Forum Movies - Reviews: Kino

Beitrag The Sea Inside - Mar adentro

» Zum letzten Beitrag springen

The Sea Inside - Mar adentro oder: Nicht in trübe oder unbekannte Gewässer springen!


Warum gewinnt ein Film über eine Tetraplegiker, der sterben will, haufenweise Filmpreise (Golden Globe, Silberner Löwe in Venedig, Europäischer Filmpreis) - noch dazu über einen galizischen Poeten, der das Meer liebt?

Nun, der vom Hals abwärts Gelähmte, um den es in Mar Adentro geht, ist Ramón Sampedro. Ein Mann, den es wirklich gab, der gemäss vieler Quellen ein intelligenter, witziger Scharmbolzen war. Obwohl er ausser den Augen nicht mehr viel bewegen konnte, immer noch ganz der Latino, betörte er die Frauen reihenweise. Sein Kampf gegen katholisch-konservative Wertvorstellungen für das Recht auf den Freitod tun ein Übriges, dass ein Film über universelle Themen wie die Liebe und den Tod entsteht.

Der spanische Regisseur Alejandro Amenábar (The Others) geht mit diesen schweren Themen mit einer Leichtigkeit um, die seinesgleichen sucht. Trotz der vielen Bezugspersonen zu denen Sampedro die verschiedensten Formen der Liebe pflegte (Mutterliebe, Bruderliebe, Liebe zwischen Vater und Sohn) ist der Film flüssig erzählt. Eine wunderschöne Bildsprache zeigt, wie Sampedro seinem Körper entfliehen möchte, und wie mit seiner Behinderung zwei Meter zu einer unüberwindbaren Distanz werden können. Amenábar, der selber auch das Score schrieb, nützt auch die Musik meisterhaft im Film. Sampedros Liebe zu Opern, die ihn während seinen einsamen Stunden im Zimmer begleiteten, geben die Möglichkeit, Musik von Wagner und Puccini einzusetzen. Die Arie von Kalaf aus Puccinis Turandot ist, obwohl schon oft verwendet, wohl noch nie schöner eingesetzt worden, als in der Kussszene am Meer. Das Ding läuft seither bei mir auf repeat!

Der Auseinandersetzung mit dem Thema Euthanasie, fehlt trotz dieser fast kitschigen Szenen, nie die nötige Tiefe. Mar adentro wird Sampedros Kampf für die aktive/passive Sterbehilfe, der ihn zu einer Gallionsfigur machte, gerecht, indem er interessante Denkanstösse gibt, ohne in ein oberlehrerhaftes Mahnfingerschwingen zu verfallen. Im Gegenteil, wer solches vorhat - im Film macht das vor allem die Figur des ebenso gelähmten Padre Francisco - kriegt sein Fett ab.

Erwähnt man ausserdem die gute Darstellung von Javier Bardem, den man unter der Maske, die ihn zwanzig Jahre älter macht, fast nicht wieder erkennt und den Frauen im Film, die vielfach das erste Mal vor einer Filmkamera standen, wird schnell klar, warum dieser spanische Film Awards abräumt auf allen Kontinenten. Er ist zu recht ausgezeichnet.

» Die komplette Filmkritik lesen

rm's Wertung: 5 Sterne

ist der text unter dem bildli nicht aus turandot?

papp's Wertung: 5.0 Sterne

Zitat papp (2005-02-20 20:30:52)

ist der text unter dem bildli nicht aus turandot?


Bingo!

Zitat rm (2005-01-31 14:55:00)

Die Arie von Kalaf aus Puccinis Turandot ist, obwohl schon oft verwendet, wohl noch nie schöner eingesetzt worden, als in der Kussszene am Meer. Das Ding läuft seither bei mir auf repeat!

rm's Wertung: 5.0 Sterne

o.k. voll in die brühe getreten,kann aber zu meiner entschuldigung anführen dass das in der eigentlichen filmkritik nicht angeführt wurde und obigen text(fälschlicherweise)ignoriert habe :(

papp's Wertung: 5.0 Sterne

Puuuuuuuuhhhhh ziemlich schwere Kost liegt sehr auf dem Magen. Leben Tod, das kommt immer öfter im Kino oder ich laufe irgendwie in solche Filme immer rein.

Anmerkung noch für alle, falls irgendwelche Leute im Kino auf euren Sitzen sitzen, dann bittet sie gefälligst sich auf ihre Sitze zu setzen und nicht euch dann woanders hinzusetzen, ansonsten tretet ihr ein Odysee am Anfang des Filmes an und müsst euch immer wieder umsetzen!

Also Diskussionsstoff liefert der Film allemal, sterben oder nicht sterben, sterben wollen? Euthanasie ist ein schweres Thema, worüber dieser Film zum Nachdenken anregt. Was vielleicht etwas nebensächlicher gerückt wird ist leider die Sicht des Staates und der Kirche, denn diese wird entweder kurz oder schlecht dargestellt. Natürlich bin ich nicht der Meinung der Kirche, aber dargestellt wurde sie hier eher blossstellend, was sie oft ist, aber nicht immer. Anonsten sind die Figuren wunderbar, wunderschön nah an einem noch europäischen Familienbild, das ich kenne. Und beängstigend, dieses fast unverzweifelte Verlangen nach einem. Die Kameraführung leicht, zeigt das Amenabar ein Meister seiner Kunst ist. Natürlich bleibt auch immer etwas humorvolles abzugewinnen, aber der Ernst überwiegt, was mich doch gepackt hat. Das Ende verstörend oder nicht bleibt jedem überlassen, jedenfalls genug Stoff mit "Million Dollar Baby" um sich zu diesem Thema seine eigenen Gedanken zu machen.

[Editiert von 'Moviekritiker' am 15 Mrz 2005 17:11:21]

Moviekritiker's Wertung: 6.0 Sterne

Meiner Meinung nach wird in diesem Film der Euthanasie zuwenig Beachtung geschenkt, bzw. es fehlt eine wirkliche Auseinandersetzung. Mit schönen Bildern und den unterschiedlichsten zwischenmenschlichen Beziehungen wird der Betrachter emotional in den Bann gezogen, dass am Schluss das halbe Kino heult!

Schliesslich ist aufgrund verschiedenster Menschenbilder, dem Fortschritt in der Medizin und der Tatsache, dass wir alle früher oder später mit Leiden und Tod konfrontiert werden, genügend Diskussionsstoff vorhanden.

Ramón Sampedro argumentiert lediglich mit seiner fehlenden Freiheit (zum Strand zu laufen?) und gibt dabei einen Scheiss auf seine Familie, die sich rührend um ihn kümmert. Sein Umfeld versorgt ihn nicht mit Mitleid, sondern mit Aufmerksamkeit und Liebe. So auch die Fabrikarbeiterin, welche ihn regelmässig besuchen kommt und ihn von seinem letzen Willen bekehren will. Aber Ramón lässt sich auch hier nicht auf eine Diskussion ein, sondern gibt ihr zu verstehen, dass es sich nicht um die wahre Liebe handeln könne, wenn sie seinen Wunsch nicht unterstützt.
Einzige Konfrontation ergibt sich mit Padre Francisco, der aber eine so konservative Meinung vertritt, dass sie von Anfang an ins Lächerliche gezogen wird.
Der Film vermittelt ein wenig das Bild, wer der Gesellschaft nichts mehr bringen kann oder sich in seiner Haut nicht mehr wohl fühlt, schmeisst sich die letzte Pille rein! Ist das die moderne Vorstellung vom Sterben in Würde?

dom's Wertung: 4.0 Sterne

Ramón Sampedro argumentiert lediglich mit seiner fehlenden Freiheit (zum Strand zu laufen?) und gibt dabei einen Scheiss auf seine Familie, die sich rührend um ihn kümmert.

Diesen Eindruck hatte ich überhaupt nicht; ich denke dass Ramón die Unterstützung durch seine Familie sehr wohl zu schätzen wusste, vielmehr wollte er trotzdem sterben, was wiederum zeigt, wie stark sein Wunsch sein gewesen sein muss. Meiner Meinung nach ein Unterschied...

Chocolate's Wertung: 6.0 Sterne

die moralische frage lautet" soll der wunsch von jedem der sich umbringen will erfüllt werden?"man kann jetzt die schwere behinderung sampedros anführen, aber ist die von bspw. stephen hawking nicht noch viel grösser ? es ist imho absolut verwerflich bei kranken, behinderten etc.seine wertvorstellungen zu ändern .wenn wir also für aktive euthanasie "auf wunsch des kandidaten" sind können wir genausogut dem auf der" brücke stehenden "den letzten fusstritt verpassen.

papp's Wertung: 5.0 Sterne

Zitat Chocolate (2005-05-07 23:24:30)

Ramón Sampedro argumentiert lediglich mit seiner fehlenden Freiheit (zum Strand zu laufen?) und gibt dabei einen Scheiss auf seine Familie, die sich rührend um ihn kümmert.

Diesen Eindruck hatte ich überhaupt nicht; ich denke dass Ramón die Unterstützung durch seine Familie sehr wohl zu schätzen wusste, vielmehr wollte er trotzdem sterben, was wiederum zeigt, wie stark sein Wunsch sein gewesen sein muss. Meiner Meinung nach ein Unterschied...


Aber wenn er die Unterstützung seiner Familie schätzen würde, käme er meiner Meinung nach gar nicht auf die Idee seinem Leben ein Ende zu setzen. Weil er seine Beziehung zur Familie dann ein Geben und Nehmen wäre und er wäre sich bewusst, dass er durch seinen Tod eine grosses Loch hinterlassen würde. Dieser Gedanke ist einfach zu egoistisch! Und passt irgendwie auch nicht zu Sampedros Rolle.
Oder denkst du er macht entscheidet so, um der Familie einen Gefallen zu machen?

dom's Wertung: 4.0 Sterne

Oder denkst du er macht entscheidet so, um der Familie einen Gefallen zu machen?

Natürlich nicht! Ich bin lediglich nicht der Meinung, dass man nur auf den Gedanken des Selbstmordes bzw. hier der Sterbehilfe kommt, wenn man sich alleine fühlt, (Dies wäre ja der Standpunkt von Padre Francisco) und deshalb Ramón durchaus die Unterstützung durch seine Familie wahrgenommen und geschätzt haben kann.

[Editiert von 'chocolate' am 13 Mai 2005 11:27:54]

Chocolate's Wertung: 6.0 Sterne

wenn wir also für aktive euthanasie "auf wunsch des kandidaten" sind können wir genausogut dem auf der" brücke stehenden "den letzten fusstritt verpassen

Dass dieser Vergleich hinkt ist ja wohl offensichtlich... Der auf der Brücke Stehende kann seinem Leben selber ein Ende setzen.

Die ganze Diskussion liesse sich endlos hinziehen, schlussendlich dreht sie sich immer um die Frage, ob man das Leben als Recht oder als Pflicht ansieht, wie es auch im Film mehrfach gesagt wurde...

Chocolate's Wertung: 6.0 Sterne

Ein sehr eindrückliches Werk. Das Leben und der Tod des Ramón werden uns sehr autentisch und unzensiert zur Schau gestellt. Ohne Scheu vor heiklen Themen, aber immer mit einem gewissen Respekt hat Alejandro Amenábar einen hervorragenden Film geschaffen. Der einzige Minuspunkt ist die Länge, 125 Minuten sind einfach zu lange, deshalb 5 Sterne.

filmchefchen's Wertung: 5.0 Sterne


Beiträge suchen

Aktive Beiträge