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Marebito oder: Heute schon Blut geleckt?


Takashi Shimizu hat noch anderes drauf, als immer nur Variationen seines Ju-On/The Grudge-Themas abzuliefern. Bis jetzt hat der Mann in Japan und den USA insgesamt sieben Filme dieser Art gedreht, oder wird sie noch drehen. (Stand Juli 2005). Zwischen der dritten japanischen Version und dem US-Remake mit Sarah Michelle Gellar fand er gut eine Woche Drehzeit für Marebito.

In schlichten Videobildern folgt er mit seiner Kamera einer einsamen Seele in der Grossstadt. Er zeigt ein heruntergekommenes Tokio mit dreckigen, unterirdischen Röhren und der Agglomeration, die durch das Fehlen von japanischen Schriftzeichen und auf Glanz polierten Oberflächen irgendwie unjapanisch wirkt. Der penetrante Gebrauch vom Voice-over von Masuoka ist nicht sehr tiefgründig. Das könnte aber an der rudimentären englischen Untertitelung liegen, mit der die Version am Neuchâtel International Fantasy Film Festival (NIFFF) unterlegt war. Er erzählt, was er jetzt sieht. Es gibt von ihm keine Vorgeschichte. Masuoko ist wie eine Figur wie aus einem Film von Michael Haneke, besessen vom Videobild und unfähig zur sozialen Bindung. Bei der Arbeit hat er es mit oberflächlichen Charakteren zu tun. F, wie er die stumme Frau nennt, die er in der U-Bahn aufgelesen hat, wird sein ein und alles. Die Massnahmen, die er ergreift, um die Bedürfnisse seiner Mitbewohnerin zu befriedigen, werden immer extremer, sind aber nie sexueller Natur.

Schon früh im Film erfährt Masuoko von einem Obdachlosen von den Deros, welche das U-Bahn-System bewohnen. Gollumartige Kreaturen, die glücklicherweise nicht oft gezeigt werden, was eh nicht zur Stimmung des Films gepasst hätte. Ausser eben diese F, der man bestürzt zuschaut, wenn sie am Fläschchen voller Blut nuckelt. Es gibt Schockeffekte in Marebito, aber in viel kleinerem Ausmass als in Shimizus anderen Filmen. Marebito ist eher eine Parabel auf die urbane Vereinsamung und die Medienbilderwelt, die uns umgibt, und deshalb mehr als nur ein weiterer Vertreter der Gattung, die als "J-Horror" die Kinosäle rund um den Globus in Panik versetzte.

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rm's Wertung: 5 Sterne


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