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Beitrag Troubled Water - DeUsynlige
Troubled Water - DeUsynlige oder: Der Kirchenorgelspieler Troubled Water ist Erik Poppes dritter Spielfilm nach Schpaaa und Hawaii, Oslo. Bei seinem Regiedebüt interessierte er sich für die verlorene Jugend in Oslo in der ewigen Gewaltspirale. In Troubled Water wird zuerst die Perspektive des straffälligen Thomas eingenommen. Thomas ähnelt dem "zweifelnden Apostel Thomas", denn auch er streitet gerne mit der Pfarrerin über Gott und die Welt. Wird ihn die Gesellschaft je wieder akzeptieren? Werden ihm die Eltern des verstorbenen Jungen je vergeben? Ist er überhaupt schuld an allem? Warum lässt Gott das Böse zu? Schwere Fragen. Aus dieser unsicheren Ausgangssituation entwickeln sich Hoffnungsschimmer, doch immer lauert die Gefahr, dass seine wahre Identität und seine kriminelle Vergangenheit ans Tageslicht geraten. Erik Poppe arbeitete lange als Kameramann, und auch in diesem Film sind lange Strecken der Erforschung des menschlichen Gesichts gewidmet. Es geht ansatzweise um religiöse Debatten über das Böse oder die christliche Vergebung, doch Poppe interessiert sich nicht so sehr für eine klare Antwort wie die hübsche, etwas naiv schwarz-weiss denkende Pfarrerin im Film. Stattdessen erforscht er scharfsinnig die Verhaltensweisen des Straftäters und der Mutter des Opfers (Trine Dyrholm). Leider ist es Poppe nur teilweise gelungen, die realistische Schauspielerei mit diesem modernen, religiösen Gleichnis um "Verbrechen und das Danach" zu vereinen. Gegen Ende wird es eine Prise zu melodramatisch und unglaubwürdig. Der Film ergründet auf ähnliche Weise die dunklen Bereiche der menschlichen Seele wie Der freie Wille, in dem Jürgen Vogel als Triebtäter eine Meisterleistung darbot. Die fast unzumutbare Vergebung von Straftätern von seiten der hinterbliebenen Eltern des Opfers konnte man noch eindringlicher bei Dead Man Walking nachspüren. In Troubled Water wird - leider Gottes - die überzeugende Schauspielleistung durch die bruchstückhafte, zweigeteilte Erzählstruktur zerstückelt und erschwert somit für den Zuschauer den Sog in den Filmfluss. Mit ähnlichen desorientierenden Filmerzählungen experimentierte man auch schon bei 21 Grams und Memento oder im japanischen Filmklassiker des Mehrperspektiven-Films: Rashomon. Es geht wohl bei Troubled Water auch einfach um tief nagende Gefühle und das Motiv Wasser, zum Beispiel im Zustand des Taufwassers. Es ist so ein verstörender, tiefgründiger Film über Verbrechen, Neuanfang, Gott, Vergebung und Mutterinstinkt, der aber formal etwas umständlich geworden ist. Man darf aber hoffen, dass die Filme von Poppe in naher Zukunft ihr Entwicklungspotential weiter ausschöpfen werden, da er immer tiefer unter der Oberfläche kratzen wird. |
Dem Regisseur Erik Poppe gelingt das Kunststück, das Publikum sowohl auf die Seite von Thomas als auch auf die der Eltern des Jungen zu ziehen und es damit jeder/m einzelnen/m zu überlassen, wie die Frage nach einer zweiten Chance für den Kindsentführer zu beantworten ist. Berührend. Was die Erzählstruktur betrifft, sehe ich das Problem nicht so in deren Komplexität (bei Memento ist die viel "ausgeklügelter", weil sie die Erzählebene mit dem Inhalt verbindet, und man muss bedeutend besser aufpassen, um wirklich folgen zu können). Die Flashbacks waren für mich sehr gut erkennbar und die zeitliche Abfolge klar nachvollziehbar. Gestört hat mich dagegen, dass im ersten Filmteil grundsätzlich Thomas' Geschichte erzählt wurde, im zweiten dann die der Mutter/Eltern des Kindes. Das teilt die Handlung in zwei Teile und gibt nach der Pause den Eindruck von "so, und jetzt erzählen wir das Ganze nochmal, dieses Mal aus der Sicht des Opfers". Aber vielleicht funktioniert der Film, das erwähnte "Kunststück" auch genau deswegen so gut... |
Zitat ema (2010-02-07 19:36:34)
Von der schauspielerischen Leistung von der Mutter bin ich extrem begeistert. Schon alleine die Szene in der Kirche, wo die Schulklasse einen Besuch abstattet, ist grandios. Alles in allem eine toll gespielte, schön fotografierte Schuld-und-Sühne-Geschichte mit Langzeitwirkung. |

