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Beitrag Sophie Scholl - Die letzten Tage

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Sophie Scholl - Die letzten Tage oder: Beeindruckendes Zeitdokument!


Alleine schon die Thematik, aber auch eine ungefähre Kenntnis der Vorkommnisse um "die weisse Rose" lassen einen schwermütigen Filmabend vermuten. Sich davon abschrecken zu lassen, wäre aber ein grosser Fehler.

Nicht erwarten sollte man eine umschweifende Einführung. Sophie Scholl ist mit "Die letzten Tage" untertitelt, also beginnt der Film denn auch am Vorabend der Flugblattaktion an der Münchner Uni. Umso mehr Gewicht wird demzufolge auf das Danach, auf die Verhöre und die Verhandlung gelegt, die die junge Frau über sich ergehen lassen muss, äusserlich standhaft bleibend, mutig und überzeugt, aber auch ihrer Verzweiflung, der sie nie gegenüber der Nazischergen Luft gibt, sich aber in leisen und stillen Momenten in der Zelle an ihre Aufpasserin und Mitinsassin wendet, wird Raum gelassen. Dabei wirkt der Film nie rührselig oder pathetisch. Die Inszenierung ist satt und sehr stimmig, hält sich sehr eng an Fakten und lässt trotz gewollter Musse und Ruhe eine innere Unruhe, zumindest bei meiner Wenigkeit, aufkommen. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der hervorragenden Darsteller - man muss an dieser Stelle kaum mehr auf die glänzende Leistung von Julia Jentsch eingehen - die mit einer unglaublichen Überzeugung und doch genau richtig temperiert agieren.

Ein wenig mehr Zurückhaltung hätte ich mir vor allen Dingen in den Anfangsszenen in musikalischer Sicht gewünscht. Hier wäre weniger durchaus mehr gewesen, vor allem stilistisch langt das Komponistenduo mit beinahe technoiden Rhythmen ziemlich daneben. Die Gerichtssitzung ist inszeniertes, verächtliches Nazitheater, unbegreiflich schaut man dem Treiben sogenannter Richter und Juristen zu, denen Führer und Vaterland immer näher standen als Moral und Menschlichkeit. Unvorstellbar und doch jederzeit irgendwo wieder möglich?

Sophie Scholl ist ein eindringlicher, bleibender Film, ein wichtiges Zeitdokument und Meisterwerk aus Deutschland. Grandios!

Extras: Doch, die 2 Disc Edition ist wirklich gelungen. Auf der ersten DVD, die auch den Hauptfilm enthält, finden sich Audiokommentare und zusätzliche Szenen, wobei einige davon erweiterte Szenen der endgültigen Fassung sind (alle leiden ein bisschen unter einer eher mässigen Bildqualität mit ruckeln). Allen voran die Gerichtssequenzen der drei Angeklagten sind in etwas anderer, ausgedehnter Form enthalten. Die zwei Outtakes sind ziemlich unnötig. Auf der zweiten Disc interessiert vor allem das rund 75 minütige Dokument "Zeitzeugen im Gespräch". Allerdings muss man bei den vielen in den Gesprächen genannten Namen schon auch ein bisschen Vorbereitung mitbringen, um den Interviewten folgen zu können. Auf Texttafeln sind Original-Dokumente aus den Verhören und Protokollen nachzulesen. Vielleicht hätte man noch eine kurze Doku mit Bildzeugnissen, so es diese gab, anfügen können. Ein wenig mag das Bild unter der Kompression leiden, vielleicht sind zu viele Extras auf die erste Disc mitgepackt worden. Der Stimmung des Films tut das allerdings wirklich keinen Abbruch.

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pb's Wertung: 6 Sterne

Sophie Scholl - die Idee überlebt

Sophie Scholl war verantwortlich für das Verteilen von Flugblättern in deutschen Universitäten und wurde auf frischer Tat ertappt. So fand sie sich bald in der gerichtlichen Maschinerie wieder, die jedes Aufjucken gegen den Führer überhaupt nicht tollerierte.

Vergangenheitsbewältigung soll ja inn sein, so zeugt der Film auch von dem Krampfhaften Versuch der deutschen, jeden auszuschalten, der auch nur aufjuckt und seinen Mund gegen das Regime aufmacht. Sophie ist einer dieser Kandidaten, nach einigen erfolgreichen Flugblätterverteilungen, sich in einer an der Uni so ungeschickt an, dass sie erwischt werden.

So kommt sie und ihr Bruder unter die Räder eines Gesetzaparates, der kein aus der Reihe tanzen duldet und schon gar nicht an der Wahrheit interessiert ist. Klingt nach enorm viel Spannung, etwas, das ich auch erwartet habe, viele Szenen verpuffen aber ohne eine Spannung aufzubauen.

Die Verhöre zum Beispiel. Die wollen ein Geständniss aus ihr heruspressen und mit etwas Quatschen und ins Gesicht blenden ist das noch lange nicht getan. Es wird zwar viel geredet aber wirklich emotional wird es selten.

Dazu kommt noch der absolut unausgereizte Schauprozess. Durch die ungünstige Theaterperspektive und den eher trägen Kameraführung, verliert diese Sequenz absolut an ihrer Spannung und wirkt dadurch so aufgesetzt, dass es sich eher ins lächerliche zieht als das Protokoll einer richtigen Verhandlung. Hätte man mit etwas aktiverem Publikum und einen passend unterlegten Soundtrack mehr herausholen können. So verklingt der Prozess recht schnell und die Machtlosigkeit kommt nur schlecht zur geltung.

Wie auch immer, ansonsten werden die Personen zwar glaubhaft aber eher Steif gespielt, dafür werden sie von einem ausgezeichneten Soundtrack unterstützt, der mich aber Streckenweise gefählich an Terminator 2 erinnert hat.

Fazit:Sophie Scholl ist ein Film der eine absolut emotionslose Dokumentarische Umsetzung hat, der eher an ein Theater erinnert als an eine reale Situation. So kommt der Film auch eher träge und wie zu vermuten Dialoglastig daher, und wie auch die Titanik steuert er sehr Direkt und Schnörkellos auf sein Ziehl zu.

[Editiert von Skynet am 2006-01-25 12:59:35]

db's Wertung: 4.0 Sterne

sky, vielleicht solltest du dich mal etwas mit dem 2. Weltkrieg und der politischen Lage in D zu der Zeit auseinandersetzen. Die Prozesse liefen so ab, ja, genau so, da war ein richter, der eigentlich gar nichts anderes als seine meinung zuliess, es waren keine sitzungen wo sich angeklagte wirklich hätten verteidigen können - so weit liess man das gar nicht kommen. willkommen im 3. reich, wo das recht nur noch bei den faschisten lag und recht längst keines mehr war.

falsche interpretation von dir!

pb's Wertung: 6.0 Sterne

Ja ich weis, dass es so ablief und ich weis, dass es keine Möglichkeit gab sich zu verteidigen. Aber von einem Showprozess erwartete ich etwas mehr, als was die da geboten haben. Bei anderen prozessen, die genau so eine Farce waren, begann ich den Ankläger richtig zu Hassen, bei Scholl war das nicht so. Zu schnell wurde es abgewickelt, zu lächerlich der Richter, zu schlecht seine Argumente. Ausserdem hätte ich etwas mehr aufhetze erwartet. Eben, mag schon authentisch sein, aber ich bin enttäuscht... oder vielleicht habe ich auch zuviel erwartet... 8)

db's Wertung: 4.0 Sterne

tja, tut mir leid für dich, dass die realität sich nicht an deine vorstellung von rasanter inszenierung hält (die sich anscheinend sehr an plakativität, grellen farben und pompösen fanfaren ausrichtet und feine töne als langweilig betrachtet, aber dies nur nebenbei...). aber vielleicht ist dies ganz einfach kein film für dich, auf jeden fall mutet es mich etwas seltsam an hier eine beurteilung zu lesen, die in etwa gleich tönt, wie wenn du irgendeinen x-beliebigen action-film kritisierst...

was mich aber interessieren würde: was waren denn das für andere schauprozesse (nicht showprozesse... wobei genau dieses missverständnis wohl erklärt, warum du nicht begriffen hast, um was es diesem film geht), die du gesehen hast?

übrigens: richter in einem schauprozess brauchen keine argumente, schau dir mal doks über freisler-prozesse an. alles was der dreckskerl macht, ist die angeklagten auf's übelste zu beschimpfen... das urteil steht eh schon fest...

das lief dann etwa so ab (prozess gegen ulrich wilhelm graf schwerin von schwanenfeld (einer der mitverschwörer des attentats vom 20. juli 1944):

- Schwerin: "Herr Präsident, was ich an politischen Erfahrungen persönlich gemacht habe, hat für mich mancherlei Schwierigkeiten in der Folge gehabt, weil ich ja sehr lange für das Deutschtum in Polen gearbeitet habe und aus dieser Zeit heraus ein vielfaches Hin und Her in der Einstellung gegenüber den Polen praktisch erlebt habe. Das ist eine ..."
- Freisler: "Ein Hin und Her, das Sie dem Nationalsozialismus zur Last legen?"
- Schwerin: "Ich dachte an die vielen Morde ..."
- Freisler (schreiend): "Morde?"
- Schwerin: "Die im In- und Ausland ..."
- Freisler: "Sie sind ja ein schäbiger Lump! Zerbrechen Sie nicht unter Ihrer Gemeinheit? Ja oder nein? Zerbrechen Sie darunter?"
- Schwerin: "Herr Präsident!"
- Freisler: "Ja oder nein? Eine klare Antwort!"
- Schwerin: "Nein."
- Freisler: "Sie können auch gar nicht mehr zerbrechen, Sie sind ja nur noch ein Häuflein Elend, das vor sich selber keine Achtung mehr hat."

transkript gefunden auf wikipedia

[Editiert von gargamel am 2006-01-25 11:23:34]

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

da sophie scholl ja sehr authentisch verfilmt wurde und bestehende Verhör- als auch Gerichtsprotokolle zT 1:1 übernommen wurden, darf man einfach annehmen, dass es so war wie es der film zeigt. die krux des films ist ja nicht die gerichtsverhandlung an sich sondern das was sophie scholl während dieser zeit durchmacht.

pb's Wertung: 6.0 Sterne

vielleicht drücke ich mich etwas ungenau aus, gargamel hat auch laut der Wertung den Film noch nicht gesehen. Darum kannst du auch nicht ganz sehen was ich zu sagen versuche.

Was ich einfach vermisste an dem Film war, dass irgendwie durch die Kameraführung und die Inszenierung irgendwie der enorme Druck nicht zur geltung kommt. Die Frontalaufnahmen und die beinahe belanglos gespielten Verhöre erweckten bei mir irgendwie nicht den Eindruck der Qualen die sie durchlief. Vielleicht kommt das auch von der eher Theatermässigen Kameraführung, die wohl eher den Eindruck eines Kammerspieles erweckte als einer Realen Situation. Darum wirkte wohl auch der Richter auf mich so übertrieben, da es mir nie wirklich real vorkam.

Habe zwar nichts gegen langsame Filme, und an the Pianist, der Untergang und Schindlers Liste konnte mich auch überzeugen. Einfach an Scholl blieb hinter meiner Erwartungen zurück.

[Editiert von Skynet am 2006-01-25 11:33:22]

db's Wertung: 4.0 Sterne

dass scholl am schluss hingerichtet wurde fand ich auch total unnötig... ich meine, der film war schon düster und langfädig genug, sie hätten am schluss schon noch einen ausbruch einflechten können, der das ganze mit ein wenig action aufgefrischt hätte... cool wär' auch noch gewesen, wenn sophie in wirklichkeit eine amerikanische geheimagentin gewesen wäre und am schluss noch hitler umgebracht hätte... }:)

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

@skynet: also, was für schauprozesse?

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

nein, ich hab' ihn nicht gesehen, aber ich denke ich hab' ein ganz gutes bild davon (aus deiner kritik und aus pbs kritik und dem wissen um eure sonstigen vorlieben...).

die realität ist kein hollywoodfilm und das böse ist banal (was wir spätestens seit hannah arendt wissen) und das ganze nazibrimborium war schlussendlich nur schmierentheater, das eigentlich nur lächerlich wäre, wäre es nicht so abgrundtief böse.
sei mir nicht böse, aber ich glaube, dass dir das historische wissen fehlt, um diesen film wirklich beurteilen zu können...

[Editiert von gargamel am 2006-01-25 12:29:29]

gargamel's Wertung: Noch nicht bewertet

böse bin ich nicht, war eine interessante informative Diskussion, die mir auch gezeigt hat, dass ich die Kritik gestern aben wohl etwas emotional geschrieben habe und wohl die Punkte etwas falsch gewichtet habe.

Es ist schon möglich, dass mir einige Aspekte auf diesem Gebiet fehlen. So habe jetzt nochmals die Kritik umgeschrieben, die etwa das zeigt, was mich anscheinend wirklich gestört hat. Nicht der Inhalt der war anscheinend gut, sondern einfach die emotionslose Umsetzung...

db's Wertung: 4.0 Sterne


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