Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag L'Enfer
L'Enfer oder: Evian heisst rückwärts 'naive' Die Monster des intellektuellen Kinos bleiben für immer. So hat etwa Sylvie Pialat mit Meurtrières kürzlich einen Stoff ihres verstorbenen Ehemannes und Grandseigneurs Maurice Pialat mit einem ehemaligen Mitarbeiter des Meisters auf dem Regieposten produziert, und auch der inzwischen bald 90jährige Ingmar Bergman schreibt Gerüchten zufolge weitere Entwürfe für Drehbücher, die später einmal seine im Filmgeschäft tätigen Kinder und Schauspielerinnen durchbringen könnten. Der Mann, der nun aber hier zur Debatte steht, ist der Pole Krzysztof Kieslowski. Er verstarb im Frühling 1996 an Herzversagen, nachdem er unter anderem die zehn Gebote (Dekalog) und die französische Flagge (Bleu, Blanc, Rouge) verfilmt hatte. Zum Vermächtnis wurde dadurch seine geplante Trilogie zu Himmel, Hölle und Fegefeuer - wobei man hoffen darf, dass ihm zumindest der erste Teil dieses Werks nun post mortem zuteil geworden ist. Der Film Heaven existiert inzwischen - Tom Lola Rennt Tykwer hatte sich der Sache angenommen und eine formalistisch verstiegene Fabel über Terrorismus inszeniert, die schnell in Vergessenheit geriet. Nun ist der Bosnier Danis Tanovic (No Man's Land) an der Reihe, und es ergeht ihm mit seiner Verfilmung des dritten Drittels der Trilogie (das Purgatorium liegt noch brach) kaum besser als seinem deutschen Vorgänger. Man braucht nicht weiter darüber nachzudenken, welche Teile dieses Werks nun von Kieslowski stammen und welche von Tanovic - man tut beiden keinen enormen Gefallen damit. Die Probleme von L'enfer fussen dabei hauptsächlich auf einer nie gewährleisteten Glaubwürdigkeit, und zwar sowohl beim Stoff (siehe oben) wie auch bei seiner Inszenierung. Die künstlich gealterte Carole Bouquet macht den Anfang - mit zerzaustem grauen Haar, angeklebten Runzeln und grimmigem Blick erscheint sie wie eine personifizierte Verbitterung - gefangen in einem Korsett, das auch der begabtesten Schauspielerin (und Bouquet gehört in die obere Liga) nicht auf die Sprünge hätte helfen können. Emmanuelle Béart als neurotische Ehefrau liefert derweil ein schrilles Tränenspektaktel, das jeglichen Bezug zur Figur und deren Innenleben verbaut. Auch Karin Viard kommt mit ihrer Rolle nicht zurecht - sie fährt ihr gesamtes Arsenal an Gesichtsausdrücken der weiblichen Unsicherheit auf (bekannt aus La nouvelle Eve), obwohl sie ganz einfach Schüchternheit hätte spielen können. Das Nesthäkchen Marie Gillain liefert schliesslich die subtilste Darstellung in diesem Film, und trotzdem bleibt in ihrem Handlungsstrang unnachvollziehbar, warum ein Lancôme-Model (Jahrgang 1975) mit einem verheirateten Akademiker (Jahrgang 1941) anbandelt, um ihm dann auch noch stundenlang nachzugreinen. Tut sie das vielleicht, weil er zu Beginn des Films vor seinen Studenten so ergreifend über Schicksal und Zufall doziert hat? Man will's nicht wissen. Es ist schon eine Leistung, gleich vier bewährte Darstellerinnen in derart naive, klischierte Frauenbilder zu zwängen - da hat wohl wirklich der Beelzebub seine Finger im Spiel gehabt. |

