Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Hunger
Hunger oder: Heute gibt's wieder Hunger zum Mittagessen! Hunger wurde von Enda Walsh und Steve McQueen geschrieben, der auch gleichzeitig die Regie übernahm. Es ist sein erster Spielfilm und behandelt den zweiten irischen Hungerstreik aus dem Jahre 1981, der auf politischer Ebene einiges ausgelöst hatte. Der Streik wurde gestartet, nachdem der erste, trotz dem Beinahetod eines Insassen, nicht die erwartete Wirkung erzielt hatte. Selbst wenn die Medien immer stärker über die katastrophalen Bedingungen in den Gefängnissen berichteten, benötigte es schliessich den Tod von zehn IRA-Kämpfern, bis die britische Regierung die Forderungen erfüllte. Doch wird dies im Film kaum besprochen und schon gar nicht erklärt, was den Einstieg nicht gerade einfach macht, da die politische Dimension des Ganzen kaum gewichtet wird. Erst in der Mitte des Filmes gibt es eine längere Dialogsequenz, in der Bobby Sands - der real exisitert hat - mit einem Pfarrer seinen kommenden Hungerstreik bespricht. Das ist der einzige Moment, in dem ein Grossteil der bisher gezeigten Bilder überhaupt erklärt und kommentiert wird. Abgesehen von diesem intensiven Gespräch dominieren im Film die ruhigen, dialoglosen Szenen, welche erst im Nachhinein mit etwas Hintergrundinformationen deutlich an Bedeutung gewinnen. Handlungsmässig beginnt der Film mit der Ankunft eines neuen Häftlings, der bis etwa in die Hälfte des Filmes durch den Alltag begleitet wird, während sich die zweite Hälfte nur noch um den Hungerstreik von Sands dreht. Bis dahin wird die Gewalt an den Häftlingen nur angedeutet, dann zelebriert und zwischendurch immer wieder Bilder von den unmenschlichen Bedingungen gezeigt, in denen die Häftlinge dahinvegetieren. Doch anstatt daraus einen Gefängnisthriller zu formen, in dem auch die Medienhype eingefangen wird, belässt es Regisseur Steve McQueen bei vielen ruhigen und mehrheitlich stummen und eindrücklichen Bildmontagen. Dies mag die einen faszinieren, andere wird es hingegen langweilen. Fazit: Hunger ist eine bildgewaltige und sehr experimentelle Dokumentation eines wirklich geschehenen Hungerstreiks. Dabei blendet er die Geschehnisse rund um das Gefängnis grösstenteils aus und konzentriert sich nur auf die Insassen, deren eiserner Wille und die brutale Behandlung durch die Wärter. Punkten kann er vor allem durch die sehr gute Inszenierung, inhaltlich bewegt er sich allerdings eher in den Gefilden von Passion of Christ, wo lediglich das Leiden der Beteiligten gezeigt wird. Dennoch, für einen Debutfilm sicher eine sehr starke Leistung mit viel intensiven Bildern und Momenten. Die DVD bietet den Film in einer sehr sauberen Qualität, welche mit scharfem Bild und gutem Ton überzeugt. Das Bonusmaterial setzt sich neben einigen Trailern nur aus Interviews und aus Aufnahmen vom Set zusammen. Die Interviews geben einige Einblicke in die Ideen hinter der Produktion und vor allem im Fall mit Steve McQueen einige sehr interessante Aussagen über die Entstehung. |
Der Film ist, so wie ich mehrfach gelesen habe, ein absolutes Must-See-Picture. Er war fast ausnahmslos auf den 2008er-Bestenlisten der englischen Kritiker drauf und hat auch in den USA die meisten Kritiker begeistert. Von daher finde ich es mehr als fragwürdig, es dem Film zum Vorwurf zu machen, dass er nicht alles einzeln erklärt. Was ist das Problem des heutigen Kinogängers, einmal auch etwas selber zu machen? Zitat db
Wen Dialoge langweilen, der sollte sich wahrscheinlich auch von diesem Film fernhalten. Naja, so bin ich halt... Ich werde mir die DVD aber 100%ig kaufen und dann kann ich hier auch ausführlicher darüber schreiben. Wenn er mir nicht gefällt, was ich nicht glaube, dann hab ich halt Pech gehabt... [Editiert von El Chupanebrey am 2009-08-31 18:52:24] |
Das mit dem Nicht erklären ist kein Vorwurf, sondern ein Fakt, der entsprechend genannt werden muss. Schliesslich wird im Film ausser den wenigen Sätzen im Intro und Outro kaum etwas über die Hintergründe gesagt und deshalb sollte dies entsprechend ausgedeutscht sein. Schliesslich sollen bei einem Review alle Aspekte des Filmes angesprochen werden und jenachdem erwartet jemand bei einem Film über den Hungerstreick auch etwas historische Fakten und nicht blos schön gestaltete Bilder im Stil von Antichrist. Ich musste mich jedenfalls fürs Review über die ganze Thematik schlau machen, was da alles genau geschehen ist, und mir den Film nochmals durch den Kopf gehen lassen, erst dann fügen sich die Puzzleteile erst wirklich zusammen. Darum auch:
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Sehr guter Film, der hervorragend inszeniert und gespielt ist. Die Gewalt, die im Maze Prison ausgeübt wurde, wird schonungslos und äusserst effektiv dargestellt. Auch arbeitet Steve McQueen ausgezeichnet mit atmosphärischen Kontrasten, er hat ein tolles Auge fürs Detail und den Mut zu langen Einstellungen - der klimaktische 17-minütige Nur-Eine-Einstellung-Dialog (und dann die anschliessenden One-Shot-5-Minuten) gehört zum stärksten, was ich in jüngerer Zeit gesehen habe. Hat mich sehr beeindruckt. [Editiert von El Chupanebrey am 2011-03-27 12:19:06] |
Zum Glück ist die Szene auf Youtube zu finden: Teil 1 Teil 2 Teil 3
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