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Brothers of the Head oder: Verbunden auf Gedeih und Verderb


Brothers of the Head ist der erste Spielfilm des Regisseurduos Keith Fulton und Louis Pepe. Die beiden Amerikaner, die sich bisher mit Dokumentarfilmen einen Namen gemacht haben (Lost in La Mancha), bleiben ihrem Ursprungsgenre aber auch beim Erzählen dieser erfundenen Geschichte treu: Die Story, die auf dem gleichnamigen Roman "Brothers of the Head" von Brian Aldiss basiert, mag fiktiv sein - formal kommt sie perfekt verpackt in der Form eines Dokumentarfilms daher. Die Schicksalgeschichte der zusammengewachsenen Zwillingsbrüder wird mit Bild- und Filmaufnahmen von anno dazumal präsentiert, sowie mit Interviews belegt, in denen Zeitzeugen und Dabeigewesene die Ereignisse aus heutiger Sicht kommentieren. Die Dokumenation wirkt so authentisch, dass man als Zuschauer ohne Vorwarnung kaum eine Sekunde an ihrer Echtheit zweifelt. Erst die dem Film folgenden erfolglosen Recherchen zur Band "The Bang Bang" und der Blick ins Presseheft verraten den wahren Sachverhalt: alles nur erfunden!

Brothers of the Head ist also ein Spielfilm in Dokumentarform - in manchen Publikationen als "Mockumentary" bezeichnet - und als solcher etwas gewöhnungsbedürftig; die Entscheidung, eine fiktive Story in der Form eines Dokumentarfilms zu präsentieren, sorgt beim Zuschauer für leichte Verwirrung. Sie ist aber raffiniert: Fulton und Pepe spielen damit ganz bewusst mit den Erwartungen und der Rezeptionshaltung der Zuschauenden. Einer Dokumentation, speziell einer scheinbar so gut und authentisch belegten, glaubt man auf Anhieb halt einiges mehr, als einer erfundenen Geschichte. Dabei ist es nicht so, dass die Idee zusammengewachsener Punkrockzwillinge prinzipiell extrem abwägig wäre; im Gegenteil, liest und hört man doch in den Medien gerade in jüngster Zeit des Öfteren von siamesischen Zwillingen und den medizinischen Schwierigkeiten einer Trennung. Doch die Vorstellung, mit einem Menschen zusammengewachsen zu sein, und die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, wird durch den Wahrheitsanspruch der Geschichte noch um einiges plastischer - das gedankliche Fluchttürchen ('da hat jemand aber eine blühende Fantasie') bleibt geschlossen.

Brothers of the Head überzeugt aber nicht nur aufgrund seiner raffinierten formalen Präsentation. Die Geschichte um die siamesischen Zwillinge entführt das Publikum auch in die Musikszene der 70er Jahre und bietet dabei nicht nur einen (nostalgischen) Blick zurück, sondern vorallem satte Punkrock-Sounds, die oft sehr gut anzuhören, manchmal allerdings auch einfach laut sind. Dabei ist es faszinierend zu wissen, dass sämtliche Band-Darsteller alle Stücke selber spielen und singen. Es wird ausserdem die Geschichte zweier junger Männer erzählt, die mit einer ganz speziellen Lebenssituation konfrontiert sind. Dabei ist es vorallem die Vorstellung, wie es sein muss, ein solches Leben zu führen, die gedanklich gefangen hält und auch nach Filmende nicht mehr so schnell loslässt. Insofern ist es im Endeffekt noch nicht einmal so sehr das tragische Ende der zwei jungen Musiker, das berührt (bewegte Lebensgeschichten scheinen in der Musikbranche des öfteren vorzukommen (vgl. Ray, Walk the Line)), sondern vorallem der Versuch, sich selber ein solches Leben vorzustellen, der beschäftigt. Dass der Anblick jenes Hautteils, welches die Zwillinge verbindet, ziemlich eklig ist, hat ausserdem einen gewissen "Gaffer"-Effekt.

Insgesamt ist Brothers of the Head ein Film, der viel Futter für die Fantasie liefert und nebenbei einen interessanten Blick back to the Seventies bietet. Starke Musik inklusive. Allerdings sei der Kinobesuch nur jenen empfohlen, die über ein robustes Gehör verfügen.

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rs' Wertung: 4 Sterne


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