Forum Movies - Reviews: Kino
Beitrag Sunny Hill
Sunny Hill oder: Das Wandern ist des Müllers Lust Dieses Low-Budget-Psychodrama, das manche an The Blair Witch Project erinnern mag, besticht durch das Schauspieler-Ensemble inmitten der gleichzeitig heimeligen und unheimlichen Schweizer Bergwelt. Die Thematik des Selbstmords, geschweige denn des Gruppenselbstmordes, ist selten in den Kinosälen anzutreffen. So ist man etwas orientierungslos und fragt sich oft während des Films: "Warum müssen sie sich denn unbedingt umbringen?" Luzius Rüedi und seine Drehbuchautoren (Gabriela Meixner-Müller und Christian Samuel Weber) lassen diese Frage lange offen und rücken nur zaghaft mit ein paar biografisch-tragischen Anhaltspunkten heraus. Doch trotzdem: Muss man sich wegen dieser Kleinigkeiten gerade umbringen? Es scheint mehr dahinter zu stecken, weshalb von den Zuschauern viel Phantasie und Standhaftigkeit gefordert wird. Die verschlossene Haltung der Darsteller passt aber zum typischen Bild eines Selbstmörders. Aus einer einfachen Idee mit wenig offensichtlicher Handlung ist ein atmosphärisches Psychodrama geworden. Dem Kamerateam (Marco Barberi und Denis Lüthi) ist es gelungen, die atemberaubende Schönheit und Gefährlichkeit der Schweizer Klippen spürbar zu machen. Man fiebert mit den Darstellern und hofft, dass sie sich doch noch umentscheiden werden. Die leicht variierende Begleitmusik passt auch zum ganzen Ambiente. Es gibt übrigens einen japanischen Vorgängerfilm mit einer ähnlichen Filmidee: Ikinai, das Regiedebüt von Shimizu Hiroshi, bei dem es um eine mehrheitlich betagte Selbstmord-Reisegruppe auf ihrer letzten Reisebusfahrt geht. In beiden Filmen sind nicht alle 100 Prozent überzeugt von ihrem Vorhaben. Für dieses Fünkchen Hoffnung darf der Zuschauer Partei ergreifen und darauf hoffen, dass sich doch noch alles zum Guten wendet. Dieses ungewohnte Kinoerlebnis hat seinen - etwas morbiden - Thrill, doch man bleibt der ausweglosen Situation ausgeliefert, ausser man verlässt den Kinosaal während der Vorführung. Fazit: Sunny Hill ist ein überzeugendes Regiedebüt von Luzius Rüedi und ein gewagter Tabu-Film mit gut platziertem Wortwitz ("Hals und Beinbruch") und hoffnungsvollen Darstellern. |

