Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Die fetten Jahre sind vorbei
Die fetten Jahre sind vorbei oder: Früher war rebellieren einfacher Macht Joschka Fischer etwas falsch, wenn er nach den Strassenkämpfen von früher, heute den Mächtigen dieser Welt Aug in Aug gegenübersitzt, und sich gleichzeitig mit einer Frau umgibt, die seine Tochter sein könnte? Ist eine Welt, in der man Miete zahlen muss, im Bus eine Fahrkarte lösen sollte und für den Schaden, den man verursacht, selber aufkommen muss, wirklich so ungerecht? Ist revoltieren gegen die Weltordnung kindisch? Zugegeben, es gab mal eine Zeit, da waren Revolutionen noch einfacher anzuzetteln. Haare die über die Ohren hingen, oder ein paar Jeans reichten schon. Heute ist alles erlaubt und jeder soll doch machen, was er will. Widerstand ist zwecklos geworden, und Jugendbewegungen sind schnell kommerzialisiert. Was tun also, wenn man trotzdem Teil einer Jugendbewegung sein möchte. Richtig, das ganze Jahr hindurch Schulsilvester in fremden Wohnungen feiern und dabei von der Weltrevolution träumen. Nur ja nicht mit den Mächtigen das Gespräch suchen, die werden schon früh genug selber drauf kommen, dass das System morsch ist, wenn die Ordnung in den eigenen vier Wänden durcheinander gerät. Sowas ist nicht innovativ sondern einfach nur naiv. Mit Sprüchen wie "Jedes Herz ist eine Revolutionszelle" kann man nur noch in der Oberstufe punkten. Wer sich seit dieser Zeit nicht verändert hat, wie das Die Fetten Jahre sind vorbei fordert, wird wahrscheinlich auch an der politischen Message des Films seine Freude haben. Nur als Film betrachtet, ist er ganz nett anzusehen. Daniel Brühl-Fans sehen sowieso in allem, was er auf der Leinwand macht, eine Offenbarung. Die Jule sieht ein bisschen aus wie Fiona Hefti, die amtierende Miss Schweiz, und wenn die zwei in einem Pool rummachen, ist das immer für ein paar gute Bilder gut. Atmosphärisch schwankt der Film zwischen Anspannung und komödiantischen Elementen. Er bietet auch einen tollen Soundtrack. Für das politische im Film bin ich aber vielleicht schon zu alt und gesättigt. Ich stelle zum Beispiel mit Schrecken fest, dass ich je länger je lieber die NZZ lese und mit dem Konzept von Hausschuhen habe ich mich auch schon angefreundet. Vielleicht liegt es daran, dass ich mir ob all der tobenden Glückwunschbekundungen an Regisseur Hans Weingartner im Netz nur die Augen reiben kann. Die Fetten Jahre sind vorbei prangert vieles an, lässt aber die arrivierte Gegenseite nur stammeln. Revoltieren ist wirklich nicht einfacher geworden. Es bleibt irgendwie kindisch. |
Manche leben mit einer so erstaunlichen Routine, dass es schwerfällt zu glauben, sie lebten zum ersten mal. (Stanislaw Jerzy Lec) |
dieser film ist etwas vom besten was es im Filmjahr 04 gab!! ich sage nur ''manche ändern sich nie'' mein Geheimtipp: für Dezember 04 |
Zitat Korben Dallas (2004-12-08 14:37:09)
normal, wenn das denken mit der geschwindigkeit eines gletschers vor sich geht... |
Ich finde den Film auch sehr gut! Schaue ihn mir heute ein 2. Mal an. Ein Film zum Nachdenken [Editiert von 'JoAnn' am 08 Dez 2004 17:24:05] |
Zitat gargamel (2004-12-08 15:58:22)
schon wieder ein angriff auf meine person, dieser gargamel (..hat zu viel schlümpfe gegessen, das hat im nicht gut getan,,,).. |
Hey das war einer der geilsten Filme, die ich je gesehen habe! Pure Lebenslust, Energie und vollgesteckt mit Humor. |
Ist ein wunderbarer Film. Pflicht für alle bis 25 und ab 40. Ich gehöre zur zweiten Gruppe (nur die Villa fehlt noch) und mir hat die Idee, das letztendlich beiden «Parteien» ein Spiegel vorgehalten wird, sehr gefallen. So ganz nebenbei fand ich auch die Musik und den Schnitt vom allerfeinsten. |
sodeli, damals hatte ich's verpennt den film gucken zu gehen, als er in der heimat lief. nun hab' ich's nachgeholt und kann endlich mitphilosophieren. juchee, freu' ich mich darüber. klasse, ey. das spektakelchen dünkt mich unnötig in die länge gezogen. ab und an holpert der plot und droht abzusacken, um sich dann wieder mit einem flotten anti-kleister spruch auf ein gmögiges level zu hieven. nett, dass es unterschiedlichste shots und kameraeinstellungen gibt. damit lockert sich der film selber auf. mich erinnert The Edukators, wie sie ihn hier nennen, an die geschichte dreier pubertärer, muffliger second-hand shops berliner-kunden, die schon etwas grün - grün ist gut, denn es steht für recycling - hinter den ohren sind. ihre (gemeinsame) geschichte dümpelt um die beziehungsverflechtungen untereinander und ist gleichzeitig an ihren ansichten und ideologien aufgehängt. naja, wenn ich mich für eine der seiten - bonzig / sozial(odersowas) - entscheiden müsste, würde ich wohl kurz aufs klo müssen, um nicht wieder zu kehren. denn es gewinnt niemand oder ist im recht - auf keiner seite. ein guter film und ziemlich ungewöhnlich. |
Ja, auch mir gefiel der Film, weil er super gespielt ist und das Drehbuch stimmt. |
Zitat dpa
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netter film, der aber nicht voll zu überzeugen vermag. die erste hälfte nervt gewaltig mit dem dümmlichen anarcho-rumgelaber. am besten sind dann auch die szenen auf der alm, aber der schluss dann wieder... aaaaargh! |

