Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Combien tu m'aimes?
Combien tu m'aimes? oder: How much, Schatzi? Gäbe es die Bezeichnung 'Altherrenfilm', so wäre die Komödie Combien tu m'aimes wohl ein Musterexemplar dieser Gattung. Die Entstehungsweise des Werks sagt eigentlich schon alles: Ein alter Mann vernarrte sich in Monica Bellucci und beschloss daraufhin, ihr ein Drehbuch auf den wohlgeformten Leib zu schreiben. Ein Drehbuch, in dem sie als eine in Privatbesitz übergegangene Prostituierte 90 Minuten lang vergöttert wird. Zum Glück war es allerdings nicht irgend ein beliebiger alter Mann, der auf diese Idee kam. Der Regisseur und Drehbuchautor Betrand Blier hat in den über 30 Jahren seiner Filmkarriere stets seine eigenen Brötchen gebacken - in den letzten Jahren allerdings eher erfolglos. Er, der als Provokateur ins Geschäft einstieg, bevor er seinen Stil verfeinerte und mit Buffet froid, Beau-père und Tenue de soirée gleich mehrere Meisterwerke in Folge schuf, begann konfuse, selbstreferenzielle Filme zu basteln, die weder provozierten noch belustigten, sondern meist nur die Kritiker verärgerten und das Publikum vergraulten. Seine einst so bissigen, unverwechselbaren Dialoge wurden zum Nerv tötenden Geplapper. Jetzt ist er also wieder zurück in Form, inspiriert von einem Frauenkörper. Wie immer bei ihm geigen sich starke Frauen und schwache Männer manchmal sanft und manchmal unsanft die Meinung, schlafen miteinander, essen und sterben. Gegessen und getrunken wird bei Blier mindestens einmal pro Film, gestorben meist unter ziemlich seltsamen Umständen. Und einmal mehr weiss man im Endeffekt nicht, ob Blier das weibliche Geschlecht nun gerne instrumentalisiert, erniedrigt, fürchtet oder anbetet. Tja, damit hatte es ja auch der grosse Fellini nicht leichter. Im Endeffekt ist Combien tu m'aimes vor allem ein selbstverliebtes und unzeitgemässes Kabinettstückchen - aber eines, das jederzeit Spass macht. Eine Schwachstelle darin ist allerdings der Hauptdarsteller Bernard Campan - einst Mitglied der Komikertruppe "Les inconnus" - mit seiner präzisen, aber recht farblosen Darstellung. Er schlüpft in eine Rolle, wie sie Blier früher an Schauspieler wie Patrick Dewaere und Michel Blanc vergab, ohne derweil über deren Sinn für Tragikomik zu verfügen. Wie man es anders machen kann, zeigt der offensichtlich gut gelaunte Gérard Depardieu: Der Hüne arbeitet seit über 30 Jahren mit Blier zusammen, und weiss, dass man dessen Sätze nicht introvertiert in den Bart zu brummeln braucht, sondern sie regelrecht auskosten sollte. Genüsslich lässt sich Gérard seinen Text auf der Zunge zergehen und bringt mit seinem Übermut fast die dramatische Dimension des Films zum erliegen. Und Bellucci? Nun sie leuchtet, macht sich öfters mal nackich, schmollt ihr bestes Sophia-Loren-Schmollen und kocht Teigwaren. Dafür wurde sie schliesslich bezahlt. |

