Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag A Cock and Bull Story
A Cock and Bull Story oder: Das Wunder der Zangengeburt Einen Film über die Verfilmung eines unverfilmbaren Buches zu machen - dieser Gedanke wird Michael Winterbottom und Steve Coogan wohl gereizt haben, als sie sich zu diesem Projekt entschlossen. Einerseits bietet das Buch - so zerfahren es ist - tatsächlich viel komödiantischen Stoff zu einem noch nicht besonders ausgereizten Thema: der Geburt und ihren Komplikationen (will heissen: Pärchen in Erwartung sollten einen grossen Bogen um den Film machen oder ihn zumindest für später aufbewahren). Andererseits bietet der Stoff den Drahtziehern auch die Gelegenheit zu einer endlosen Aneinanderreihung von In-Jokes sowohl über das Filmemachen wie auch über ihr Image als Filmschaffende in der Öffentlichkeit. Meister dieses Film-im-Film-Genres waren bis anhin Federico Fellini und François Truffaut - man denkt insbesondere an ihre jeweiligen Schlüsselwerke 8½ und La nuit américaine - und diesen beiden Vorlagen wird auch an zahlreichen Stellen von Tristram Shandy gehuldigt. Mit einem grossen Unterschied allerdings - wo Fellini mit Marcello Mastroianni und Truffaut mit Jean-Pierre Léaud unschwierig erkennbare Alter Egos ihrer eigenen Persönlichkeiten auf die Leinwand brachten, hält sich Michael Winterbottom stark zurück. Der Regisseur des Films im Film (gespielt von Jeremy Northam) steht in keiner Weise im Zentrum - dies übernehmen vielmehr die Darsteller und einzelne Mitglieder der Crew, deren Turbulenzen man ausführlich verfolgen darf. Im Grunde genommen dreht sich hier alles um den bereits etliche Male erwähnten britischen Star Steve Coogan. Hierzulande sah man ihn bisher auf den Leinwänden als Phileas Fogg in Around the World in 80 Days mit Jackie Chan und in einem der besseren Segmente aus Coffee & Cigarettes von Jim Jarmusch. Die Briten kennen Coogan jedoch von einer ganz anderen Seite - für sie ist er die Kunstfigur Alan Partridge, ein höchst inkompetenter aber selbstverliebter Moderator, der in seinen zahlreichen Sendungen und Serien von einem Fettnäpfchen ins andere tritt. Coogan ergreift nun in "Tristram" die Gelegenheit, einen Steve Coogan zu spielen, der er es satt hat, immer nur als Partridge wahrgenommen zu werden. Ist Tristram Shandy also nur etwas für Insider oder Literaturkenner? Nein. Das Ganze ist eine extrem vergnüglichen Nabel(schnur)schau, die auch für entdeckungsfreudige Uneingeweihte viel zu Lachen bietet, wenn auch nie nach dem Rezept einer klassischen Komödie. Dies gilt insbesondere auch für den auf der DVD enthaltenen Audiokommentar von Coogan und Brydon, der auf der Meta-Meta-Ebene noch ein paar besondere Pointen (und Zoten) aus dem Stoff herauskitzelt. Für Fans der zeitgenössischen englischen Humorschaffens ist diese Produktion ein spassiges Stelldichein, wo auch der omnipräsente Stephen Fry und Mark Williams aus der Fast Show auf einen Handschlag vorbeischauen. Wer übrigens den Stab aufmerksam durchliest, entdeckt überdies Gillian "Scully" Anderson in einer kleinen Nebenrolle als Witwe Wadham. Was ausgerechnet sie in diesem Film verloren hat, soll hier nicht verraten werden. Nur soviel: nach jahrelanger Feldarbeit mit unerklärlichen Phänomenen ist sie unter diesen seltsamen Menschen genau richtig am Platz. Bild und Ton der amerikanischen DVD sind korrekt, die in den schnelleren Passagen hilfreichen englischen Untertitel sind vorhanden. |

