Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Das Leben der Anderen
Das Leben der Anderen oder: Ostalgie war gestern. Vorweg: Das Leben der anderen ist einer der klügsten deutschen Filme des Jahrzehnts; dicht, durchdacht, perfektioniert. Schnell erkennt man, der Drehbuchautor hat sich Zeit gelassen, um seinem Werk die nötige Reife zu geben. Gemäss Pressebroschüre fiel Florian Henckel von Donnersmarck bereits nach seiner ersten Stunde des Drehbuchkurses an der Hochschule für Film und Fernsehen in München das erste Bild zu seinem Film ein. Ein Mann mit Kopfhörern, bewegt von "überirdisch schöner Musik, die er eigentlich gar nicht hören will". Denn nicht für ihn sind die wundersamen Klänge gedacht, sondern stammen sie vielmehr aus einer Wohnung von anderen, welche zu beschatten er befohlen wurde. Viele Jahre und einige preisgekrönte Kurzfilme später erscheint sein Erstlingswerk und setzt der Ostalgiewelle ein Ende, von welcher die Kinowelt in den letzten Jahren überschwemmt wurde. Eiskalt wird abgerechnet mit der Maschinerie des Sozialismus. In unterkühlten Einstellungen wird uns eine Welt gezeigt, die nur wenig zu tun hat mit dem fröhlichen Tun aus Sonnenallee und Goodbye Lenin. Henckel von Donnersmarck versucht nach seiner intensiven Recherche ein realistischeres Bild zeichnen, will heissen korrupte Politiker, Zensur, Missgunst und ein System, das nur Verlierer zulässt. Als Gegenwelt dazu erscheint die Welt der Intellektuellen und der Künstler. Detailreiche, im Vergleich beinahe farbenfrohe Bilder, in denen getrunken und getanzt, geliebt und gelebt wird. Und die Botschaft jener euphemistisch gezeichneten Welt ist klar: Die Kunst befreit und die Kunst muss frei sein. Dessen bewusst ist sich auch Dreymann, und daher bereit einen hohen Preis für sie zu zahlen. Gar wäre er bereit, seine Liebe um der Freiheit seines mittelmässigen Schaffens willen zu teilen, gar zu verkaufen. Ein Motiv übrigens, das ich gerade in Le Mépris (Godard) oder Kiss me Stupid (Wilder) gesehen habe. Ob der Vergleich mit derart grossen Regisseuren angebracht ist? Ich weiss es nicht. Wie gesagt, mich hat der Film gepackt - doch glücklicherweise prallt auch an ihm nicht jegliche Kritik ab. Erstens, der Film will einfach nicht aufhören. Es scheint eine Krankheit der guten Erzähler des deutschen Kinos zu sein, dass sie - sind sie einmal in Fahrt - nicht mehr zu stoppen sind. In Gegen die Wand etwa wird nach dem Ende der Geschichte (Typ im Gefängnis, Frau in Türkei) etwa einfach weiter erzählt (Zweiter Teil; Typ verlässt Gefängnis, geht in Türkei) und somit ein neuer Bogen gespannt. In Das Leben der anderen ist es bis zum Schluss derselbe Bogen, doch wird er gespannt, gespannt und gespannt, bis er schliesslich reisst und der Film seinem Ende nur noch entgegen dümpelt. Der Effekt ist der gleiche: Eine Viertelstunde vor Schluss verliere ich die Aufmerksamkeit und sehne mir den Abspann herbei. Ein derart lang gezogener Schlussteil macht für mich bei ausufernden, ewig langen Filmen wie Lord of the Rings Sinn, wo man es geniesst, von seinen Figuren Abschied zu nehmen - nicht jedoch bei einem in sich geschlossenen, in erster Linie auf Spannung basierenden Werk. Und zweitens: Mag sein, dass das Schema von Bürokraten und Künstlern allzu schwarzweiss, die Idee des Überläufers allzu plump erscheint. Darth Wiesler, der von der dunklen zur Seite der Macht zurückkehrt, und das nur in the emperors new clothes? Womöglich ist der Kern banal und keineswegs neu, ja, doch sein neues Gewand ist voller Pracht. So schaffen Henckel von Donnersmarck und sein Team durch brillante Dramaturgie, die Creme de la Creme der deutschen Schauspielergarde und nicht zuletzt auch eine Prise guten Humors (man beachte denjenigen, der Wiesler am Schluss über den Mauerfall informiert) wahrhaft grosses, lehrreiches Kino. Ja, das Leben der Anderen war selten so spannend. |
Zu diesem Thema wurden insgesamt 20 Beiträge geschrieben.
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Dieser Film hat sich den Platz in meiner persönlichen Top 2006 jetzt schon gesichert. Wiesler gehört zu den tollsten "Villains" der Filmgeschichte. Man weiss, dass solche Leute exisiter(t)en, und dass man sie eigentlich grauenhaft finden sollte, aber das Böse ist zu genial, als das man es nicht cool finden könnte. Einen Vergleich mit Hannibal Lecter muss der Stasihauptmann nicht scheuen. Ich hab auch noch ein paar Einwände zur Kritik oben. Dazu aber später mehr. Der Film verdient eine ausführlichere Betrachtung. |
der vergleich mit hannibal lecter ist mir auch in den sinn gekommen... sogar äusserliche ähnlichkeiten waren vorhanden. die grenze zwischen gut und böse ist sehr dünn. das leben der anderen ist ein stimmiger film und nebst der dunklen thematik kein hoffnungsloser streifen. ein plädoyer für die menschlichkeit. |
Zitat lafrecciablu (2006-08-29 11:23:51)
Der Film ist übrigens, etwas vom Besten Stück des Deutschen Kinos, das es je gegeben hat. Die Machart ist grandios, wunderschön mit Weitwinkel gefilmt untermalt mit Musik, die zum Träumen schön ist. Die Schauspieler sind sowieso alle(!) Erste Klasse, grandiose Theaterschauspieler im Gegensatz zu den vielen Film -Stars und -Sternchen in Hollywood. Das ist noch tolle, ausgeprägte Schauspielerei. Eine Szene malt besonders gut das von Drohungen und Macht geprägte Bild dieser Zeit in der DDR aus: Die Szene mit dem "Guten Morgen, Sonne"-Witz. Hier wird eindrücklich gezeigt, wer wie seine Macht über andere ausspielen und es dabei noch saulustig haben kann. Fazit: Eine Perle des Deutschen Films, eindrücklich gespielt und keine Sekunde langweilig. Einen Oscar für den Besten Fremdsprachigen Film, bitte. |
Muss auch noch ein wenig in die Lobeshymnen einstimmen. Bin selten von einem deutschen Film so begeistert gewesen wie von diesem. Und ja, ich geb's zu, am Ende des Filmes - der für mich keine Sekunde zu lange war - standen mir Tränen in den Augen. Kluge Geschichte, hervorragende Bilder und Musik und ein grandioses Darstellerensemble. Unter letzteren verdient besonders Hauptdarsteller Ulrich Mühe eine besondere Erwähnung. Wie er es schafft, durch feine Nuancen seines Mienenspiels den Zuschauer spüren zu lassen, wie seine Überzeugung an der Richtigkeit seiner Stasi-Mission sehr langsam zu bröckeln beginnt: Spitzenklasse und - man verzeihe mir den abgeschmackten Vergleich - oscarverdächtig. Gleiches gilt natürlich für den ganzen Film! |
Kann mich den Lobeshymnen auch nur anschliessen - ein sehr eindrücklicher, berührender und wichtiger Film. Der Schluss zieht sich tatsächlich etwas in die Länge, aber ansonsten ging ich selten so beeindruckt aus dem Kino. Sehr sehenswert! |
Zitat Aus den Kommentaren bei Critic.de
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ein kleiner kontrapunkt zu all den lobeshymnen hier: der film will und will nicht enden. das ende wurd zweifellos vergeigt, es hätte diverse fühere und bessere möglichkeiten zum beenden des films gegeben. ich habe bei den filmen über die DDR oft das gefühl, dass es sich um sieger-justiz handelt. um "eine verharmlosende Vergangenheitsdarstellung" handelt es sich bei diesem film aber ganz sicher nicht. im gegenteil: ich denke die darstellung ist auch hier sehr einseitig und zeigt ein sehr willkürliches, absichtlich unatraktives bild des ehemaligen konkurenzsystems. man sollte in dem zusammenhang als schweizer den fichen-skandal nicht vergessen, hier waren die gleichen mechanismen im spiel und trotzdem war die schweiz auch damals ein lebenswerter ort über den man voll des lobes sein konnte. den film finde ich trotz alledem sehr sehenswert. @rm:
ich hoffe die anderen fehler sind besser recherchiert. mikro und lautsprecher geben nur rückkopplung, wenn sie miteinander verbunden sind, was bei einer kabelwanze schwierig werden dürfte ;-) |
guter film - in anbetracht der tristen thematik vielleicht allzu melodramatisch und dadurch allzu "süffig" gemachter film, der aber dennoch zu berühren vermag. mit dem autocrash der hauptdarstellerin wurde vielleicht ein etwas billiger oder sonstwie bemühter ausweg aus der ganzen geschichtskonstruktion gesucht. vielleicht wäre es dem film hilfreicher gewesen etwas früher - mit einigen offenen fragen - zu enden. die glaubwürdigkeit hätte darunter wohl kaum gelitten. es wäre spannend, zu erfahren, ob die bespitzelung auch für die mehrheit der ddr - bevölkerung galt oder vor allem für die sogenannten risikogruppen wie zb intellektuelle - und da lässt der film fragen offen. aber wir wurden zu gedanken angeregt, das hat uns gefallen. |
Der Film ist sehr eindrücklich und regt auch zum nachdenken an. Er wirkt sehr realistisch (auch wenn rm etwas dagegen hat |
James Bond in der DDR Der Film "das Leben der Anderen" von Florian Henckel-von Donnersmark ist, filmisch betrachtet, wohlgelungen. Er hat einen guten Erzählrythmus, atmosphärische Kulissen, eine gute Kameraführung, fantastische Schauspieler und wirkt eigentlich nicht so lang, wie er in Wirklichkeit ist. Fängt man auch noch an, nachzulesen und Informationen zu sammeln, wie es wirklich gewesen sein muss in der DDR, sträuben sich einem die Haare, wie weit ab der Film von der Wirklichkeit liegt. Er zeigt in keinster Weise, wie es in der DDR zuging, sondern lediglich, wie sich ein westdeutscher Regisseur vorstellt, wie es zugegangen sein müsste. Viele sagen, "das Leben der Anderen" sei halt nur ein Spielfilm, und da habe man auch ein gewisse künstlerische Freiheit. Das ist schon wahr, doch ist das Problem das viele Leute mit dem Eindruck aus dem Film kommen: "Da habe ich ja mal gesehen, wie das in der DDR war" und "so war das also mit der STASI", gleichzeitig mit, dass der Film in Wirklichtkeit die Verhältnisse in einem Polizeistaat schamlos verharmlost. Will man wirklich was über die STASI lernen, sollte man lieber Filme wie "Brazil" von Terry Gilliam oder "1984" von Michael Anderson sehen. Das sind zwar Science Fiction, treffen aber die Verhältnisse der DDR hundertmal besser |
Zitat Nikolai (2007-01-24 13:53:27)
Warst du da? Wurdest du auch mal vorgeladen? Hast du auch eine Akte? Zitat Nikolai (2007-01-24 13:53:27)
Das Leben der Anderen mit Brazil zu vergleichen? Also bitte. Das Eine ist eine Satire und das Andere ein Drama. Brazil macht sich über den Big Brother lustig und 'DLDA' versucht es zu zeigen, wie es war. Stimmt es zu 100%? Keine Ahnung. Ich denke ja. Weiss es aber nicht. Dafür kenne ich die (Ost-)Deutschegeschichte zu wenig. Kommt es realitisch rüber. Hell yes! Ein sehr guter Film, der mir viel besser gefällt als all die 'Ha! Ha! Wir machen uns über Ossi-Lustig-Filme... |
Zitat:
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Zitat Nikolai (2007-02-05 13:21:38)
Ich hab den Film gesehen und muss daher nicht die ganze Abfolge nochmals in schriftlicher Form haben....Deshalb: Jein, überflogen... |
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WHAT THE FUCK??!! Wenn das stimmt! Dann hab ich definitiv allen Respekt für die amerikanische Filmindustrie verloren. |
Zitat Markus (2007-07-26 09:56:36)
Man sagt schon seit einem Jahr, dass ein Hollywood-Remake für den Film geplant wird. Als Regisseur wird womöglich auch noch der Pfosten, der "The English Patient" gefilmt hat, ausgesucht. |
... ein sowohl eindrücklicher sowie ein sehr nachdrücklicher Film, der die Situation und die ständige Überwachung der StaSi geschichts getreu schildert... ... wirklich nur empfehlenswert! und endlich hab ich den wirklich realistischen Film gefunden... ... aber dennoch... Die Suche geht weiter...
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Das Leben der Anderen ist ein spannender und berührender Film mit ausgezeichneten Schauspielern, besonders Ulrich Mühe hat Anerkennung verdient. |
Spitzenfilm! Eigentlich wurde bereits alles gesagt, aber für mich war der Film keineswegs zu lang. Im Gegenteil, mir hat der Schluss ausserordentlich gut gefallen. Was wurde aus dem Stasihauptmann und wie bedankt sich der Schriftsteller? Genial gelöst, mir kamen die Tränen. |
Zitat WideScreen03608 (2008-03-20 12:25:34)
sehe ich genauso. wahnsinnig beeindruckendes werk! |

