Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Grbavica: The Land of My Dreams
Grbavica: The Land of My Dreams oder: Wunden der Vergangenheit Hinweis: Dieses Rating enthält Spoilers. Grbavica ist ein Stadtteil in Sarajevo, der Hauptstadt von Bosnien-Herzegowina. Das Quartier hat eine tragische Vergangenheit: Im Jugoslawischen Krieg in den 1990-er Jahren war in Grbavica während der Besetzung durch die Serbo-Montenegrinische Armee ein Gefangenenlager installiert. Tausende von Menschen wurden dort gefoltert und misshandelt - die Frauen unter anderem durch systematische Vergewaltigungen. Die 32 Jahre junge Grbavica-Regisseurin Jasmila Zbanic, geboren und wohnhaft in Sarajevo in der Nähe von Grbavica, schreibt im Presseheft, dass diese Art von Kriegsstrategie - also die Massenvergewaltigungen - sie enorm beschäftigten und sie sich insbesondere immer wieder die Frage stellte, wie es für eine Frau wohl sein muss, die auf diesem Weg ein Kind bekommt. Ein Kind, das man als Mutter liebt, als Opfer gleichzeitig aber auch hasst, weil es einem immer wieder an das traumatische Erlebnis der Vergewaltigung erinnert. Grbavica, so sagt sie, sei aus diesen Fragen heraus entstanden. In diesem Licht betrachtet, ist die Geschichte um Esma (ausgezeichnet dargestellt von Mirjana Karanovic) und ihre Tochter Sara eine traurig-berührende. Nachdem am Filmende Esmas Geheimnis gelüftet worden ist, macht rückblickend vieles in Grbavica Sinn, werden die Handlungen und Reaktionen - speziell jene Esmas - plötzlich klarer und nachvollziehbarer. Man empfindet noch etwas mehr Bewunderung und Mitgefühl für diese gezeichnete und trotzdem immer noch zum Lachen und Lieben fähige Frau. Ob es ein Vor- oder ein Nachteil ist, dass diese Erleuchtung für das Publikum erst am Schluss kommt, will ich mal offen lassen. Problematisch ist meines Erachtens aber, dass man ohne das Wissen um Esmas Trauma den Film mit anderen Augen sieht. Man spürt und weiss zwar, dass da irgendetwas ist mit Esma und dass sie etwas Schlimmes erlebt haben muss. Man weiss aber nicht, was es ist. Es könnte irgendein Schicksal sein, und wie die Gruppentherapie-Szene gleich zu Beginn des Films klar macht, haben viele Frauen in Grbavica Trauriges erlebt. So folgt man Esma durch den Alltag und schaut ihr zu, wie sie mit den täglichen Widrigkeiten kämpft und dennoch immer wieder lachen kann. Man nervt sich mit ihr über die trotzigen Phasen ihrer zeitweise rotzgörigen Tochter und ertappt sich dabei, dass man Sara zuweilen auch selber eins an die Löffel geben möchte. Man nimmt Anteil an Esmas Leben, aber man verspürt dabei nicht jene Emotionen, die am Ende durch Esmas Enthüllung ausgelöst werden. Man verstehe mich nicht falsch: Grbavica ist ein berührender Film, der enorm von seinen sympathischen Darstellern profitiert (eine kleine Ausnahme hierbei bildet Luna Mijovic als Sara - ihre Darstellung der nervigen 12-Jährigen ist überzeugend... nervig) und ausserdem einen interessanten Einblick in die Musik des Balkans bietet - vom traditionellen Ilahija bis zum modernen Turbo Folk. Doch eine der Stärken des Films, nämlich seine vielen interessanten Figuren, ist gleichzeitig auch eine Schwäche. Es werden so viele Geschichten aufgegriffen und Einzelschicksale angeschnitten, dass der Fokus zuweilen von Esma weggleitet und man daran herumstudiert, wie wohl die Story dieses oder jenes Nebenschauplatzes ausgehen mag. Spätestens am Schluss ist die volle Konzentration dann aber wieder bei Esma. Und nicht nur ihre erschütternde Geschichte, sondern auch das offene Ende des Films regen dazu an, auch nach dem Verlassen des Kinosaals noch etwas über Grbavica - übrigens Zbanics erster Feature Film - nachzustudieren. |
Zitat Tagesspiegel
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ich habe in "das magazin" vom tagesanzeiger einen interessanten bericht über den film und die regisseurin gelesen. das thema ist wirklich erschütternd und die frage nach "wie fühlt sich eine solche mutter" berechtigt. werde ich ganz bestimmt im kino ansehn. |
Dieser Film hat mich zutiefst berührt, besonders weil ich selbst im Sommer in Sarajevo war und die wunderbaren Menschen in Bosnien kennen lernen durfte. Obwohl auch viele der jungen Menschen den Krieg miterleben mussten, sprühen fast alle vor beeindruckender Lebensfreude. Ich konnte die Reaktionen aller Figuren nachvollziehen, die genial dargestellt werden. Grbavica ist ein Film, den man sich ansehen sollte, da Bosnien nicht so weit entfernt liegt, als wir manchmal denken und wir uns mit der Vergangenheit dieses europäischen Landes auseinandersetzten sollten. |
bei dem thema erwartete ich - wohl aus der erwartung durch andere filme aus diesem raum - brutale bilder und erschütternde szenen. erschütternd ist der film allemal, aber eher durch seine relativ einfühlsame art, die das martyrium der frauen nur erahnen lassen - und vielleicht deshalb intensiver wirken als allzu brutale bilder und visionen. insbesondere die hauptdarstellerin m. karanović beeindruckt immer wieder durch ihrer grandiosen schauspielerischen leistungen.
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