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Paradise Now oder: Apocalypse Right After


Seit dreissig Jahren existiert der israelisch-palästinensische Konflikt. Wenn etwas so lange andauert, macht sich Gleichgültigkeit bemerkbar. Nicht nur im Westen, wo sich die Bilder von zerstörten Bussen und Ambulanzen in den Fernsehnachrichten wiederholen, auch im Kriegsgebiet selber. In Nablus ist Töten alltägliches Geschäft. Das zeigt Paradise Now. Bekenntnisreden von Attentätern sind dort die Renner in den Videotheken. Als er fürs Selbstmordkommando rekrutiert wird, sagt Kahled nur: "Ich habe lieber das Paradies im Kopf, als die Hölle auf Erden".

Unter solch mörderischen Umständen einen Film an den Originalschauplätzen zu drehen ist nicht einfach. Der palästinensische Regisseur Hany Abu-Assad arbeitete mit einer ziemlich grossen Crew und bezeichnet es im Nachhinein als "kranke Idee". Unterbrüche waren beim Dreh an der Tagesordnung. Das Endergebnis sind nüchterne Bilder im Widescreen-Format. Ein radikal zurückgenommener Film, der nicht einmal zum Abspann Musik liefert. Im Kopf bleiben nur die absurdesten Bilder hängen. Zweimal funktioniert die Videokamera nicht bei der Aufnahme des Märtyrervideos und es wird trotzdem weiter Pitabrot gemampft. Wenn die Attentäter ein letztes Mal zusammensitzen zitiert man Da Vincis "Abendmahl". Das Dilemma, mit einer Bombe um den Bauch auf die Toilette zu müssen, wird ausführlich gezeigt.

Explizit Stellung für eine der Parteien im Nahostkonflikt nimmt Paradise Now aber nicht. Auch wenn am Schluss das moderne Tel Aviv stark mit dem wüsten Nablus kontrastiert. Vielleicht gewann der Film deshalb den Publikumspreis der Berlinale 2005. Von erstem Mal Sehen bis zum Schreiben dieser Review verging bei mir genau ein Monat. Viele Handlungsstränge gingen dabei schon wieder vergessen. Das zeigt, auch ein guter Film kann die lethargische Gleichgültigkeit über einen jahrzehntelang schwellenden Konflikt nicht wettmachen.

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rm's Wertung: 4.5 Sterne

Ein heikles Thema. verständlich, dass man dabei sehr vorsichtig umgeht, nicht parteisch zu sein oder eine klare stellung zu beziehen. aber für mich ganz klar, der film zeigt die sinnlosigkeit dieser eh für uns westler nicht nachvollziehbaren märtyrer-taten. Wer könnte uns schon das Paradies verkaufen, wenn es keine Garantie dafür gibt? Und wer beschliesst für uns, dass wir als nächstes als Selbstmordattentäter in Frage kommen? Diese "Gehirnwäsche", so unverständlich dies für uns ist, haben unsere zwei Hauptprotagonisten hinter sich und sind mir-nichts-dir-nichts dazu bereit, sich von einem tag auf dem anderen in die luft zu sprengen. Die Szene, wo sie für ihre Familien ihre letzte video-botschaft hinterlassen, zeigt klar die lächerlichkeit dieses Kommandos. Die einen futtern unbehelligt ihre fladenbrote, während der Attentäter vor laufender Kamera seine Gründe für seine Tat für die Nachwelt speichert, natürlich mit einem maschinengewehr in der einen hand und mit einem blatt in der anderen, wo alle floskeln draufstehen... wieso sie nun als held in die geschichte eingehen werden.

Die Familien werden nicht eingeweiht, Ehre genug, dass ihr Sohn als Held sterben durfte. Die einzige Person, die klar stellung gegen diese taten bezieht, ist die aus dem ausland zurückgekehrte tochter eines nachbarn, sozusagen die stimme aus dem westen. Man bekommt mitleid mit den beiden selbstmord-attentäter und es kommt sogar spannung auf, wie die sache nun ausgehen mag. mehr dazu sei nicht verraten.

ein film, der viele fragen aufwirft und keine konkreten antworten gibt, ohne mahnfinger. einer, der zum nachdenken zwingt.

lafrecciablu's Wertung: 5.0 Sterne

bei 72 jungfrauen pro märtyrer dürfte das paradies, über kurz oder lang, sowieso an jungfrauenmangel leiden...

papp's Wertung: Noch nicht bewertet

Der Stern hat Fotos vom Set.

rm's Wertung: 4.0 Sterne

ich nahm mit grossen erwartungen im kino platz, wobei ich mich in der pause schon fast einwenig entäuscht erheben musste. ich hatte viel mehr emotionen erwartet und finde die mangelnde auskostung gewisser momente ein wenig traurig, wei zb dess letzte abendessens. Der film hatte für mich eine viel zu umfangreiche handlung, also es geschahen viel zu viele aktionen hintereinander wobei man sich gar nicht mehr in jede situation hinenfühlen konnte. man muss dem film jedoch lassen das er das brisante thema ziemlich gut und neutral hervorbringt und mit einer priese humor auch ein wenig unterhaltung in den kinosällen verbreitet. beim schluss stiegen mir dann auch schon fast die tränen in die augen, als der eine märtyrer ins handy in einem gebrochenen englisch sagt:"yes go back."

Hansiman's Wertung: 3.0 Sterne

Nicht ohne Nebengeräusche ging die Premiere von Paradise Now in Wien von statten, wie Der Standard vermeldet.

Wien - Für heftige Emotionen sorgte die Österreich-Premiere des umstrittenen Films "Paradise Now" im Rahmen der Jüdischen Filmwoche Donnerstag Abend im Wiener Urania Kino. Flugblätter und Publikumsstimmen während der Vorführung, die von einer anschliessenden Podiums-Diskussion begleitet war, kritisierten den Streifen über zwei junge Palästinenser, die als Selbstmord-Attentäter angeheuert werden, als "antisemitisch".

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) hatte bereits im Vorfeld die Organisatoren der Filmwoche für die Programmierung des "Skandalfilms " kritisiert, der unter anderem bei der vergangenen Berlinale mit dem Amnesty International Filmpreis ausgezeichnet wurde und am 18.11. regulär im Kino startet. "Antisemitischer Wahnsinn", "Wo bleiben die Opfer?" und "Jetzt noch Jud Süss" tönte es während der Projektion aus dem Publikum. In dem von der Gruppe Cafe Critique verteilten Flugblatt wird dem Film von Hany Abu-Assad vorgeworfen, er rechtfertige und verharmlose die Selbstmord-Attentate, indem er Verständnis für die Täter zeige, aber die jüdischen Opfer ausspare.

Heftige Debatte

"Profil"-Kulturchef Stefan Grisseman und Renate Schmidt-Kunz von der ORF-Abteilung Religion betonten dem gegenüber in der immer wieder von Unmutsäusserungen aus dem Auditorium begleiteten Diskussion, der Film stelle in grosser Ausgewogenheit die kontroversen Positionen auch innerhalb der palästinensischen Gemeinschaft dar. "Ich glaube nicht, dass er in Damaskus ausschliesslich Applaus bekommen würde", meinte auch Tarafa Baghajati, Vizepräsident des ENAR's European Network against Racism und Mitbegründer des Initiative moslemischer ÖsterreicherInnen. Der Islam verurteile im übrigen Attentate.

Die Debatte spitzte sich auf die Grundsatz-Frage zu, ob der Nahost-Konflikt ein religiöser oder politischer sei. Heftig wies Baghajati die unter anderem von IKG-Mitglied Willi Weisz geäusserte "ungeheure Unterstellung" zurück, palästinensische Organisationen würden zum weltweiten Judenmord aufrufen. "Was in Israel passiert, ist kein Antisemitismus, sondern es geht um die Okkupation", so Baghajati. Wenn man in Palästina sage "Die Juden kommen", meine man damit israelische Soldaten, nicht generell Juden, das sei aber ein linguistisches Problem.

"Fehl am Platz"

Auch der Zeitgeschichtler Frank Stern verwies darauf, dass aus Protokollen verhinderter Selbstmordattentäter keineswegs Antisemitismus als gemeinsamer Nenner sichtbar werde, das Thema vielmehr sehr komplex sei. Antisemitische Einstellungen und "Israel-Bashing" seien aber eng verknüpft, meinte Weisz, während die Publizistin und Historikerin Rita Koch, ebenfalls IKG-Mitglied, betonte, der europäische Antisemitismus lasse sich schwer vergleichen mit antijüdischen Animositäten in anderen Kulturen. Der Streifen müsse im Kontext des weltweiten Terrorismus gesehen werden und sei als absolut politischer Film in einer Jüdischen Filmwoche "fehl am Platz", auch wenn er hinsichtlich seiner Brisanz überbewertet werde.

Laut dem deutschen Ko-Produzenten Gerhard Meixner hat der Film nur im deutschsprachigen Raum derart starke Kontroversen ausgelöst. In Frankreich und den USA sei er von der Kritik und auch von jüdischer Seite gut aufgenommen worden, ebenso in Israel. Die israelische Zensur-Behörde habe ihn "exzellent" bewertet, der israelische Filmfonds unterstütze den Verleih.

Die Organisatoren des Cambridge Film Festival hatten den Film im Juli nach den Londoner Terroranschlägen allerdings aus dem Programm genommen.(APA)

rm's Wertung: 4.0 Sterne


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