Forum Movies - Reviews: Kino

Beitrag Lights in the Dusk - Laitakaupungin valot

» Zum letzten Beitrag springen

Lights in the Dusk - Laitakaupungin valot oder: Wenn einer ziemlich dämlich ist


Die Geschichte an und für sich ist nicht schlecht, tönt sogar sehr originell. Allerdings frage ich mich, ob ein normaler Mensch tatsächlich so dämlich und blauäugig sein könnte, um alles was im Film geschieht mit sich machen zu lassen. SPOILER: Denn nachdem Koistinen als Mitthelfer des Raubüberfalls überführt und eingelocht wird, macht er keinen einzigen Mucks. Er wehrt sich nicht, er versucht nichts zu erklären, er ist einfach nur passiv und doof. Sogar als er merkt dass die schöne Mirja ihm Teile der Beute unters Kopfkissen schiebt, damit die Polizei Beweise findet, reagiert er nicht und lässt die Sachen schön dort wo sie sind. Auch als er dann aus dem Knast wieder rauskommt und sich eine halbwegs akzeptable Existenz aufgebaut hat, und diese vom Gangsterboss erneut zerstört wird, versucht er überhaupt nichts zu erklären *EinsaufdenKopfhauenwill*. SPOILER ENDE

Schön illustriert ist im Film allerdings die Kälte und Brutalität dieser Welt und man bekommt richtige Gänsehaut wenn man sich vorstellt, man würde selbst so völlig verachtet werden. Wunderschön ist dann auch die Feststellung am Schluss, dass doch jeder auf der Welt jemanden hat, der den Wert der eigenen Person sieht und einen lieben kann. Bloss laufen wir manchmal mit so fest verschlossenen Augen durch die Gegend, dass wir es nicht zu erkennen vermögen.

» Die komplette Filmkritik lesen

kat's Wertung: 3 Sterne

Da muss ich doch gleich mal einhaken: Ist es wirklich relevant, ob "ein normaler Mensch tatsächlich so dämlich und blauäugig sein könnte?" Dass es Aki Kaurismäki kaum um möglichst realistische Szenarien und möglichst naturalistische Dialoge geht, kann man auch schon in zig früheren Filmen von ihm feststellen. Naiv ist Koistinens Reaktion auf den Hund und dessen Besitzer denn auch keineswegs. Vielmehr sind ihm seine Wertvorstellung und sein Arbeitsethos wichtiger als die eigenen Haut. Er wird ja bereits vom kleinen Jungen darauf hingewiesen, dass die Hundebesitzer ziemlich kräftig seien. In der für Kaurismäkis Protagonisten typischen Gleichgültigkeit, die mal ganz fatalistisch und dann wieder hoffnungsvoll wirkt, lässt sich also dieser Koistinen im System treiben.
Ich würde der Kritik von Onyx entgegensetzen, dass es gerade die Originalität ist, die fehlt, hat man doch sämtliche Facetten der verschiedenen Figuren und der Handlung bereits so oder ähnlich in älteren Kaurismäki-Filmen gesehen. Jedoch spielt Janne Hyytiäinen die Rolle des unterkühlten finnischen Arbeiters, der in einer Abwärtsspirale von seinem tiefen gesellschaftlichen Status immer noch tiefer fällt, fast ebenso gut wie einst Matti Pellonpää (und das will nun wirklich etwas heissen); und Kaurismäkis unglaubliche erzählerische Dichte und seine pointierten Dialogzeilen, die den Charakteren eine erstaunliche Tiefe geben, bedürfen glaube ich keiner weiteren Lobesreden. So gesehen ist Lights in the Dusk nicht der beste Kaurismäki aber eben immer noch ein wunderbarer Film, der - wie Onyx ja schon festgehalten hat - in einer an sich trostlosen Welt mit einer desillusionierten Arbeiterschicht doch noch ein Fünkchen Hoffnung lässt und seinen Protagonisten ein schier unendliches Durchhaltevermögen verleiht, dass alles aushält bis sich dann irgendwann, vielleicht, diese Hoffnung erfüllt.

Lommelun's Wertung: 5.0 Sterne

Nicht der allerbeste Kaurismäki-Film, aber immer noch viel besser als vieles...

lorelei's Wertung: 4.0 Sterne

Toller Film und ein hervorragender Abschluss von Kaurismäkis "Verlierer-Trilogie".
5.5

El Chupanebrey's Wertung: 5.0 Sterne


Beiträge suchen

Aktive Beiträge