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Transamerica oder: I am your father/mother!


Der Titel Transamerica ist eine kleines Wortspiel. Einerseits wird im Film Amerika durchquert, andererseits nennen sich die Menschen im falschen Körper in den USA gerne auch "trans people". Regisseur Duncan Tucker zeigt in seinem Road Movie Transsexuelle als ganz normale Menschen, auf der Suche nach dem Glück wie alle anderen Amerikaner auch. Und er meint damit ALLE Amerikaner. Kaum ein Teil der US-Gesellschaft der bei dieser Tour durch den Kontinent nicht vorkommt. Bree arbeitet für Latinos, ist eine wiedergeborene Christin und zu einem viertel jüdisch. Toby ist schwul und seine Pflegemutter war eine Afroamerikanerin. Zusammen treffen sie dann auf einen netten Ureinwohner und die Familie von Bree, die zum gemachten älteren Mittelstand gehört. Es fehlen eigentlich nur noch die "Asian Americans" und dann wäre der Schmelztiegel der Kulturen komplett.

Das Aufeinanderreffen verschiedener Gesellschaftsschichten, Weltansichten und sexueller Präferenzen ist aber nicht nur Darstellung einer fast etwas zu heilen Welt, sondern sorgt auch für einigen Witz. Wenn Bree auf Wunsch vom Filius zum Camping genötigt wird, oder in laut gesprochenen Tischgebeten ihr Wunschdenken über Tobys Zukunft nicht einmal ansatzweise verheimlicht, gelingen immer wieder lustige Szenen. Brüllend komisch wird es auf Besuch bei Bree/Stanleys Familie. Eigentlich von Bree für tot erklärt, geht dort jedes Familienmitglied anders um mit dem unerhofft wieder aufgetauchten Sohn, der nun eine Tochter sein möchte.

Solch ein Film lebt von der Glaubwürdigkeit seiner Darsteller. Dass die Desperate Houswives-Darstellerin Felicity Huffman von verschiedenen Leuten gar nicht erkannt wird, spricht für sie. Auch wenn es Stimmen von "Fachleuten" gibt, die behaupten, dass sie ihre Foulards im Film falsch trage. Ein richtiger Transsexueller vor der Operation würde mit dem Stück Stoff vor allem seinen Adamsapfel verbergen. Die Jury am TRIBECA Film Festival in New York scheint dies jedoch nicht gestört zu haben. Huffman gewann dort den Preis für die beste Darstellerin. Man munkelt auch schon über eine Oscar-Nomiation. Das soll die restliche Darstellerriege nun aber nicht kompromittieren. Auch sie sind alle wunderbar. Nur der Zeitpunkt für Brees Beichte bei Toby erfolgt ein bisschen zu spät. Da trübt eine Wendung des Drehbuchs kurz davor das ansonsten stimmige Portrait eines Vaters, der erst als Mutter zu seinem Sohn stehen kann.

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rm's Wertung: 5 Sterne

Transamerica fasziniert durch die zwei Figuren. Beiden gegenüber sind wir im ersten Augenblick skeptisch. Bree und Toby haben keine Lebensformen, die uns vertraut sind. Doch im Verlaufe des Films erleben wir mit ihnen Up und Downs, kommen dem ungleichen Paar näher, gerade so, wie sie sich gegenseitig kennen lernen. Wir merken, sie Beide suchen nach einem Platz in der Gesellschaft. Wir machen mit Toby mit, was er früher ständig gemacht hat, in dem hinteren Teil des schmutzigen Lastwagens. Bree beobachten wir, wie sie völlig krank vor Angst draussen in
der Wildnis übernachtet.

Es ist nicht der erste Film der eine Reise zu sich selber zeigt. Es ist nicht die erste Vater-Sohn-Geschichte. Doch wir lernen zwei Figuren kennen, die durch ihre schauspielerische Leistung und eine sorgfältige Dramaturgie uns schnell ans Herz wachsen.

Das körnige, schmutzige Bild unterstützt wunderbar die Welt der Beiden. Was bleibt, sind die rosa Farbtöne von Bree und die blonden Haare von Toby in einer unbunten Welt. Ein leichter, schöner Film, der unterhält, aber zu wenig radikal ist, um wirklich lange im Gedächtnis zu bleiben.

Romana's Wertung: 4.0 Sterne

Nicht jede geschichte um aussenseiter muss auch "radikal" sein, wie ramona schreibt, um im gedächtnis zu bleiben. Das die Geschichte von Bree in Transamerica im tragik-komischen Stil erzählt wird, find ich mehr als erfrischend. Die Darsteller sind bis in die Nebenrollen stark besetzt. Nebst der vielfach gelobten (wie auch von mir) Darstellung von Felicity Huffman als Transsexueller und Film-Sohn Zegers, gefiel mir die Rolle von Fionnula Flanagan als überforderte Mutter von Bree als Wasserstoff-Blondine. Bad Taste indeed!

Egal, ob dies nun ein Roadmovie, eine Vater-Sohn-Story ist oder ein Aussenseiter-Drama, der Film steht und fällt mir der Rolle der Bree. Meiner Meinung steht sie felsenfest. Eine überzeugende und auch mutige Leistung (wenn man an die Pinkel-szene und die Badewannen-Szene denkt).
Thank you, Felicity!

lafrecciablu's Wertung: 6.0 Sterne

Eine Anekdote aus der NZZ:

Film ist nie nur Kunst, sondern immer auch Ware. Als der Regisseur Duncan Tucker im Mai 2005 in Cannes - nicht am hehren Festival, sondern in den kommerziellen Niederungen des Marché International du Film - seinen Erstling «Transamerica» vorstellte, war er nervös. In einem düsteren kleinen Vorführraum wollte er potenziellen Verleihern klar machen, warum sie diesen Film kaufen sollten. Dazu schwenkte er ein paar Zeitschriften, auf denen die Darstellerinnen der damals ausserhalb der USA noch kaum bekannten Fernsehserie «Desperate Housewives» abgebildet waren. Eine dieser Schauspielerinnen, Felicity Huffman, hatte vor ihrer Mitwirkung in diesem Serienhit die Hauptfigur in Tuckers Spielfilmdébut, den noch nicht umoperierten Transsexuellen Bree Osborne, verkörpert.

Der Filmemacher zeigte die kühle Blondine auf den Covers und sagte, so sehe sie eigentlich aus. Als aber Harvey Weinstein, der ebenso bewunderte wie gefürchtete Gründer des Verleihs Miramax, der mit Huffman und ihrem Mann William H. Macy seit Jahren befreundet sei, «Transamerica» angeschaut habe, habe er die Darstellerin lange nicht erkannt. Und nun sei er so beeindruckt von Huffmans Leistung, dass er für sie eine Oscar-Kampagne lancieren werde. Eine hübsche Anekdote, und «se non è vero è ben trovato». Tatsache ist aber, dass Felicity Huffman heuer sehr wohl für den Oscar nominiert war und den Golden Globe gewann - beides zu Recht.

rm's Wertung: 5.0 Sterne

Felicity liefert eine sehr gute und oscarwürdige Performance ab, die man natürlich von einer desperate housewife nicht erwartet hätte. Felicity spielt die Frau, die gefangen ist in einem Männerkörper sehr gut und ihr Spiel wirkt nie übertrieben oder unglaubwürdig oder aufgesetzt.
Kevin Zegers hat nur eine kleine Rolle, aber dies ist wohl sein Film, in dem er versucht aus seiner Filmkindheit auszubrechen. Kevin Zegers goes bad. Er zieht sich einige Male aus im Film und spielt auch einen Drogensüchtigen Stricher. Die perfekte Rolle um aus den Zwängen der Kindheit auszubrechen. Er macht seine Sache gut doch neben Felicity bleibt er bleich.
Die Story ist ein bisschen surreal, da Bree einfach mal irgendwo im Land herumfährt und den Jungen bei sich hat. Also ist es eigentlich ein Roadmovie. Doch die Story ist tragisch und auch interessant.
Die lustigsten und auch ein bisschen zu übertriebenen Szenen sind dort, wo die beiden auf Brees Familie treffen. In diesen Szenen gibt es die meisten Lacher und die überspitzte Inszenierung einer solchen Familie, die es überall leider noch gibt, ist einfach zum brüllen komisch und es zeigt auch, wie lächerlich solche Familien bzw. Eltern sind.
Brees Kampf mit sich selber und ihrer Familie ist sehr gut dargestellt und auch sehr dezent und passend und realistisch. Dies ist vor allem auch wieder Felicity zu verdanken.
Auch die Beziehung die nach und nach sich zwischen dem Sohn und der "Mutter" aufbaut ist sehr gelungen, da man auch ohne Worte merkt, dass die beiden sich immer wie mehr gern haben. Doch der Kuss wäre nicht nötig gewesen.
Der Film ist charmant, witzig, traurig, tragisch, interessant und man fühlt mit den zwei Figuren mit. Ein sehr positiv ausgefallener Film, der für mehr Toleranz fordert und der die "kleinen" Menschen unter uns Mut macht. Ein Film der zeigt, dass man nicht unbedingt einen Vater oder eine Mutter braucht um eine Familie zu haben, die einen liebt.
PS: Kann mir jemand sagen, ob Felicity wirklich so eine tiefe Stimme hatte oder ob man einfach dann mit einer tieferen Stimme synchronisiert hatte?

fearing is believing's Wertung: 5.0 Sterne


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