Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Up in the Air
Up in the Air oder: Status-Abfrage eines HR-Spezialisten Wirtschaftskrisenfilme spielten früher oft in Armenvierteln. Den Arbeitern fehlt das täglich Brot, und um so wichtiger ist der familiäre Zusammenhalt nach Arbeitsschluss. Vor Jahrzehnten war soziale Romantik die Wärmelampe gegen kalten Kapitalismus. Up in the Air ist ein Film über die aktuelle Wirtschaftskrise, der einen vermeintlich Privilegierten weit oberhalb der Armutsgrenze zeigt, der aber trotzdem arm dran ist. Dieser Mann ist George Clooney, das smarte Business-Modell unter den Schauspielstars. Sein Vielflieger Bingham hat's im Urin. In der perfekt geschnittenen Einführung markiert er sein Revier - die Flughäfen. Stromlinienförmig gleitet er durch die Hallen, in denen er sich zuhause fühlt. Das pure Gegenteil von Tom Hanks' krakosischem Immigranten in The Terminal. Auch seinen im Grunde menschenverachtenden Job hat er voll im Griff. Mitleid kennt er nicht. Wutausbrüche kontert er gekonnt. Er zieht die Leute über den Tisch, und sie verstehen die entstehende Reibungsenergie als Nestwärme. Einen Entlassenen überzeugt er gar, seinem Lebenstraum nachzugehen. Suizide passieren, aber Bingham wäscht seine Hände in Unschuld. Doch auch ein weitgereister Single wie Bingham hat Familie. Regisseur Jason Reitman (Juno) stellt sie in Wollpullis als Kontrastprogramm zu Binghams Massanzügen vor. Es will rein optisch nicht zusammenpassen, wie die peinliche Kartonfigur in Binghams exakt ausgemessenem Rollkoffer, die ihm seine Schwester auf den Weg gibt. Um eine virtuelle Weltreise auf Fotos zu simulieren, wünscht sich ein Brautpaar von allen Hochzeitsgästen Fotos von sich vor den Sehenswürdigkeiten des Landes. Zwar sind sie nicht selber vor Ort, aber platziert man den Pappständer mit Braut und Bräutigam drauf geschickt, ist die Illusion perfekt. Auch Bingham kriegt ein paar Destinationen zugeteilt, und fortan lugt immer etwas Karton aus seinem Samsonite, als erster Riss in der ansonsten allglatten Oberfläche Binghams, der auf die bevorstehende Wandlung deutet. Doch keine Männerläuterung ohne Frau(en). Bingham begegnet zwei Exemplaren der Spezies. Das neue Gesicht Anna Kendrick spielt den Rookie, welcher dem alten Meister nichts vormachen kann, aber trotzdem will. Mit der kaltschnäuzigen Unerfahrenheit einer HSG-Absolventin beim ersten Vorstellungsgespräch scheitert sie an der eigenen Erfolgsorientierung. Während sie Binghams Ansichten weder privat (ideale Koffergrösse!) noch beruflich teilt, scheitert sie gleichzeitig mit ihrem biederen Lebensplan vom Mann fürs Leben. Sie imponiert Bingham dabei aber doch so sehr, dass es trotzdem für ein enthusiastisches Arbeitszeugnis reicht. Vera Farmiga (The Departed) ist der sexy Businessvamp, dem Bingham verfällt. Aus den friends with benefits wird im Verlauf des Films bald mehr, was aber zur Folge hat, dass gewisse Wendungen gegen Ende von Up in the Air nicht wirklich nachvollziehbar sind. Oder können heute Frauen privates und berufliches Leben doch so klar trennen? Das soll aber der einzige Kritikpunkt zum unterhaltenden Wirtschaftskrisenfilm sein, der sich thematisch am Ende doch noch seinen Vorgängern annähert und die Protagonisten auf die wichtigen Werte besinnen lässt. Jason Reitman gelingt mit seinen spielfreudigen Darstellern, allen voran Clooney, ein léger daherkommendes Statement zu schweren Themen wie Bindungsangst und Bedrohungen durch technologischen Fortschritt. Ein flotter Film über das Ständig-in-Bewegung-sein und trotzdem An-Ort-und-Stelle-treten. |
herrlich, wie clooney den charakter spielt, und dabei wohl auch ein stückchen sich selber. sehenswert! |
Flotter und sehr glatter Film, der sich aber im letzten Drittel ein bisschen zu sehr in Plaudereien verliert und somit das Ganze ein bisschen knorzig macht. Nichts desto Trotz, eine schöne Geschichte mit einem hervorragend aufgelegten Clooney, der in solchen Rollen immer wieder seine Stärken ausspielen kann. |
Weiss nach deiner Kritik noch nicht so recht, ob das eher ein Frauenfilm ist... |
Zitat Sunzi (2010-01-31 22:13:14)
ich kann nur für mich sprechen, ich fand ihn unterhaltsam, ja. |
Zitat Sunzi (2010-01-31 22:13:14)
Up in the Air ist mit Sicherheit kein Frauenfilm. |
Frauenfilm? Bestimmt nicht. Es geht unter anderem um Männlichkeit und wie sie in unserer Zeit gedacht wird. Fand die ganze Problematisierungen Mann vs. Frau, Jung vs. Alt, Verheiratet vs. Ledig eigentlich sehr passend und nicht besonders frauenspezifisch. |
Clooney ist so gut wie nie und die beiden Damen sind auch in Topform. Dazu ein super Soundtrack und ein sehr gelungenes Drehbuch mit Tiefe - "Up in the Air" wird zurecht überall gelobt. |
Ich kann dem Lob nicht folgen. Der Film enthält einige humorvolle Szenen mit guten Dialogen. Doch im grossen ganzen ist er sehr oberflächlich. Für einen netten Unterhaltungsabend ist er allerdings durchaus ausreichend. |
Ein Film, der wie eine Rakete startet. Im letzten Drittel gerät er etwas unschlüssig ins Wanken. Er trifft aber den Zeitgeist auf den Punkt. [Editiert von dap am 2010-02-28 08:56:48] |
Ich bin eigentlich kein besonders grosser Clooney-Fan. Aber in diesem Film ist er echt cool. Ich reise selber extrem gern und konnte die Einstellung des Protagonisten gut nachempfinden. Spoiler zum Lesen Text markieren
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ein eindrücklicher streifen. beginnt sehr zynisch, hat komische momente. dann droht er aber ins ktischige abzugleiten, um dann gegen schluss wieder die kurve zu kriegen. fands sehenswert. die frage bleibt im raum, wie unmenschlich manche jobs sein können... wieviel privatleben soll für einen gehaltscheck geopfert werden? und wie wirkt sich das moderne job-karavanen-leben mit den pausenlosen geschäftsreisen auf den mensch langfristig aus? kann man trotz ständigem leben aus koffern soziale, echte integration erleben? oder endet man so verloren und gestandet in einem flughafen (oder in der schweiz eher auf einem bahnhof?)...? spannende fragen, die der film aufwirft. |
Jason Reitman ist mit Up in the Air ein weiterer Volltreffer gelungen. Sein Film strotzt vor leichtfüssiger Satire und schnellen Screwball-Dialogen, lässt aber auch Herz, Charakterstudie und nachvollziehbares Drama nicht vermissen. |
Wenn es einen Film gibt, in dem George Clooney zeigt, was er drauf hat, dann ist es Up in the air. Denoch macht sein Charakter namens Ryan Bingham im Film eine Entwicklung durch. Aus einer One-man-show wird auf Anordnung "von oben" (man beachte das Wortspiel Fazit: Ein wunderbarer Film zum "Entschleunigen", egal ob in der Luft oder auf festem Boden, mit einem überzeugenden Cast. |

