Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Novecento
Novecento oder: Italienische Arbeiter- und Familienchronik Bernardo Bertolucci hat mit 1900 ein monumentales Werk geschaffen, nicht nur was die Länge des Films betrifft, die mit über fünf Stunden wahrlich gutes Sitzfleisch verlangt. Auch die Besetzung darf sich mit prächtigen Namen schmücken: Robert DeNiro, Gérard Depardieu, Burt Lancaster, Donald Sutherland. Grosse Schauspieler des internationalen Kinos. Der italienische Regisseur und spätere Oscargewinner für The Last Emperor setzt mit seinem Film, der eine Zeitspanne von rund fünfzig Jahren umschreibt, eine Lebens- und Leidensgeschichte um, die die sozialistisch-kommunistische Arbeiterbewegung, das Grossbesitzertum und den Faschismus in Italien erzählt, fokusiert auf die beiden Hauptcharaktere Olmo und Alfredo, die wir von Kindesbeinen an begleiten. Bertolucci stellt die angestellten (ausgenutzten) Bauern, ihr mühseliges Leben und Arbeiten und ihren Zusammenhalt dem reichen, besitzerischen Eigentümertum gegenüber, wieder in der Verbindung von Olmo und Alfredo, die trotz aller Gegensätze eine Lebensfreundschaft aufbauen können. Bertolucci benutzt oft gross inszenierte Bilder (brillante Kameraarbeit von Vittorio Storaro) und markige Dialoge um die Geschichte in plus und minus, pro und contra zu setzen. Die Männerfreundschaft dient dabei als Bindeglied, das manchmal befremdlich wirkt. Zuletzt weiss man in der Tat nicht zu wessen Wohl oder Unwohl die Geschichte endet. Ich habe den Film in fünf oder sechs Teilen geschaut, durchziehen in einem wäre doch etwas zu viel verlangt gewesen. Obwohl man durchaus der Geschichte und der Entwicklung folgen möchte, gewisse Attribute wie der böse Attila und seine Gefolgin und der ein oder andere Erzählstrang sind doch recht zäh oder dann auch wieder zu knapp angerissen. Diese Doppel-DVD von 1900 zeigt die ungekürzte Version des Films, es sind also auch jene für Aufsehen sorgenden, für damalige Zeiten pornografischen und umstrittenen Sequenzen enthalten (ja, man sieht den eregierten Willi vom DeNiro Röbi und dem holden Gérard). Das Bild ist insgesamt als sehr schlecht zu bezeichnen. Es stellen sich die Fragen, ob keine bessere Masterquelle mehr existiert und ob man nicht wenigstens ein bisschen Bildrestauration hätte betreiben können? Von Grobkörnigkeit, Kratzern und Schleifspuren über eine recht deutliche Unschärfe, fast alles vermiest einem hier den optischen Genuss. Ein anderes Problem ist die Synchronisation der Stimmen. Da Bernardo Bertolucci teilweise auch mit italienischen Laien drehte, mussten diese Stimmen natürlich auf Englisch synchronisiert werden. Das klingt dann oft ziemlich daneben, in der Englischen, wie auch in der Deutschen Fassung. Ansonsten gibt es leider gar keine Extras, ein weiteres, grosses Manko dieser Veröffentlichung. |
sergio leones"once upon a time in america"behandelt in etwa die gleiche zeitspanne ist auch sehr lang und wird allgemein besser bewertet.weshalb ? |
das ist eine gute frage. |
interessanter Hinweis auf imdb.com
|
wie schon gesagt, wie tief müssen die Filme noch sinken um aufzufallen. |
Zitat Skynet (2005-07-31 18:24:00)
|
Zitat Skynet (2005-07-31 18:24:00)
man sollte vor allem nicht vergessen, in welcher Zeit 1900 gedreht wurde und dass der Film nichts mit derartigen absichten, die du unterstellst, zu tun hat. die zeit war anders und die einstellung war anders. @markus: eben diese szenen sind drin, aber 5,5 std. ist omdb-übertrieben. |
Ein wirklich guter Film mit beeindruckenden Bildern. Robert DeNiro spielt auch in seinen jungen Jahren brilliant. Schade nur, dass die Umsetzung auf DVD @papp: once upon a time in america (auch ein genialer film) behandelt zwar die gleiche Zeitspanne, aber ich finde er ist von der Stimmung ganz anders aufgebaut. Wenn man beide Filme gesehen hat, erhält man quasi einen Eindruck der damaligen Zeit aus der Sicht von 2 verschiedenen Menschen (Leone und Bertolucci) - fast so wie bei Instance of a fingerpost. Daher möchte ich kaum einen Vergleich machen. Man sollte beide gesehen haben. |
Zitat navi_t (2005-08-03 12:11:44)
ja, wie im review erwähnt, wirklich eine minderwertige bildqualität, sehr schade leider! |
Zitat:pb
Alfred Hitchcock (1899-1980) |
endlich mal ein gutes zitat! |
306 Minuten? Am Stück geguckt? Ohne vor zu spulen? Respekt, pb! |
"Ich habe den Film in fünf oder sechs Teilen geschaut, durchziehen in einem wäre doch etwas zu viel verlangt gewesen." muscht du kritik lesen, muri! |
Zitat pb (2005-08-05 09:44:04)
hab ich tatsächlich überlesen... *schäm* |

