes nochmals gesagt

... wenn Filme wie Hostel oder Saw ihre (massentaugliche) Rechtfertigung verdienen, warum denn nicht auch ein Film wie Shortbus? Gewalt ist gesellschaftlich akzeptiert und Sexualität nicht?
Ist doch irgendwie erschreckend dass die Gewalt-Sensibilisierung (oder soll man es Abstumpfung nennen??) mittlerweile selbstverständlich wurde, aber der Umgang mit der Sexualität immer noch so stiefmütterlich behandelt wird (als ob jemand Gewalt dem Sex vorziehen würde ;) )
Im Film eine urbane Subkultur dargestellt, mit all ihren emotionalen Höhen und Tiefen (im Zusammenhang mit 9/11) die sich mit Hilfe ihrer Sexualität und vor allem ihrer Liebe zu helfen versuchen. Somit ist die (wenn auch explizite und sehr freizügige) Sexualität gerechtfertigt.

Darüberhinaus beinhaltet dieser Film für mich den besten und noch viel wichtiger wirksamsten Songsoundtrack seit langem! Der Film spricht den Zuschauer gleichermassen durch seine Bilder als auch durch seine 100% treffenden Liedtexte und Intrumentalcues an.

Ein Film der berührt und ermutigt. Hätte ich diesen Film letztes Jahr gesehen dann wäre er mit Sicherheit noch vor Everything Is Illumnated, Little Miss Sunshine und Worlds Fastest Indian meine persönliche alternative Filmperle 06 geworden.
So wird der Film (eben aufgrund der praktisch nicht vorhanden gewesenen Kinoauswertung) mein bisheriger Favorit 07!
Besser kann man sich nach einem Film nicht fühlen!

9/10 beneidenswerte Shortbuses

Zusatz:
Die stimmigen, wunderschönen und vor allem funktionalen CGI Zwischensequenzshots von New York müssen noch besonders erwähnt werden. Besser kann man einen Film nicht umrahmen.

goodspeed's Wertung: 5.0 Sterne

ich sag's ganz ehrlich. ich hatte am anfang meine mühe mit dem vielen expliziten sexszenen. es machte sich unwohlsein bei mir breit und den drang, den film abzustellen. doch die neugier war grösser und schliesslich wurde in den medien soviel gutes darüber berichtet, dass mehr dahinter sein musste als erigierte penise, kopulierende paare und abspritzen vor laufender kamera.

letzten endes war aber die enttäuschung schon da. ich hab wirklich mehr erwartet. die einzige figur, die mir "real" vorkam war severine (domina). die anderen charaktere waren mir etwas nebülos und unglaubhaft. vorallem die paartherapeutin (mit ihrem stecher) an erster stelle. der nahm ich ihre berufung nicht ein einziges mal ab. und der vorfall im sprudelbad mit dem ertrunkenen? da stellt man sogar jemanden an auf wachposten und der rafft es nicht, dass da jemand am grund liegt? naja... ich weiss, es sind details, aber manchmal können details die ganze balance zerstören.

der film kennt kein tabu. ist auch grundlegend nicht schlecht, doch auf dauer doch ermüdend. vielleicht liegt es auch daran, dass ich keine figur richtig sympathisch fand ausser der domina. die anderen figuren haben mich meist genervt.

aber mit einem bin ich mit den andern einig. die computeraufnahmen von der stadt waren wirklich toll gemacht...

lafrecciablu's Wertung: 3.0 Sterne

Für mich ist der Film auch nur Durchschnittlich. Die Geschichte war nicht wirklich spannend. Die Sexszenen aber sehr speziell und ungewohnt für einen "normalen" Film. Mir als Hetero hätte die Eröffnungssequenz aber gereicht, die Szene mit dem Dreier hätte nicht unbedingt sein müssen -> vor allem weil man von den Herren jede Stelle explizit gesehen hat während man bei den Frauen eigentlich nur die die Brüste gezeigt hat...

sj's Wertung: 3.0 Sterne


Beiträge suchen

Aktive Beiträge