Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Gegen die Wand
Gegen die Wand oder: Volle Pulle ins Verderben Türkische Mädchen, deren Nasen vom Bruder gebrochen werden, weil sie beim Händchen halten erwischt wurden, sind ebenso Realität wie der türkische Gewinn des Eurosong-Contests mit europatauglicher Popmusik. Die Türkei bleibt ein Land der Widersprüche. Auch wenn in Deutschland 2 Millionen Türken leben. Auch in der Schweiz gehören sie zu den grössten ausländischen Bevölkerungsgruppen. Fatih Akin ist einer dieser Deutsch-Türken. Soll man es ihm verübeln, dass er sich nicht um ein positiveres Bild seiner Landsleute in Deutschland bemüht hat, indem er seine Geschichte vor einem traditionalistischen Hintergrund filmt? Sicher nicht, wenn er sich auf die türkischen Melodramen bezieht, die ihn faszinieren. Noch weniger, wenn er einen spannenden Film machen will, der als Momentaufnahme der türkischen Gesellschaft inmitten der deutschen funktionieren soll. Die ewiggestrigen Ansichten vom Heimatland sind auch bei Auslandschweizern zu erkennen, die mehrere Jahre in der Fremde verbracht haben. Jeder der schon mal auf Besuch war in der fünften Schweiz, hat das vielleicht bemerkt. Und Sibels Geschichte ist nicht aus der Luft gegriffen. Viele Frauen mit ähnlichen Lebensläufen wie die Protagonistin im Film haben sich gemäss Akin beim Casting gemeldet. Gerade erschütterte der Bericht eines türkischen Mannes aus Niederscherli bei Köniz, der zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, weil er seine Schwester und deren Freund gezielt hingerichtet hat, um die "Familienehre wieder herzustellen". Herausgekommen ist ein wuchtiges, verstörendes Drama, das zum Denken anregt und nicht schnell zu verdauen ist. Sibel Kekili ist eine Entdeckung. Sicher nicht die aus der Einkaufspassage, wie es das Presseheft euphemistisch Glauben machen will. Bild-Leser wissen, dass Akin im Pornobusiness fündig geworden ist. Türkische Nackedeis sind wahrscheinlich so reich gesät wie gute Schauspielerinnen im Schmudelgenre. Dass Kekili Talent und Offenherzigkeit vereint, muss für Akin ein besonderer Glücksfall gewesen sein. Akin hat die Generation der Secondos in Deutschland schon mal durchleuchtet. Mit Anleihen bei Cinema Paradiso und einem Protagonisten, der sich in der neuen Heimat als Filmschaffender durchsetzt, spielten in Solino die Italiener, die nach dem Krieg nach Deutschland kamen, die Hauptrolle. Mit Gegen die Wand ist ihm ein noch persönlicherer Film gelungen. Die Jury der Berlinale 2004 hat Gegen die Wand mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet. Der erste deutsche Preisträger seit 18 Jahren. |
Ihre früheren Werke waren super, demnach könnte auch der neue gut sein |
Klingt sehr interessant! Solche Thematik interessiert mich sehr... |
Gegen die Wand ist wohl das beste war der deutsche film seit langem zu bieten hat. da ist der goldene bär der diesjährigen berlinale wohlverdient und man hofft auf ein erblühen des deutschen qualitätvollen films. doch Gegen die Wand ist weder ein typisch deutscher, noch ein typisch türkischer film. vielmehr zeigt er die lebensgeschichte von 2 erzweifelten menschen, auf der suche nach einem besseren leben. der hauptdarsteller birel ünel war da ein besonderer glücksgriff. denn dieser charismatische mensch bestiehlt durch ein sagenhaftes schauspieltalent. seine nebenbuhlerin sibel kekilli erweist zwar eine grosse vielfalt, kann aber neben ünel nur bedingt mithalten. fatih akin stellt dieses drama mit sehr extremen, krassen und deutlichen bildern dar, unterrahmt von einer wunderbaren musik. zum beispiel wenn ünel mit dem background "i feel you" von depeche mode gegen die wand knallt oder das musikalische ensemble am bosborus.... Gegen die Wand regt zum denken an, auf jeden fall. vor allem aber zeigt er die problematik der einwandererkinder und der darauffolgenden generationen mal von einer ganz anderen seite, die ihre herkunft fast vergessen lässt. also, nichts wie rein in die kinos, wenn er dann endlich in der schweiz anläuft. |
bin hochgradig gespannt! |
Zitat dougthehead (2004-04-08 15:45:03)
freut mich... |
Was Fatih Akin zu Drogen, Sex und DVDs zu erzählen hat... |
tolles interview!!!! |
ich hab den film mittlerweile schon zweimal gesehen.. Wirklich ein toller film, der beweist das einige deutsche regisseure doch etwas können... Zu recht den goldenen bären bei der berlinale gewonnen! |
hjoa... wies so schön auf der dvd-hülle steht: "harter tobak" trifft es eigentlich nicht schlecht! ich mag harten tobak, und wie! und der birol ünel (ich hoffe der heisst wirklich so!) ist ehrlich gesagt mein persönlicher held im film! klar, seine filmpartnerin spielt auch ziemlich gut, aber seine "leck-mich-am-arsch"-performance gefällt mir hammermässig gut: waagrecht ist scheisse! |

