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Capote oder: Sechs Jahre kaltes Blut


Mit Capote legt uns Bennett Miller eine Biografie vor, die allerdings nicht in bekanntem Schema daher kommt. Der Regisseur hat für den Film das Schlüsselereignis in Capotes Leben aufgegriffen und erzählt nur von der sechsjährigen Entstehungsgeschichte von "In Cold Blood". Das reicht vollends um den Mensch Capote zu verstehen, denn Hintergrundinformationen, wie etwa über dessen Kindheit, fliessen geschickt und ganz nebensächlich ein und dafür sind glücklicherweise noch nicht einmal Rückblenden notwendig.

Mit dieser klugen Wahl des Zeitfensters hat Miller schon die halbe Miete, denn der Spannungsbogen des Films ergibt sich nun von selbst und wird von der raffinierten Zweischneidigkeit der Story getragen. Zum einen ist da der Kriminalfall und der ganze Prozess des Buchschreibens, aber zum anderen ist da vor allem auch der gnadenlose Einblick in die Psyche des Autors, der nicht nur mit der Fertigstellung seines Buchs kämpft, sondern noch viel mehr mit seinen Gefühlen. Sein ungeheurer Ehrgeiz scheint ihn aufzufressen und er merkt es, doch dagegen wehren kann er sich nicht. Dass dies im Film funktioniert, ist grösstenteils Philip Seymour Hoffmans Verdienst, der für seine aussergewöhnliche Performance ja schon als Oscarkandidat gehandelt wird. Natürlich ist der skurrile Charakter von Capote mit seiner speziellen Stimme ein Dankbarer um interpretiert zu werden. Umso grösser aber ist die Leistung Hoffmans dem karikaturhaften Schriftsteller auch Gefühlsnuancen abzugewinnen und so dessen innere Zerrissenheit erst glaubhaft zu machen.

Über die Nebendarsteller muss man gar nicht lange reden, wie der Filmtitel sagt, geht es hier ausschliesslich um einen Mann, das war wohl auch im richtigen Leben mit Capote schon so. Auffällig ist, dass der schillernden Person Capotes im Film kalte, graue, fast schon biedere Bilder entgegengesetzt werden. Ein Grossstadtmensch in der der Provinz halt, mag man denken. Gleichzeitig untermalt dies aber auch schön die Frage, wer denn hier nun kaltblütig ist, die Mörder oder Capote. Denn nicht nur im Buch, sondern auch in Wirklichkeit schenkte Capote den getöteten Familienmitgliedern kaum Beachtung, was ihm den Vorwurf er sei herzlos und karrierebesessen eintrug. Ähnliches gilt für seine Beziehung zu Smith. Verband die beiden wahre Freundschaft, gar Liebe oder brauchte ihn der Autor nur um sein Meisterwerk zu vollenden? Das wusste wohl noch nicht einmal Truman Capote selber.

Miller gelang ein Porträt, das weder schönfärbt, noch schlechtredet, sondern schlicht messerscharf die Gefühlswelt eines der grössten Autoren offenlegt. Der Film konzentriert sich erfolgreich auf das Wesentliche und nur den Abspann hätte man weglassen oder wenigstens in weniger reisserischem Ton daherkommen lassen können.

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mazemaster's Wertung: 5 Sterne

Zu diesem Thema wurden insgesamt 18 Beiträge geschrieben.
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was is denn das problem am abspann?

joooon's Wertung: Noch nicht bewertet

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Abspann ist wahrscheinlich das falsche Wort, es wird einfach in ein paar Zeilen erklärt was aus ihm nach In cold Blood wurde und vor allem warum. Ich finde einfach, dass das nicht so ganz gepasst hat und man den Film getrost für sich selbst sprechen lassen könnte, aber was schlimmes ist es nicht.

mazemaster's Wertung: 5.0 Sterne

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läuft der film bereits in ch ?

papp's Wertung: 4.0 Sterne

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Zitat papp (2006-02-26 20:54:53)

läuft der film bereits in ch ?


läuft am 2. März an, laut Programm

db's Wertung: Noch nicht bewertet

ich weiss zwar nicht wie der richtige capote sprach und gestikulierte, aber die darstellung von hoffman ist einfach grandios. ich nehme an, dass kommt dem original ziemlich nahe. Den Oscar gönn ich ihm auf jeden fall, schon wegen seinen frueheren rollen, eine angebrachte wuerdigung.
dieser film zeichnet ein zwiespältiges bild dieses schriftstellers, wie in der kritik schon steht, weder glorifizierend noch niedermachend. hinter all dem affektierten gehabe steckt letzten endes genauso ein mensch wie jeder andere. ein leiser film, der unglaublich fesselt, mit feinen nuancen und genialen schauspielern.

lafrecciablu's Wertung: 6.0 Sterne

Capotes Stimme
von Holger Kreitling

Über Truman Capotes Auftreten ist viel gelästert worden. Anaïs Nin schreibt: " ... der mir die weicheste und knochenloseste Hand entgegenstreckte, die ich je angefasst hatte und die sich wie das Patschhändchen eines Kindes in die meine schmiegte". Der meiste Spott galt Capotes eigentümlicher Fistelstimme. Norman Mailer: "Eine Stimme, um New York aufs Ohr zu schlagen." Tennessee Williams: "Klein-Truman hat eine Stimme, so hoch, dass nur eine Fledermaus sie orten kann!" Harold Robbins: "Es wäre schon in Ordnung, wenn er nur den Finger aus dem Mund nehmen wollte." John Malcom Brinnings: "Seine Stimme, seltsam und hoch, war reich an spassigen Resonanzen, die ihre eigene Tonleiter umspannten: Lerchentriller, und wenn er lachte oder brummte, ein Hafensirenenbass." Seymour Hoffmans Imitation dieser Tonlage ist beeindruckend

quelle: die welt

papp's Wertung: 4.0 Sterne

@papp
danke für diesen bericht! ein grund mehr, den film zu mögen ;-)

lafrecciablu's Wertung: 6.0 Sterne

Kann mich der Meinung von lafrecciablu und papp nur anschliessen. Was mich auch tief beeindruckt hat, ist diese Schlichtheit der Bilder und der Verzicht auf gefühlsduselige Filmmusik. Obwohl der Film einige Längen hat, sind es gerade diese Längen die diesen Film ausmachen.

Alles in allem ein Juwel der Menschlichkeit.

Adriqn's Wertung: 5.0 Sterne

wirklich n guter film. die charakterstudie ist gelungen, man nimmt ihm die innere zerrissenheit ab. leider hat der film einige längen!

die performance ist wirklich tadellos.

naja, der verzicht der filmmusik, darüber kann man sich streiten.

Ghost_Dog's Wertung: 4.0 Sterne

Guter Film!

[Editiert von studi am 2006-03-14 08:54:27]

studi's Wertung: Noch nicht bewertet

Zitat Ghost_Dog (2006-03-14 00:22:57)

wirklich n guter film. die charakterstudie ist gelungen, man nimmt ihm die innere zerrissenheit ab. leider hat der film einige längen!

die performance ist wirklich tadellos.

naja, der verzicht der filmmusik, darüber kann man sich streiten.

Ach, Ghost_Dog, gib es zu, der Film war zu lang wegen der Schwulenszenen. Du magst einfach keine Schwulen! Wahrscheinlich mochtest du Brokeback Mountain aus demselben Grund nicht...

[Editiert von Ghost_Cat am 2006-03-14 13:03:04]

Ghost_Cat's Wertung: 6.0 Sterne


Der Film ist ja wohl sensationell aber nicht ganz so gut wie Philip Seymour Hoffmans Leistung an-und-für-sich. Mit dieser Glanzleistung hat er den Oscar redlich verdient. Und obwohl er all seine Schauspielerkollegen an die Wand spielt, leisteten auch diese sehr gute Arbeit.

Habe da noch ne Frage:
Ich habe den Film am Montag den 13. März im Kino Capitol in Luzern gesehen. Und in der Vorschau auf kommende Highlights lief ein Trailer eines asiatischen Films. War so im Stiel von "Hero" und "Crouching Tiger Hidden Dragon". Doch leider habe ich den Namen dieses Streifens wieder vergessen. Kennt den jemanden, hat sich jemanden den Namen dieses viel versprechenden Films gemerkt?

Ich danke für eure Hinweise :)

mab's Wertung: 5.0 Sterne

Wahrscheinlich wars der hier.
http://outnow.ch/Media/Img/2005/WuJi/

Klön nur noch ein bisschen rum, dann schreibt Kollege th vielleicht bald die Review dazu. ;):)

rm's Wertung: Noch nicht bewertet


Ja genau der wars. Vielen dank! :)

Hoffe der kommt bald und überhaupt in unsere Kinos...

mab's Wertung: 5.0 Sterne

Ich ging total unbelastet in den Film, da ich nur wusste das Capote (sehr gut gespielt von Mr. Hoffmann) ein Schriftsteller / Reporter war. Jedoch konnte mich der Film überhaupt nicht überzeugen. Zu Flach und zu lang war die Geschichte, da konnten auch die Bilder und einwandfrei tristesten gespielten Szenen nichts ändern.

clark_kent's Wertung: 3.0 Sterne

Der hat ja eine Wandlungsfähigkeit, dieser Philip Seymour Hoffman. Wirklich ein Schauspieler wie ein Kamäleon, das sich hervorragend anpassen kann und uns auch während des Films glauben lässt, dass wir hier Capote selbst sehen. Die Note "sehr gut" passt nicht zu Hoffman, er ist schlichtwegs grandios. Oscar Hoch Drei für ihn! Jetzt versucht Guy Pearce ihn in "Factory Girl" schon zu imitieren. Peinlich.

psg's Wertung: 5.0 Sterne

Schon mal zum Voraus: Die 5 Sterne verdient der Film grösstenteils wegen Philip Seymour Hoffman (6 Sterne dafür), der Film verdient etwas über 4.
Das Drehbuch fand ich grandios, vor allem die Dialoge zwischen Perry und Capote waren spannend gemacht. Minuspunkte gibts dafür, dass der Film einige Fragen offen lässt, zum Beispiel:

Spoiler zum Lesen Text markieren

Perry erzählt Capote, dass er Clutter die Kehle aufgeschnitten hätte, doch warum er das gemacht hat, wird, soweit ich mich erinnere, nie erklärt. Ist vor allem seltsam weil Perry zuvor Clutter als "netten, liebenswerten Mann" geschildert hat.


Neben Hoffman sehen die anderen Schauspieler zwar eher blass aus (Chris Cooper gefiel mir aber gut), aber niemand ist wirklich schlecht.
Fazit: Capote ist ein ruhiger, besonnener Film, den man sich in aller Ruhe anschauen muss, um ihn wirklich zu geniessen. Auf keinen Fall sollte man sich eine Szene mit Philip Seymour Hoffman entgehen lassen (Der ewige Nebendarsteller schlägt zurück!), er ist Truman Capote mit jeder exzentrischen Neigung.

[Editiert von El Chupanebrey am 2007-11-24 12:01:40]

El Chupanebrey's Wertung: 5.0 Sterne


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