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Fragile oder: Zerbrechliche Geschwisterliebe

Laurent Nègres Debutfilm Fragile reiht sich mühelos ein in die interessante Reihe Genfer Filme wie Absolut und Attention aux chiens ein, die in den letzten Jahren auch ein kleines Publikum in der Deutschschweiz begeistern konnten. Dass wir uns in der Westschweizer Metropole befinden, ist spätestens dann klar, wenn die Titel über einer Detailstudie der morgendlichen Inbetriebnahme des Jet d'Eaus laufen. Weniger dem Lokalpatriotismus wegen sondern für die Erhöhung der Spannung am Schluss des Film. Nègre benutzt das Wahrzeichen wie Hitchcock den Mount Rushmore in North By Northwest für ein Finale mit Suspense. Und damit man weiss, was sich unter der Kuppel befindet, auf der Hauptdarsteller Castro zum Ende des Films sitzt, wird das Publikum visuell an die Hand genommen.

Nicht nur in dieser Szene greift der nicht chronologische Film auf etwas vor, was sich erst im späteren Verlauf genauer herauskristallisiert. Das macht den Film interessanter als eine simple Krankengeschichte, die mit der Diagnose beginnt und der Verbrüderung der Hinterbliebenen endet, wie es in kitschigen Familienfilmen immer wieder durchexerziert wird. Das ganze Puzzle aller Aktivitäten der Darsteller im Film ist erst nach dem Abspann komplett zusammengesetzt. Eine freizügige Lesbenszene und die Enthüllung des wahren Grunds für den Schuhfetischismus vieler Frauen sind weitere Höhepunkte in diesem kleinen, berührenden Film. Günter und Castro zeigen überzeugend, dass zuerst etwas ganz schlimmes passieren muss, bevor man sich wieder verstehen kann. Der Witz kommt auch nicht zu kurz, als es darum geht, statt "Kunden" einen anderen Begriff zu finden für die Profiteure der "Nez Rouge"-Heimfahrtgelegenheiten.

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rm's Wertung: 4.5 Sterne


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