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Breath Made Visible: Anna Halprin oder: Die mit dem Atem tanzt


Der Filmemacher Ruedi Gerber hat selber in den Achtzigerjahren in den ausgelassenen Workshops von Anna Halprin teilgenommen, wo es nicht selten zu nackten Übungen auf den Stränden Kaliforniens kam. Anna Halprin gilt als die grosse Erneuerin des "modernen Tanzes", da sie den Tanz aus dem Korsett des Ballets befreite. Durch Inspirationen von der Tanzlegende Isadora Duncan oder der Tanzpädagogin Margaret H'Doubler lernte sie neue, ungeahnte Möglichkeiten des Körperausdrucks kennen.

Die Poesie des Tanzes in Worte zu fassen oder in einem Film zu erklären, ist äusserst schwer. Gerber webt aber auf geschickte Weise biografische Aufnahmen aus ihrem bald 90-jährigen Leben mit alltäglichen Szenen und Interviews aus ihrem Haus, inmitten des nordkalifornischen Waldes. Dabei spielte der von ihrem Mann designte "Dance Deck" (Tanzterasse), wo sie Ideen entwickelte, eine wichtige Rolle. Es ist eine erhöhte Platform inmitten des Waldes mit durch den Holzboden wachsenden Mammutbäumen. Auf diesem Ort der Kreativität und des Experiments hinterliessen schon unzählige berühmte Tanzpersönlichkeiten ihre Fussabdrücke.

Mit poetischen Wortkreationen wie "Breath made visible" (Den Atem sichtbar gemacht) gelingt es der Performance-Künstlerin, den Zuschauer einzuladen in ihr dynamisches Universum, in dem man die Einzigartigkeit und Schönheit jedes menschlichen Körpers zu entdecken vermag. Dabei kann die Schönheit von tanzenden Körpergruppen in der freien Natur auch an urtümliche Riten erinnern, wie bei den indianischen Kreistänzen mit Trommel-Beat (so genanntem "Planetary Dance"). Es geht aber in diesem Film nur oberflächlich um Tanz, denn durch die Wahrnehmung des eigenen Körpers öffnet man sich und beschäftigt sich mit Lebensfragen, die alle Menschen betreffen.

Ruedi Gerber und sein Team haben aus einer Unmenge von Anna-Halprin-Filmdokumenten ab den Vierzigerjahren bis in die heutige Zeit eine abwechslungsreiche, historische Filmcollage zusammengeschnitten. Man wünscht sich manchmal noch einen tieferen Blick in die Tanzworkshops, doch der Film bleibt eine ideale philosophische Tanzeinführung vor allem auch für diejenigen, die sich noch nie mit Tanz beschäftigt haben. Man kommt aus dem Kino mit einer geschärften Wahrnehmung für das in uns allen steckende Potenzial an Körperausdruck und möchte grad lostanzen, selbst wenn man zwei linke Füsse hat.

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dap's Wertung: 5 Sterne


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