Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Inland Empire
Inland Empire oder: "That's sweet!" Die sechs Jahre, die seit Mulholland Drive vergangen sind, reichten bei weitem nicht aus, um Ordnung in das erzählerische "Gnuusch", das David Lynch mit dem Film in unseren Köpfen verursacht hat, zu entwirren. Mit seinem neuen Angriff auf unsere Hirne, INLAND EMPIRE, könnte es noch ein bisschen länger dauern, bis man auch nur ansatzweise durchblickt. Der Regisseur selber ist mal wieder keine Hilfe. Seine im Katalog des Filmfestivals in Venedig gedruckte Synopsis lautet schlicht: Die Geschichte eines Mysteriums... Ein Mysterium aus einer Zwischenwelt... Um eine Frau... Eine Frau, verliebt und verloren. Das muss reichen. Und wie es scheint, wussten auch die Schauspielerinnen und Schauspieler meist nicht viel mehr. Laura Dern freute sich an der Pressekonferenz am Lido besonders, den Film endlich als Ganzes zu sehen. Drausgekommen ist sie, die bei den Dreharbeiten immer dabei war, auch nicht. Wer jetzt meint, die Synopsis im oberen Teil dieser Website, sei doch einigermassen stringent, der hat schon recht. Ihm sei aber gesagt, dass es sich dabei nur um die ersten zwanzig Minuten eines Filmes handelt, der volle drei Stunden eine Frage nach der anderen aufwirft. Bis zu diesem Zeitpunkt kommt man immer noch mit. Trotz einer in Tränen aufgelösten Frau, die ständig zwischen die Geschichte der angehenden Schauspielerin geschnitten wird. Diese schaut sich eine Sitcom mit härzigen Häschen an (eins davon mit der Stimme von Naomi Watts), bei der immer an der falschen Stelle gelacht wird. Danach beginnen sich die Mysterien zu türmen, von denen die Frage, was Julia Ormond eigentlich so gemacht hat seit Smilla's Sense of Snow, die am einfachsten zu beantwortende Frage ist. Heerscharen von Lynch-Fans werden über den scheissende Affen, Schraubenzieher, die Zahl 47, baltische Clowns und Nutten, die sich gegenseitig die Brüste zeigen, wenn sie nicht gerade zu "Locomotion" von Little Sue tanzen, sinieren können. Neu ist dabei, dass Lynch ab sofort mit der Digitalkamera filmt, was sich für die Bildqualität nicht immer als vorteilhaft erweist, und dass er eine Leidenschaft für Polen entwickelt hat. Eine ganze Menge Szenen sind in polnischer Sprache gedreht, was das Werweisen der Fans noch mehr anheizen wird. Ansonsten bleibt sich der Regisseur treu. Der als Film im Film konzipierte Grusler INLAND EMPIRE vereinigt vielen Darsteller aus dem früheren Lynch-Oeuvre. Jeremy Irons ist das einzige neue Gesicht. Wieder spielen dieselben Darsteller gleich mehrere Rollen (Laura Derns füllt mindestens 2 ½ Charaktere). Und der Schurke Brick erinnert stark an "Bob" aus Twin Peaks. Anhängern von David Lynch mit grossem Zeitbudget werden sich auf dieses Werk stürzen. Allen anderen werden die 179 Minuten INLAND EMPIRE gleich in mehrfacher Hinsicht alptraumhaft vorkommen. |
Lynch ist ein Phänomen. Da checkt man drei Stunden lang überhaupt nix und hat danach trotzdem das Gefühl, einen geilen Film gesehen zu haben. So ging's mir jedenfals. Problem bei diesem Film: Während frühere Filme Lynchs wie Mullholland Drive oder Lost Highway "normale" Filmlänge aufweisen, ist Inland Empire satte drei Stunden lang. Drei Stunden Mind fuck sozusagen. Das kann schon recht ermüdend sein. Vor allem, wenn der Kinosessel nicht der bequemste ist und/oder man in der Nacht zuvor nicht übermässig viel geschlafen hat. Gemäss Lynch gab es übrigens kein eigentliches Drehbuch, sondern die Handlung wurde immer spontan am Set besprochen. Dementsprechend bleibt auch jegliche Logik auf der Strecke. Der Schlüssel zum Verständnis des Films (nicht, dass ich mir anmassen wollte, zu behaupten, ich hätte ihn verstanden... aber ich versuch zumindest, einige Ansätze zu bieten) liegt am ehesten darin, dass man während des Schauens gar nicht erst versucht, die Handlung zu verstehen, sondern die einzelnen Szenen als solches auf sich einwirken zu lassen. Das macht nämlich durchaus Spass. Manchmal wirds zudem ganz anständig gruselig. Und Musik/Soundeffekte sind spitze und sehr effektiv eingesetzt. Auch "Locomotion"... |
das wird sicher wieder ein vergnügen |
Slant gibt vier von vier Sternen!
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Lynch am New York Film Festival, warum er nie mehr mit traditionellem Film arbeiten will: ""film gets dirty and breaks and scratches and the equipment is heavy... it's like swimming through cold molasses." |
Der Trailer! Und ein paar Ausschnitte. |
47? Die Star Trek Zahl. |
Harry Dean Stanton ist der wahre Keith Richards. Das musste mal gesagt sein. |
Und kriegt man den Streifen auch voanderst ausser in Genf zu sehen oder "just wait till DVD"? |
Läuft diese Woche in Zürich und Bern an. |
Ich will mich hier nicht unbedingt unbeliebt machen, aber für mich ist Lynch bis auf wenige Ausnahmen ein grosser Blender. Zwar hat er filmtechnisch einiges auf dem Kasten, aber was zum Teufel hat es für einen Sinn sich einen Film anzusehen wo man danach sowieso nichts kapiert? Sehr sinnvoll ja wirklich....... Dabei liegt es jeweils nur an der "Story" wenn man das so bezeichnen kann. Ich liebe Straight Story oder Twin Peaks zB. Aber bereits bei TP ist einiges Arg an der Grenze. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit 08/15 Sprüchen wie "Tja das ist halt Anspruchsvolles Kino und kein Hollywood-Mist. Selber Schuld wenn du halt scheinbar nicht gemacht bist dafür.". Mit anspruchsvollem Kino hat das nichts zu tun. Man kann alles auch übertreiben. Grüsse Grüsse |
Nun erstmal ist Lynch heutzutage ein ganz radikaler Zeitgenoose der einfach nichts mit 08/15-Hollywood anfangen kann bzw. sich davon distanziert. Genau wie Kollege Peter Greenaway geht Lynch völlig andere Wege eine Geschichte zu erzählen. Dabei geht es aber eher um den "Kosmos" in dem sich die Geschichten abspielen. Sieht aus wie die reale Welt, aber mit wenigen Änderungen kommt uns die diese gezeigte Welt völlig fremd vor. Das ist schlichtweg genial! Kaum ein Regiesseur spielt dermassen mit unseren Sinnen.
Ja da stellt sich mir die Frage, muss mann wirklich immer alles kapieren? Sind wir heute schon dermassen auf Resultate aus, das wir uns kaum mehr 2-3 Stunden einem "Trip" hingeben können? Zumal es kaum was schöneres gibt als über mögliche Lösungen von Lynch's Filme zu diskutieren! |
"Inland Empire" ist genial.
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