Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Elementarteilchen
Elementarteilchen oder: Wie die 68er die Männerwelt zerstörten BLEIBTREU, ULMEN, GEDECK, POTENTE, HOSS, OCHSENKNECHT, steht in grossen Lettern auf dem Filmposter. Whoa, welch Staraufgebot! Sogar Tyra Misoux das Porno-Starlettchen soll mitspielen. Und es soll eine Szene in einem Swingerclub geben. Soweit die Mundpropaganda. Michel Houellebecqs Roman "Elementarteilchen" war vor sechs Jahren ein Bestseller. Houellebecq thematisierte damals, wie schlecht die Welt doch zu den Männern ist, eingebettet in erotische Szenen. Der Roman beinhaltete philosophische Teile und war angelehnt an des Autors Autobiographie. Und nun machte sich Regisseur Oskar Röhler daran, diesen eigentlich unverfilmbaren Roman auf die Leinwand zu bringen. Der Schluss des Buches wurde massentauglich verschönert, das Geficke kam raus, und was übrig blieb sind hundert Minuten Film, welche versuchen, die komplizierten Charaktere Houellebecqs in Bild und Ton zu fassen. Moritz Bleibtreu spielt dabei quasi die gleiche Rolle wie bei Agnes und seine Brüder, einen verzweifelten Enddreissiger der nur ans Vögeln denkt, aber niemanden findet, der mit ihm will. Es gibt zwar einige komische Szenen welche durchaus eine Prise Humor enthalten, doch der rote Faden beschreibt eine sehr negative Welt. Wer sich nicht (zum Beispiel wie Röhler mit dem sexsüchtigen Bruno) identifizieren kann, dem wird es schwer fallen, die Problematik der Protagonisten zu erkennen und nachzuempfinden. Vielleicht ist es aber auch eine Frage des Eingeständnisses, sich in einer der Rollen wiederzuerkennen, was wiederum nicht jedermans Sache ist. Wie dem auch sei, das Zielpublikum des Filmes dürfte dementsprechend klein sein. Wie oft bei Buchverfilmungen (wobei Bernd Eichinger nun sagen würde, dass das nicht Buchverfilmung sondern an den Film angelehntes Buch heisst) hinterlässt Elementarteilchen ein nicht sehr kohärentes Bild. Der Eindruck entsteht, dass relevante Sachen getilgt wurden zu Gunsten von anderen, unwichtigen und langweiligen Szenen. Houellebecq-Fanatiker werden Aufgrund des verunglimpflichten Endes aufschreien, und deren Gegner werden den Film ohnehin als weinerlich, frauenfeindlich, reaktionär und gedankenarm abstempeln. |
Interviews mit Moritz Bleibtreu und Regisseur Oskar Roehler: |
der film hat was, trotzdem, dass er im vergleich zum buch wohl einen (massentauglicheren?) zu positiven grundton anschlägt. jeder chrakter erfährt schlussendlich doch noch einen funken glück, aber im gegensatz zum buch, dürfen hier wohl zumindest ein paar der gestalten diesen zustand mehr oder weniger permantent erleben. wirkten im buch diese kurzen momente von glück mehr wie pervertierte strafen (à la: hier, ich führ dir vor, wie es hätte sein können, nur um es dir dann wieder weg zu nehmen, damit dir der verlust umso schmerzlicher in erinnerung bleibt), so wird im film alles viel lieblicher dargestellt. die cast ist wirklich gut, und es ist erstaunlich, wie das buch hier in diesem film eingedampft wurde, ich fand das gelungen. nur wirkt mir bruno im film etwas zu sympathisch. das krasse ende des buches wurde hier für ein happyend geopfert. ob das nicht schon einem verrat an der buchvorlage gleicht? ich bin mir nicht sicher... |
Endlich bin ich auch dazu gekommen, Elementarteilchen zu sehen. Nachdem mich das Buch während der ganzen Lektüre fesseln konnte, habe ich mich auf die Verfilmung gefreut, noch dazu da sie von Oskar Roehler ist, dessen letzter Film "Agnes und seine Brüder" für mich ein kleines Highlight war. |

