Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Eden
Eden oder: Die Liebe isst mit Dass die Liebe durch den Magen geht, ist mittlerweilen ja bestens bekannt, dank diverser Filme aus dem Genre des "Food Film", deren bekannteste Vertreter wie Como agua para chocolate oder Eat Drink Man Woman grosse Publikumserfolge waren. Die These, dass sich kulinarische Genüsse positiv auf das Liebesleben auswirken, ist auch die Quintessenz dieses Filmes. Dem Zuschauer wird dabei gehörig der Mund wässrig gemacht: Wer dem Meisterkoch bei seiner Arbeit zuschaut, verspürt unweigerlich das Bedürfnis, wieder mal in einem richtig guten Restaurant essen zu gehen. Tatsächlich wurde für Eden extra ein "Food Designer" aufgeboten, dessen Aufgabe darin bestand, die im Film präsentierten Gerichte gluschtig aufzubereiten. Der Sternekoch Frank Oehler erledigt dies mit Bravour. Gleichzeitig darf den Produzenten ein geschicktes Marketing attestiert werden, erscheint doch zeitgleich mit dem Film auch Oehlers Rezeptbuch, in welchem die dort gezeigten Gerichte zum Nachkochen präsentiert werden. Dass die wunderbaren Gerichte nicht den beiden menschlichen Hauptdarstellern die Show stehlen, ist deren starken Leinwandpräsenz zu verdanken: Josef Ostendorf, regelmässigen Theatergängern bekannt als ehemaliges Ensemblemitglied des Zürcher Schauspielhauses, ist nicht nur aufgrund seiner Leibesfülle eine Wucht. Er spielt Gregor Barbier gekonnt als schüchternen, unsicheren Mann, welcher sein Leben dem Kochen widmet und alle anderweitigen Leidenschaften vernachlässigt. Auch die inoffizielle "Queen of German Pop Television" Charlotte Roche, ehemalige VIVA-, Pro 7- und jetztige Arte-Moderatorin, vermag in ihrer ersten Kinorolle zu überzeugen: Auf angenehm zurückhaltende Art und Weise verkörpert sie die zuerst gestresste und unzufriedene Kellnerin, welche durch Gregors Gerichte zur persönlichen Glücksseligkeit findet. Es ist auch für den Zuschauer eine Wohltat, ihr nach dem Essen vor Wonne strahlendes Gesicht zu betrachten. Devid Striesow in der Rolle von Xaver bemüht sich, seine Figur differenziert darzustellen und nicht zum Bösewicht abzustempeln. Leider sieht das Drehbuch letztendlich aber genau dies vor: Die Geschichte driftet gegen Ende des Films stark ins Melodramatische ab, während sich gleichzeitig das Erzähltempo rasant steigert. Das ist schade, denn die zuvor so behutsam inszenierte zaghafte Romanze zwischen Gregor und Eden droht so im Strudel der sich überstürzenden Ereignisse unterzugehen. Sei's drum. Kinoängern, welche kulinarischen Genüssen nicht abgeneigt sind, sei der Film wärmstens empfohlen. Idealerweise sehen sie ihn sich zusammen mit dem Partner oder der Partnerin an. Und buchen für danach am besten gleich einen Znacht im Lieblingsrestaurant. Oder - noch besser - kochen die Gerichte zuhause nach. Danach sollte einer aufregenden Liebesnacht eigentlich nichts im Wege stehen. Än Guete! |
Die OutNow.CH-Interviews mit Regisseur Hofmann und Charlotte Roche. |

