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Beitrag The Minder - El Custodio
The Minder - El Custodio oder: Traumberuf Bodyguard? Der Beruf des Bodyguards. In seiner klischeehaftesten Form - gerne und oft so gezeigt in US-amerikanischen Produktionen - wird er von durchtrainierten, eiskalten Typen in makellosen Anzügen ausgeführt, ausgerüstet mit ausgeklügelten technischen Gimmicks und immer in voller Aktion. Den etwas sensibleren unter ihnen bleibt manchmal Zeit für eine Romanze mit der Schutzbefohlenen, die heroisch veranlagten der Bodyguardfraktion würden alles tun, um ihr Objekt zu schützen - wenn es sein muss, unter Opferung des eigenen Lebens. Rubéns tägliche Realität als El Custodio sieht da beträchtlich anders aus. Unter seinem makellosen Anzug verbirgt der nicht mehr ganz junge Mann einen runden Bauch, seine Glatze versucht er mit nach hinten gegeelten Haaren zu kaschieren und seine Ausrüstung - eine schon etwas lädierte kugelsichere Weste, eine Handfeuerwaffe und ein Funkgerät - kauft er bei einem befreundeten Schwarzmarkthändler ein. Rubéns Beziehung zu Artemio, seinem Schutzbefohlenen, ist weder romantisch, noch herzlich, noch freundschaftlich, noch sonst irgendetwas - zwischen den beiden Männern befindet sich eine Kluft so tief wie der Marianengraben. Und was die Aktion betrifft: Der Beruf des Schattens könnte langweiliger nicht sein. Rubén wartet, wartet und wartet, dazwischen fährt er Artemio zur Arbeit oder holt dessen Tochter von der Schule ab, um dann wieder zu warten. Endlos. Wenn nach einer Ewigkeit die Tür des Sitzungszimmers endlich aufgeht, dann nur, weil Artemios Assistentin herauskommt und Rubén mitteilt, dass der Minister "noch ein paar Stunden" länger braucht. Das geht wochenlang so. Immer die gleiche nervtötende Routine. Immerhin, die scheinbar ungerührte, kalte Haltung scheint auch Rubén eigen zu sein; der Mann zeigt nie Emotionen. Als Zuschauer ahnt man bloss, dass unter der unbewegten Oberfläche manchmal ein gewaltiger Sturm tobt. Und auch die Aufopferung des eigenen Lebens trifft ein Stück weit auf den Schatten zu. Zwar weiss man nicht, ob sich Rubén im Notfall tatsächlich vor Artemio werfen und an seiner Stelle eine tödliche Kugel in Empfang nehmen würde. Aber der stille Mann opfert auch so schon sehr viel für seinen Beruf; er hat praktisch kein eigenes Leben. Dabei geht es nicht nur darum, dass er fast die ganze Woche - Wochenenden inklusive - an der Seite des Ministers verbringt, sondern vor allem, dass er bei dieser Arbeit enorm einsam ist. Von Artemio und Entourage wird Rubén nur marginal wahrgenommen - er gehört nicht dazu. Die Fahrer wiederum, die eigentlich einen ähnlichen Job wie Rubén haben, können die Wartezeiten bei ihren Fahrzeugen mit Autoputzen oder Zeitunglesen überbrücken. Nicht so Rubén. Regisseur Rodrigo Moreno zeigt mit seinem Debütfilm El Custodio eine interessante Facette des Bodyguardberufes auf. Er zeichnet das Bild einer Welt, die weder Abenteuer noch Ruhm bietet, sondern einfach reichlich öde ist und unter Umständen einen hohen psychischen Tribut einfordert. Morenos Ansatz ist vorallem vom erzählerischen Standpunkt her interessant: Die Geschichte des Schattens wird in vielen Szenen direkt aus Rubéns Perspektive gezeigt. So sitzt der Zuschauer beispielsweise im Auto neben dem Fahrer, schaut mit Rubéns Augen zu jenem Fenster hinauf, hinter dem der Minister seiner Affäre fröhnt und hört mit Rubéns Ohren die Atemgeräusche des Fahrers nebenan. Ein ungewohnter und sehr echt wirkender Blickwinkel, der an der Berlinale 2006 verdientermassen mit dem Alfred-Bauer-Preis für einen Film, der "neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet" ausgezeichnet wurde. Der Film gibt sich also enorm realitätsbezogen, was manchmal allerdings auch ein wenig zu viel des Guten ist. So kommt es, dass sich nicht nur der Schatten auf der Leinwand beim ewigen Warten langweilt, sondern mit ihm auch das Publikum im Kinosaal. Rubén wartet auf den Minister - die Zuschauenden warten darauf, dass endlich etwas passiert. Und als es gegen Filmende dann schliesslich doch noch so weit ist und tatsächlich etwas Unerwartetes geschieht, läuft das so ruhig und emotionslos ab, dass man sich verwirrt die Augen reibt und fragt, ob denn da nun noch etwas kommt oder nicht. Eine Frage, die unbeantwortet bleibt - der Film endet still und mit einem völlig offenen Ausgang der Geschichte. Was gut ist; nach den desillusionierenden eineinhalb Filmstunden kann man sich so wenigstens in Gedanken noch etwas Farbe in den Alltag eines Bodyguards denken. |
Ich habe den Film selber nicht gesehen, aber es mutet schon etwas seltsam an, wenn ein Film von der Berlinale über den World Cinema Fund mitfinanziert wird und dann selber auch noch einen Preis (inkl. Preisgeld) gewinnt, der erstens den Namen des Berlinale-Gründers trägt und zweitens etwas auszeichnet was andernorts selten bis nie gewürdigt wird. Wird hier doppelt subventioniert mit Geldern der Bundesrepublik? |

