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Pope Joan oder: Girlpower im Mittelalter


Die Päpstin lässt sich mit zwei Worten beschreiben: kitschig und melodramatisch. Wer glaubte, das echte Melodram sei vor einem halben Jahrhundert verstorben, wird hier eines Besseren belehrt. Unterlegt mit ununterbrochener, oftmals schwülstiger Musik, ist dies nicht die Passion der Johanna, sondern die des Zuschauers. Den Rahmen gibt ein Erzähler aus dem Off. Erzähler überbrücken Stellen, die der Regisseur nicht zeigen konnte und sind ein billiger Trick, um Schwächen zu kaschieren. Dies trifft hier zu.

Bereits der Anfang dieses langen Filmes ist unerträglich kitschig und klischeebeladen. Die lobpreisende Narration des Erzählers vermischt sich mit einer dramatischen, aber altbekannten Geburtsszene. Danach tritt der Vater in Erscheinung, dessen Figur, wie die meisten in Die Päpstin, eindimensional bleibt. Die Figuren, die Dialoge, die Musik, selbst die Fotografie sind immer entweder schwarz oder weiss. Die Kamera scheint in diesem Film fast gänzlich auf zwei Einstellungsgrössen festgelegt zu sein: die Grossaufnahme - exzessiv eingesetzt - und die Totale.

Abgesehen von der Erschlagung durch Kitsch und epischer Melodramatik, stimmt auch bei den Kostümen und den Actionszenen einiges nicht. Regisseur Sönke Wortmann hat mit Sicherheit mehr Lord of the Rings geguckt, als medizinisch erlaubt sein dürfte. Johannas Lehrer Aescolapius, mit weissen Hair-Extensions und langem Gewand, sieht aus wie ein billiger Gandalf-Verschnitt. Die Reitsequenzen scheinen beim Schneiden einiger Rohan-Szenen übrig geblieben zu sein. David Wenham (Faramir!) musste seine LOTR-Garderobe und LOTR-Ausdrücke recyceln. Hier ist eine gute Gelegenheit verpasst worden, etwas Eigenes zu schaffen. Immerhin, die Szenen in Rom sind origineller, visuell eigenständig und ansprechend.

Die Burgschauspielerin Johanna Wokalek rettet diesen Film. Sie allein sorgt dafür, dass einem nicht langweilig wird und man trotz aller Melodramatik sitzen bleibt. Sie allein wertet diese schlecht erzählte Geschichte so sehr auf, dass man empfehlen kann: "Es lohnt sich reinzugehen, um Johanna Wokalek spielen zu sehen." Ihr Spiel ist mitreissend, kraftvoll, überwältigend. Anmutig, subtil und bescheiden an den richtigen Stellen. Wokalek schafft es, mit jedem Gegenüber eine unvergleichliche Chemie zu erzeugen, die auch inhärent pathetische Szenen rettet. So wie Wortmann die Geschichte erzählt, ist sie wenig rührend, doch Johanna Wokalek ist eine Bastion der Menschlichkeit, nie unglaubwürdig. Ihr Gesicht und ihre Emotionalität tragen diesen Film. Keine andere deutsche Schauspielerin könnte es ihr gleichtun. Ihr sind die 2 Sterne dieser Kritik gewidmet.

Für Schauspielschüler ist Die Päpstin auf der grossen Leinwand ein Must-see, alle anderen können getrost auf den Fernsehstart warten.

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aru's Wertung: 2 Sterne

Wie stehts mit John Goodman? Der wäre nämlich der einzige Grund für mich, mir den Film anzusehen.

Zitat aru

Die Burgschauspielerin Johanna Wokalek rettet diesen Film.

Und diese "Rettung" hebt den Film auf ganze 2 Sterne? Also, "retten" ist was anderes. ;)

[Editiert von El Chupanebrey am 2009-10-19 19:59:57]

El Chupanebrey's Wertung: Noch nicht bewertet

John Goodman macht seine Sache gut und ohne sich zu ernst zu nehmen. Es ist schön, ihn mal in einer ganz anderen Art von Film (bzw. Kostüm), als man sonst von ihm gewohnt ist, zu sehen. Nur seine ersten paar Szenen sind noch etwas zu sehr auf der komödiantischen Seite, was nicht unbedingt angebracht ist.

aru's Wertung: 2.0 Sterne

Scheint als ob der Film das Buch ganz gut getroffen hat. Das Buch ist ebenfalls erzählerisch ziemlicher Durchschnitt und lebt allein von der Hauptfigur und von der mittelalterlichen Weltanschauung. Gerade die emotionaleren Passagen im Buch liessen zu wünschen übrig und von der Melodramatik reden wir lieber gar nicht.

Bin gespannt wie sie den Film zusammengefasst haben, dachte mir beim Lesen einige male dass sich das Buch locker um die Hälfte kürzen liesse ohne wirklich an Dramatik zu verlieren.
Vermisse in der Rezi übrigens genau den vergleichenden Aspekt, denn darauf warten die Fans am meisten. Denn gerade über szenenanalytische und Inszenierungsdetails lässt sich gerne hinwegsehen wenn der Ton der Vorlage getroffen wird.

goodspeed's Wertung: 3.0 Sterne

Hab von dem Buch mal eine Hörspielfassung gehört und die fand ich ganz ok. Daher bin ich noch gespannt, was die aus dem Film geholt haben...

db's Wertung: 4.0 Sterne

@goodspeed - Ich habe das Buch nicht gelesen, da es leider überhaupt nicht zu meinem Literaturgeschmack passt. Ich war am Film interessiert, u.a. wegen dem guten Trailer und wegen Johanna Wokalek. Ich musste für die Rezi ziemlich genau auswählen, worauf ich eingehen wollte und da erschien mir ein Vergleich (selbst wenn ich das Buch gelesen hätte) nicht unbedingt am Nötigsten. Fans des Buches werden, denke ich, egal wie die Kritik ist, in den Film gehen und dann selber urteilen. Ansonsten geht es hier ja darum, die Qualität des Filmes zu bewerten und nicht, ob der Film das Buch gut vertritt. Der Film muss als Film funktionieren und für sich allein stehen, bzw. bewertet werden.

aru's Wertung: 2.0 Sterne

Wieso heisst der Film bei Out now "Pope Joan"? Der Film ist doch eine deutsche Produktion unter dem Titel "Die Päpstin".
Gruss T

wasischlos' Wertung: Noch nicht bewertet

Der Film ist eine Deutsch, Italienisch, Englisch und Spanische Co-Produktion. Die Originalsprache in der er aufgenommen wurde ist Englisch und daher ist der Originaltitlel "Pope Joan" und nicht "Die Päptstin".

aru's Wertung: 2.0 Sterne

Also, ich bin jetzt doch noch ins Kino. Trotz der schlechten Kritik. (Und ich halte für Gewöhnlich sehr viel von der outnow - Kritk) Aber ich hatte ja schliesslich das Buch gelesen und so war ich auch ziemlich neugierig auf die Verfilmung.
Zu melodramatisch? Ein bisschen. Das stimmt. Ist allerdings im Buch genau so dargestellt.
Die Darsteller sind wirklich gut gewählt. Den Charakteren aus dem Buch entsprechend. Johanna Wokalek ist spitze, Goodman witzig und Faramir darf auch hier gut aussehen. 8D Mir hat der Film ziemlich gut gefallen. Obwohl die Rüstungen zu sehr glänzen, die Figuren zu einseitig sind, wie oben bereits erwähnt. Aber das war im Buch schon so. Und das Buch hatte mir im Grossen und Ganzen sehr gut gefallen. Besonders die Idee dieser Geschichte find ich toll.
Fazit: Wer das Buch gemocht hat wird auch den Film mögen.

[Editiert von eowyn44 am 2009-10-29 12:45:28]

eowyn44's Wertung: 4.0 Sterne

Fazit: Wer das Buch gemocht hat wird auch den Film mögen.

Dem kann ich mich nur anschliessen. Der Film hält sich beinahe penibel genau an das Buch wodurch meiner Meinung nach sich der Film einige Schnitzer erlaubt. Denn gerade in den wenigen Momenten wo der Film eigene Wege geht wurde ich am meisten berührt.
Ich fand das Buch interessant, hatte aber erzählerisch als auch dramaturgisch seine Schwächen. Dies wurde aber durch die die lebendige Schilderung von Johannas Jugend und der faszinierenden Darstellung des damaligen Glaubensfanatismus mehr als nur wettgemacht.
Der Film lässt die Kindheit aber zu einem Postenlauf verkommen, von den Ungerechtigkeiten die Johanna zeitlebens begleiteten ist nur noch ein kümmerlicher Rest spürbar. Lediglich die letzten 30min waren filmisch wirklich gelungen.

Von der LOTR Parallelen hab ich bis auf Wenhams Erscheinung nichts gespürt, da sprangen mir eher Ähnlichkeiten mit Rome, Name Of the Rose oder Krabat ins Auge.
Und der Erzähler macht unter Berücksichtigung des Filmendes Sinn, aber ist einfach nur die billigste aller denkbaren Lösungen...

Buch: 7/10
Film: 6/10

goodspeed's Wertung: 3.0 Sterne


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