Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Irréversible
Irréversible oder: Le temps détruit tout Es war am Filmfestival in Cannes, als der Film uraufgeführt wurde. Einige Zuschauer verliessen den Kinosaal nach nur wenigen Minuten. Die dargestellte Brutalität schlug ihnen doch zu arg auf den Magen. Doch ein Film ist und bleibt ein Gesamtkunstwerk, und deshalb sollte man erst urteilen, wenn man einen Film ganz gesehen hat. Doch zweifelsohne treffen einen die Anfangsminuten von Irréversible wie ein Vorschlaghammer. Mit völlig losgelöster Kamera lässt der französische Regisseur und Drehbuchautor Gaspar Noé die Szene im Sado-Maso-Club drehen. Ähnlich wie Marcus scheint die Kamera ebenfalls ausser Kontrolle zu sein. Die ersten Filmminuten verbringt man so verwirrt und verstört, doch immer mit dem Wissen, dass es einen Grund für all diese Gewalt gibt. Und der ist wahrlich kein schöner. Der Auslöser dieser Taten ist einer der schlimmsten und verstörensten Szenen, die je auf Zelluloid gebannt wurden. Zartbesaiteten ist dieser Film also nicht zu empfehlen. Von der Erzählweise her erinnert Irréversible an Christopher Nolans Meisterwerk Memento. Die ganze Geschichte wird Szene für Szene rückwärts erzählt. So weiss man lange nicht die Gründe für das Verhalten des Hauptprotagonisten Marcus. Nolan versuchte so Gedächtnisverlust filmisch darzustellen. Noé hingegen zeigt auf brutalste Weise so seinen anfangs erwähnten Leitspruch "Le temps détrouit tout - Die Zeit zerstört alles". So beginnt der Film furios und voller Gewalt und wird gegen Ende immer angenehmer, was sich auch in ruhigeren Bildern zeigt. Jedoch kann man diese Szenen nicht mehr geniessen, sondern sie tun seelisch weh, da man weiss, dass Glück und Freude später im Leben dieser Personen zerstört werden. Die ruhigere Erzählweise steht im völligen Kontrast zum Vorhergesehenen. Aber Noé übertreibt es hier ein wenig und langweilt den Zuschauer am Ende beinahe nur noch. Irréversible ist ein verstörender und brutaler Trip. Hier wird der Horror nicht durch irgendwelche Monster erzeugt, sondern der Mensch wird als wildester aller Tiere dargestellt. Es ist erschreckend, was wir Menschen einander alles antun können. Glück muss man sich erarbeiten, aber um es zu zerstören braucht es nur eine Tat, oder pessimistisch gesagt: Die Zeit zerstört alles. Irréversible lässt seine Zuschauer deprimiert und nachdenklich zurück. Ideallösungen gibt der Film keine. Für Mainstreamgucker ist dieser Film jedenfalls nicht zu empfehlen, aber allen die offen sind für Neues und starke Nerven haben. Die hier getestete DVD beinhaltet den Film in französischer Sprache mit deutschen Untertiteln. Das Bild ist nicht frei von Verschmutzungen, doch ein Hochglanzbild wäre bei diesem Film sowieso nicht angebracht gewesen. So gefällt das dreckige Bild eher, als das es stört. Als Extra bekommt man nur einen Trailer, that's it. |
Zitat crs (2009-05-31 11:10:00)
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Zitat crs (2009-05-31 11:10:00)
Irréversible selber halte ich persönlich für einen der besten Filme die je gemacht wurden, allerdings würde ich niemals das Wort "Lieblingsfilm" verwenden. Das ist kein Film denn man sich mal ebenso in den Player wirft um die Zeit zu vertreiben. Der Schlag in die Magengrube ist bei der Sichtung des Filmes vorprogrammiert und man sollte schon ein wenig wissen auf was für einen Trip man sich bei diesem Streifen einlässt! Die Anfangssequenz ist wahrlich die Hölle auf Zelluloid gebrannt. Dies einerseits wegen der minutenlangen, farbintensiven, lärmigen, wildgewordenen Achterbahn-Kamerafahrt die mit einem unbeschreiblich brutalen Gewaltexzess endet wo man als Zuschauer in der ersten Reihe sitzt, ungeschnitten, full close-up.....raight in your Face! Auf der anderen Seite fehlt dem Zuschauer jeglicher Bezug zum Gezeigten. Wer ist dieser Marcus, der diesem "La Tenia" die Fresse einprügelt und was hat dieser Typ verbrochen was solch ein Mass an Gewalt rechfertigt? Die Gründe für die Tat in der Anfangssequenz werden dem Zuschauer in der Mitte des Film schonungslos in einer Szene vorgelegt auf die man sich nur schwer einstellen kann. Rund 8 Minuten dauert ein menschenverachtendes Martyrium welches einem den Atem stocken lässt und damit endet das eine junge bildhübsche Frau mit eingeschlagem Gesicht in einer U-Bahnunterführung liegen bleibt. Fassungslos sitzt man erneut in der ersten Reihe als Zeuge, ungeschnitten und in aller Hässlichkeit. In dem meisten Filmen würde man von einem voyeuristischen Stillmittel sprechen, Irreversible macht den Zuschauer sozusagen zum stillen Mittäter, nämlich in der Rolle des Kameraträgers. Der Cameo des Regiesseurs als Voyeur im Hintergrund gibt der Szene den Rest. Bei aller gezeigten Gewalt, das wirklich perfide ist die Story und der Ablauf dieses Filmes. Der ganze ruhige Schluss ist ein Schlag in die Magengrube nach dem anderen. Der Zuschauer wird mit Harmonie, Liebe und Glück berisselt doch zu keiner Sekunde dieser Situation empfindet man auch diese Gefühle. Der Schluss im Park ist der Stimmungskiller in seiner reinsten Form. Die Tatsache (welche man als Zuschauer nur erahnen kann) Spoiler zum Lesen Text markieren
Der Film wird von Vincent Cassel und Monica Bellucci getragen und das sehr authentisch. Liegt vorallem auch daran das die beiden im Doppelpack nicht gerade für gutbürgerliche und prüde Rollen bekannt sind (siehe Sheitan, Unruly, Dobermann etc.) Fazit: Das Anfangsgespräch des Schlächters (Carne, Seul contre tous) im Zimmer setzt die Pace und den Grundsatz für einen unfassbar radikalen Selbstjustiz-Film der zwar schonungslos an der Gewaltschraube dreht, die allerdings verpuffen würde wäre da nicht die perfide Story die rückwärts erzählt wird und das ganze wirklich zu einer derben Mischung anrührt. Absolut kein Film für jedermann und schon gar nichts für Zartbesaitete. Wer aber dem Kontroversen nicht abgeneigt ist, für den ist Irreversible beinahe ein Pflichtkauf. Als DVD empfehle ich die DVD der Kino Kontrovers-Reihe von New Legend (wo auch Seul contre tous erschienen ist). Zur DVD gibst ein dickes Booklet mit einem sehr ausführlichen und interessanten review zum Film sowie Kommentaren von Noé, Cassel etc. |
Ich weiß nicht, wovon all die Begeisterten nur reden, denn für mich war das einfach nur ein abartiger Unsinnsfilm, der Tiefsinn vortäuscht und ledeglich nur heiße Luft produziert. Natürlich kann jetzt der Regisseur unglaublich stolz darauf sein, dass er ein ganzes Festival-Publikum provoziert und verärgert hat, aber viel einbilden braucht er sich nicht darauf: Kranke Gewaltphantasien kann sich jeder hirntote Psychopath ausdenken und das auf Zelluloid bannen, jeder drittklassiger Billigfilmer. Und normalerweise hätte man sowas auch gleich als Gewaltporno verschrien, aber man braucht das Ganze nur tierisch kunstvoll inszenieren (in dem Fall: willkürliche Schnitttechniken und brechreizerregende Kamerafahrten) und schon spricht man auch hier von Kunst! Zugegeben: Die Hauptdarsteller Bellucci und Cassel sind brillant und der Film ist atmosphärisch dicht, aber wen will der Regisseur mit seiner Snufffilm-Ästhetik ansprechen, außer ebenso kranke Gestalten wie im Film? Wahrscheinlich sollen die Schockszenen im Film aber auch nur davon hinwegtäuschen, dass der Streifen gar keine Handlung geschweige denn eine Aussage hat. Oder was will der Film erkenntnisvoll aussagen, das Vergewaltigungen grausam sind? Nach diesen beiden Szenen wird Irréversible zum klassisch französischen Film: Belanglose Endlosdiskussion folgen, weil die ja so beobachtend sind und die Charaktere spürbar machen, bla bla... und dann ist der Film aus. Wenn schon provozieren, dann richtig (siehe Kubrick-Filme oder Filme wie Happiness) und nicht so wie hier! [Editiert von First It Giveth am 2009-06-20 12:56:40] |
Denk mal dass Noé Filme mit seinem etwas speziellen "Touch" macht. |
Zitat euros (2009-06-21 12:29:30)
Naja, vllt. versuche ich es irgendwann mal mit einem anderen Noé-Film, denn sein neuester Film klingt eigentlich interessant... Aja: Haneke ist deshalb umstritten, weil viele - mMn zu Recht - behaupten, dass er ein Moralist sei und mit manipulativen Mitteln arbeitet. |
Zitat First It Giveth (2009-06-22 04:11:24)
Interessant das du Kubrick erwähnst, ich meine ein Film wie Eyes wide Shut lässt sich ja im Grunde auch nur auf den One-Liner am Ende des Filmes reduzieren. Der Rest ist ein künstlerisch inszenierter Softporno mit aufgepauschtem Beziehungsknatsch wie er auch schon mal in einer Vorabendsoap im dt. Fernsehen vorkommt. Und auf Grund deiner Nuller-Wertung sehe ich das die Provokation bestens funktioniert hat! Das Irreversible ohne tiefgehende clevere Aussage daherkommt mag stimmen, aber darum gehts in dem Streifen aber nun wirklich nicht. Der Name des Filmes ist das Programm und dieses wird in einer ungeheuren Weise inszeniert! Eine Handlung ist ebenso vorhanden. Eine Handlung wie es das Leben schreibt, welches ja nicht immer ultraspannend, übermässig durchdacht oder gar irgendwelche tiefgründige Erkenntnise liefert manchmal aber richtig perfide, unfair und grausam sein kann. Aus einer Mücke einen Elephanten triffts sicherlich ganz gut was ja nichts schlechtes bedeuten muss! Die brutale Inszenierung ist ein Stillmittel, nicht anderes. Aber anders wie bei den kinoreifen Gewaltpornos liegt das Ganze deutlich weniger geniessbar auf dem Teller. Einen solchen Streifen von einem drittklassiger Billigfilmer möchte ich definitiv auch nicht sehen. Und deine Anspielung auf das Zielpublikum ist mal wieder ein typisch haltloser Instant-Classic. |
Da ich keine Ahnung habe, was ich von diesem Film halten soll, bekommt er 3 Sternli. Spannend war er während den ersten 60-70' auf jeden Fall. Kein Streifen, den man gesehen haben muss. Vllt bin ich etwas abgehärtet, aber ich habe Kommentare zu diesem Film gelesen wie ".. und ich dachte, ich wäre ein harter Kerl.". Klar ist die Szene nicht ohne.. aber das wars dann schon. |
Schon nur wegen der Kameraführung ein sehr anstrengender Film. Ansonsten liefert er sicher harte und sehr explizite Bilder, welche die Amis nie bieten würden und das gibt dem Film auch einen Realismus den nur die Franzosen hinkriegen. Allerdings gibt er in sachen Geschichte und Inhalt sehr wenig her und macht sehr viel Theater über an sich sehr wenig Material. Ansonsten natürlich Pluspunkte bei den Schauspieler und der Idee überhaupt, damit macht er einiges wett und wer schon alles gehsehen hat, erhält doch die eine oder andere Überraschung. Aber ist es ein Film der in die Top Ten von mir einzieht? Nö, dafür hat mir das ganze zuwenig Substanz. Viel Theater um äusserst wenig Inhalt, mässig interessante Schablonenfiguren und ein Soundtrack der etwa gleich mitreisst wie der lokale Dorfbach.... 3.5 |
Für mich immer noch einer der verstörendsten Filme, die ich bisher gesehen habe. Noe's Filme sind sowieso ein Spiel zwischen Genialität und Wahnsinn. Irreversible ist unglaublich brutal und doch gegen Ende wieder unverständlich sinnlich, zärtlich und humorvoll. Viele Worte sollte man über dieses Werk nicht verlieren, denn nicht jeder sollte es sehen und wer es sehen sollte, der weiss auf was er sich einlässt. |

