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Züri brännt oder: Macht aus dem Staat Gurkensalat!


Züri Brännt ist eine Chronik des "heissen Sommers" von 1980 in Zürich. Von den Aktivisten des Videoladens Zürich selber auf Video aufgenommen und produziert, ist der Film natürlich nicht die Bohne objektiv. Wer trotzdem wissen will, was sich zu der Zeit in Zürich nach den Opernhauskrawallen und im autonomen Jungendzentrum (AJZ) abgespielt hat, kommt um diese DVD nicht herum. Sogar die Wikipedia-Artikel zum Thema, sind während dem Verfassen dieser Rezension (noch) dürftig.

Dass die Unruhen zu Beginn der 80er Jahre den Weg ebneten für Zürich als Partystadt Europas inklusive der jährlichen Durchführung der Street Parade ist sattsam bekannt. Züri brännt ist aber auch medienhistorisch interessant. Die Erschwinglichkeit von Video ermöglichte einen viel autonomeren Umgang mit bewegten Bildern über die Bewegung. 1968 wäre ein Film wie dieser noch nicht möglich gewesen. Gleichzeitig ist Züri brännt aber auch eine Art Grossvater des Ballungsraumfernsehens TeleZüri. Interessanterweise wird dessen Initiator Roger Schawinski im Film noch als "Demagoge" angefeindet, der mit Radio 24, das Publikum mit einem "seichten 24 Stunden Programm miesesten amerikanischen Zuschnitts" berieselt.

Sogar die NZZ erkannte vor 25 Jahren die Anleihen am revolutionären russischen Kino. Die geschwollene Rhetorik im Voice-Over des Films ist denn auch gewöhnungsbedürftig. Züri brännt wird aber immer besser. Nach der Bestürzung über den Polizeieinsatz ist er gegen Schluss sogar brüllend komisch. Der legendäre Auftritt von Herr und Frau Müller in der Sendung "CH-Magazin" des Schweizer Fernsehens wird von einem gespielt Betrunkenen, der sich die Sendung anschaut und kommentiert, noch lustiger gemacht, als sie ohnehin schon ist.

Für die DVD wurde der Film zwar sorgfältig restauriert und entspricht den am besten erhaltenen Originalbändern, die aber immer schon nicht über alle Zweifel erhaben waren. Im Bonusmaterial, das aufgeteilt auf sechs weiteren Videos mehr als 90 Minuten Extraspass enthält, gibt es auch Farbiges aus der wilden Zeit. Unter anderem "CBS Action" in dem das US-Politmagazin "60 Minutes" sich fragte "What's wrong with Switzerland?" und ein eigenes Reporterteam in die Limmatstadt entsandte. Desweiteren zu sehen: Die berühmten Nacktbader, erste Formen der Street Parade, und wer genau aufpasst, erkennt Regisseur Samir mit Hornbrille und Ziegenbart.

Das beigelegte Booklet enthält zwei Texte zur damaligen Haltung und den Ansichten der Aktivisten des Videoladens sowie zu den technischen Bedingungen, unter denen 1980 mit Video gearbeitet wurde. Als Besonderheit kann die längst vergriffene Broschüre, die 1981 zum Film herausgegeben wurde, als pdf-Dokument von der DVD heruntergeladen werden.

Summa Summarum ist die Züri brännt-DVD einfach der Plausch, wie es damals noch hiess, als "geil" noch nicht in Mode war. Und dank rudimentären Untertiteln und fast wörtlicher Übersetzung in Deutsch, Französich, Italienisch und Englisch auch für ein viel grösseres Publikum interessant als der Originalfilm es je war.

» Die komplette DVD-Kritik lesen

rm's Wertung: 6 Sterne

schon nur auf grunde des faktums, dass dieser film die stimmung einer generation wiedergibt, bin ich gezwungen die volle punktzahl zu wählen. witzige szenen wie zb die show mit hans müller und deprimierende musik zu grauen strassen lassen einen die damals geherrschte stimmung nachfühlen.

Hansiman's Wertung: 6.0 Sterne


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