Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Die Herbstzeitlosen
Die Herbstzeitlosen oder: Aufruhr in Trub: Die Grosis sind los! Die Herbstzeitlosen vermittelt eine klare Botschaft: Nach der Pensionierung soll man nicht einfach auf den Tod warten, sondern auch mal etwas wagen und gewisse Risiken eingehen. Es ist von grosser Bedeutung, auch im Alter eine Aufgabe zu haben, gebraucht zu werden, etwas zu erreichen. Dies kann auf ganz verschiedene Arten passieren, es muss nicht immer gleich der grosse Jugendtraum sein. Der Film zeigt, dass auch schon ganz kleine praktische Dinge wie ein Internetkurs oder Fahrstunden etwas frischen Wind in das scheinbar schon beendete Leben bringen können. Der Film spielt in einem kleinen Stück Ur-Schweiz. Das klassische kleine Dorf, jeder kennt jeden, der Dorfpfarrer sorgt für Ordnung und Veränderungen jeglicher Art sind nicht willkommen. Die Volkspartei hat ebenfalls eine grosse Anhängerschaft im Dorf und plädiert für Tradition und Sitte. Kirche und Politik kontrollieren so das gesamte Dorf, allerdings in ständiger Angst diese Macht durch unkontrollierbare Veränderungen zu verlieren. Kommen diese Veränderungen dann auch noch von alten Leuten, die man eh lieber abschieben möchte, sind sie noch viel weniger akzeptierbar. Die Herbstzeitlosen ist ein sehr Schweizerischer Film, trotzdem sollte die Grundaussage auch ausserhalb der Landesgrenzen verstanden werden. Der Film ist sehr realitätsnah, wirkt dadurch allerdings auch etwas einfach, denn es gibt keine grossen Überraschungen in der Handlung. Andererseits stört dies nicht weiter, da der Film durch die Emotionen der Charaktere bestimmt wird. Diese wiederum werden durch die tadellosen schauspielerischen Leistungen der Hauptfiguren untermauert. Sie vermögen zu überzeugen und der Zuschauer (als Schweizer erst recht) weiss sich sofort in sie hinein zu versetzen. Alles in allem ein unterhaltender Film, mit einem Hauch Tragik und der gekonnten Behandlung der Altersproblematik. Auf jeden Fall eine Bereicherung für die Schweizer Filmlandschaft und einfach gut fürs Gemüt. |
Nichts gegen die im Film thematisierte Grundproblematik, das Thema ist durchaus von Bedeutung. Auch keine Einwände gegen die schauspielerischen Leistungen der Seniorinnen. Aaaaber: wenn ich einen kleinen Volks - Schwank eines Laientheaters sehen will, dann gehe ich dorthin, wo dieser Schwank gezeigt wird - nämlich ins Kirchgemeindehaus oder das Sääli des Bären oder Schäfli oder so.... Die Figuren im Film sind derart grotesk vereinfacht dargestellt, jede Person muss exakt EINEM Charakter genügen, keine Cliche-vorstellung wird ausgelassen, dass ich mich frage, wie eine junge Regisseurin überhaupt in der Lage sein kann, einen so holzgeschnitzten und holprigen Film machen zu können. Für mich war's ein grosses Aergernis - und der Film ist der Thematik in keiner Weise angemessen ! haza1 |
Hallo Haza1, jetzt mal unter uns Popcornbrätlern, ich finde deine Kritik wird weder dem Film noch der Regisseurin gerecht. Natürlich besitzt der Film nicht wirklich Tiefgang, aber darum geht es ja in diesem Genre auch nicht, es handelt sich schliesslich um eine Komödie und war sowieso als Fernseh-Spielfilm geplant und als solches funktioniert der Film super, was ja auch die Publikumsreaktion auf der Plaza gezeigt hat. Man kann generel dagegen sein, schweizer TV-Filme ins Kino zu bringen, anscheinend traut jedoch Buena Vista dem Film einen Publikumserfolg zu (ich übrigens auch) und dafür kann man Bettina Oberli keinen Vorwurf machen. Den Versuch einer modernen Gotthelfverfilmung sehe ich als gelungen und dazu gehört eben auch das holzgeschnitzte... Übrigens hat Oberli mit ihrem Vorgänger "Im Nordwind" bewiesen, dass sie sehr wohl auch Filme mit Tiefgang produzieren kann, nur verzeichnete der, trotz grossem Festivalerfolg, kaum Publikum im Kino. Ich stimme dir zu, dass "Die Herbstzeitlosen" der Thematik selber nicht in vollem Umfang gerecht wird, aber eben, so etwas DARF man von einer Komödie schlichtweg nicht verlangen, sonst ist es keine Komödie mehr. Ich hoffe du verstehst was ich meine und prophezeie dem Film einen Publikumserfolg wie Sternenberg. Hugh |
Hi Pingu, ich finde es schon etwas irritierend, wenn für einen im Kino gezeigten Film als entschuldigend die Tatsache erwähnt werden muss, dass der Film halt "nur" als Fernsehfilm geplant gewesen sei. Vielleicht als lustige Vorabend-soap - dann wäre es jedoch zweifellos hilfreich gewesen, das übliche Publikumsgelächter akustisch zu hinterlegen, um auf die komischen oder lustigen Stellen hinzuweisen. Ok, darüber, was wirklich witzig oder komisch ist brauchen wir uns nicht zu streiten, das ist eh für jeden von uns vom persönlichen Geschmack abhängig. Ich jedenfalls habe im Film jeglichen Witz vermisst, so sehr ich ihn auch gesucht habe. Ich habe einzig festgestellt, dass der Film wohl als Komödie geplant war. Wenn dazu sogar Du bestätigen musst, dass der Film dem Grundthema nicht vollumfänglich gerecht wurde - nun, dann bleibt meines Erachtens nicht mehr viel Lobenswertes übrig. Und wenn ich mir mal eine (für mich) witzige Fernsehserie genehmigen will, dann ziehe ich mir vielleicht mal einige Staffeln der Sopranos rein oder so ... Es kann aber durchaus sein, dass Du der Mehrheit des Kinopublikums aus dem Herzen sprichst und dass der Film ein grosser Kinoerfolg wird und sogar dann werde ich keine allzudicken Tränen der Gram vergiessen... Ciao |
Dass man sich über diesen Film richtig ärgern kann, ist mir unverständlich, aber über Geschmack lässt sich ja nicht streiten. Vielleicht muss man in diesem Fall ja auch nicht ganz so ernsthaft nach Humor suchen? Die Regisseurin kommt ihrem Dialekt nach aus dieser Gegend, deswegen erzählt sie diese Geschichte für mich ironisch-augenzwinkernd, und dies nicht zuletzt auch, weil sie selber eben jung ist. Ich habe auch nicht gebrüllt vor Lachen (im Gegensatz zu meinen Sitznachbarn auf der Piazza...), aber ich habe mich richtig amüsiert und war sehr berührt, wie offensichtlich ganz viele begeisterte Zuschauer in Locarno auch. Natürlich ist der Film nicht perfekt, aber die vier Damen sind ja einfach zum anbeissen, und ich habe mich ihrem hinreissenden Charme gerne ergeben. |
Hello loreley, schön, wenn Du mit diesem Film glücklich geworden bist. Klar sind die Geschmäcker verschieden und für mich sind halt vielleicht andere Dinge zum Anbeissen, die für Dich ungeniessbar sind Bye |
Neu im Netz: die Website zum Film inkl. Trailer und dem - mit Verlaub - schrecklichen Posterdesign. Das "die" in der URL nicht vergessen, sonst kommt man hier hin. |
Eine wundersame Geschichte, die berührt, ermutigt und Leben zeigt wie's halt etwa sein kann... und das Beste, wie es sein könnte, hatte man den MUT Dinge zu tun, die andere lassen oder kritisieren. |
Als ich erstmals die Kritik von haza1 las, dachte ich, da hat wieder einmal jemand einen Film unnötig in den Dreck gerissen. Nun, nachdem ich den Film gesehen habe, muss ich haza1 weitgehend Recht geben. Für mich ist nicht verständlich, wie sich eine renomierte Schauspiel-Legende wie Stephanie Glaser und ein zeitweiser Burg-Schauspieler wie Hanspeter Müller für eine solche Unterhaltungsklamote ohne Tiefgang hingeben können. Jedes mögliche Cliché wird bemüht, aber nicht etwa fein, sondern plakativ und holzschnittartig. Auch ist das Sujet des Filmes nicht originell. Juliette Binoche, Jonny Depp und weitere haben schon im Jahre 2000 in CHOCOLAT die Geschichte vom bünzligen Dorf und dem Dorfladen in welchem etwas Wohltuendes angeboten wird, was die Besitzerin ins gesellschaftliche Abseits bringt, gespielt. Dort war es Schokolade, hier lustvolle Unterwäsche. In CHOCOLAT wird das Thema aber überzeugender und feiner dargestellt. Ich bin nicht ganz so streng wie haza1, haben doch Stephanie Glaser und einige andere Akteure durch gute schauspielerische Leistung das herausgeholt, was sich aus dem verpfuschten Skript herausholen liess. Also nur "schwach" und nicht ein absoluter Flop. |
Hi Granulaile, ich gebe Dir natürlich recht was die schuspielerische Leistung der SG et al betrifft. Für diese bin ich sogar bereit, noch einen halben Stern aufzustocken. Man kann sich natürlich fragen, was die Definition eines totalen Flops ist und wodurch ein solcher sich von einem miserablen Film unterscheidet und wo da die Uebergänge von der einen in die andere Kategorie liegen. Für mich ist und bleibt ein überflüssiger Film halt ein überflüssiger Film - und nur wegen der Schauspielerischen Leistung von SG & Co (mit Altersbonus natürlich...) wird ein solches Stück auch nicht viel geniessbarer. |
Der Film ist nicht reisserisch wie aus Hollywood und hat keine Spezialeffekte. Wenn man sich aber Gedanken macht und im wirklichen Leben mit älteren Leuten zu tun hat, ist er erfrischend und hat so manchen wahren Kern. Endlich wieder ein schweizer Film der gefällt. Ich konnte oft herzhaft lachen obwohl die Thematik einen eher heulen lässt. Ein wichtiges Thema komödienhaft verpackt und mit so viel Wahrheit..Bravo, weiter so. |
Also Haloo Es leber der Schweizer Film :-) Erik |
Der Erfolg geht weiter! Buena Vista schreibt:
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kommt wohl nicht an die 500'000er grenze heran, aber dennoch eine schöne sache. |
Sogar meine Grossmutter ging den schauen. Das letzte Mal war sie im Kino als Nicht ohne meine Tochter lief. |
Bezüglich "erfolgreichstem" CH-Film 2006 muss man berichtigen, dass Buena Vista für die "Herbstzeitlosen" die Verleiher-Zahlen und bei "Grounding" die Procinema-Zahlen genommen hat. Die Procinema-Zahlen geben ein anderes Bild (Herbstzeitlosen 348'489, Grounding 373'910) Aus rein PR-technischer Sicht ist die Buena-Vista-PM natürlich sehr verständlich, nur nicht ganz richtig [Editiert von poolpage am 2007-01-04 16:36:29] |
machen hohe Besucherzahlen einen dümmlichen Film gescheiter ? Wird ein Film sehenswerter, wenn über 300'000 incl diverser Grossmütter sich einen Film angesehen haben ? Die hohen Besucherzahlen sind offenbar immer noch die einzige Rechtfertigung für diesen Film - denn betreffend der Drehweise und des Inhalts gibts ja kaum etwas positives zu berichten (okok, vielleicht die beachtliche Leistung der betagten S.G.). Die Thematik des Altwerdens und den Umgang damit will ich damit nicht in der Bedeutung schmälern - es ist und bleibt ein wichtiges Thema - aber bitte nicht auf derart volksverdummende Art umgesetzt. |
Ja, haza1, wir wissen jetzt, dass Du den Film dümmlich findest und hier Celluloid verschwendet wurde. Ich kann mich Dir aber nicht anschliessen, denn ich habe mich köstlich amüsiert und ich fühlte mich sehr gut unterhalten und ich habe mich keine Minute gelangweilt. Nichts anderes will ich, wenn ich ins Kino gehe. Und das schaffen nicht alle Filme, aber "Die Herbstzeitlosen" hat es getan. Und bei bald 400'000 anderen Schweizerinnen und Schweizer auch. |
na ja, lieber WS03.... der persönliche Geschmack ist natürlich ein Stück Privatsphäre - und genauso sind auch die Ansprüche, die man/frau an einen Kinobesuch stellt unterschiedlich. Manchmal will man/frau einfach banal unterhalten werden und manchmal gibts da auch weiterführende Wünsche. |
Ich kann durchaus verstehen, dass Menschen aus gewissen Teilen der schönen Schweiz keine Ahnung von den emmentaler Traditionen und Lebensweisen haben. Denn wer nicht aus dieser Gegend stammt, kann auch die Witze über die Sturheit und Konservativität mancher Emmentaler nicht nachvollziehen. Manchmal ist es besser, man begegnet einem eher tragischen Thema mit Witz und Humor. Es müssen nicht bei jedem Film Tränen fliessen. [Editiert von summerfeeling am 2007-01-05 00:14:46] [Editiert von summerfeeling am 2007-01-05 00:15:20] |
Die Herbstzeitlosen hat mich positiv überrascht. Dachte ich doch vorurteilig, dass es sich um eine bünzlige Schweizerproduktion handle, die sich eh nur die argenst gelangweilten unter uns angucken werden... ... aber Obacht! Stephanie Glaser & Co. spielen keinenfalls bieder uninteressant. Im Gegenteil: Grossartig verkörpern sie ihre Rollen. Und die Geschichte ist sehr ansprechend, wenn auch gelegentlich erahnbar. Einige negative Punkte gibt's - am Rande: Die Kopie im Capitol ZH war grottig. Zudem haben wohl einige Schweizer (in casu war's das ältere Semester) das Gefühl, im Kino könne genauso kommentiert (es wollte nicht mehr enden!) und unablässig mit dem Partner/der Freundin palavert werden, wie zu Hause vor der Glotze. Aus Anstand den anderen Zuschauern gegenüber bin ich jedoch der Ansicht, dass Frau/Mann sich da doch bitte etwas zurückhalten sollte. |
Ich wurde von die Herbstzeitlosen eher positiv überrascht, dachte ich doch vorher, dass ältere Leute wie Stephanie Glaser nicht mehr gänzlich vor der Kamera überzeugen können. Ich habe mich aber geirrt, sowohl Stephanie Glaser wie auch ihre Kolleginnen Heidi Maria Glössner, Lilian Naef und Annemarie Düringer überzeugen in ihren Rollen. Die Geschichte ist zwar etwas neues, aber das Ende (wiedereinmal) vorhersehbar. Meine Kritik gilt der Kamera und dem Schnitt, schnelle, für mich unbegreifliche Schnitte gaben mir das Gefühl, dass es eine Störung im Film gab, das Bild war vielfach zu hell oder zu dunkel. Ansonsten aber ein ganz unterhaltsamer Film. |
Sorry, sorry, sorry... Trotzdem war ich enttäuscht, ich hatte wohl einfach zuviel erwartet. [Editiert von El Chupanebrey am 2007-10-18 19:51:47] |
Zitat El Chupanebrey (2007-10-18 19:49:40)
Genau das ist mir auch aufgefallen! Er macht nur immer den selben Gesichtsausdruck, genau den, der er bei Grounding immer macht... |
Endlich konnte ich dem Film auch mal sehen (danke an das ARD |

